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  Gedichte  -  Kurt Tucholsky 1890-1935 deutscher Schriftsteller
rita
BeitragVerfasst am: 13.02.2008, 13:45  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Kurt Tucholsky 1890-1935 deutscher Schriftsteller
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Gartenmeister(in)
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3158

Der Zerstreute
Mein Blinddarm , der ruht in Palmnicken ;
ein Backenzahn und überdies
ein Milchzahn liegen in Saarbrücken .
Die Mandeln ruhen in Paris .

So streu ich mich trotz hohen Zöllen
weit durch Europa hin durchs Land .
Auch hat die Klinik in Neukölln noch
etwas Nasenscheidewand .

Ein guter Arzt will operieren .
Es freut ihn , und es bringt auch Geld .
Viel ist nicht mehr zu amputieren .
Ich bin zu gut für diese Welt .

Was soll ich armes Luder machen ,
wenn die Posaune blasen mag ?
Wie tret ich an mit meinen sieben Sachen
am heiligen Auferstehungstag ?

Der liebe Gott macht nicht viel Federlesen,
<< Herr Tiger ! >> Ruft er. << Komm hervor !
Wie siehst du aus, lädiertes Wesen ?
Und wo - wo hast du den HUMOR ? >>

<< Ich las >> - sag ich dann ohne Bangen -
<< einst den ETAT der deutschen GENERALITÄT .
Da ist mir der HUMOR vergangen .>>
UND GOTT VERSTEHT .
UND GOTT VERSTEHT . 1932


Zuletzt bearbeitet von rita am 14.08.2008, 10:33, insgesamt einmal bearbeitet
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rita
BeitragVerfasst am: 13.02.2008, 13:59  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Kurt Tucholsky 1890-1935 deutscher Schriftsteller
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3158

Heimat
Aber einen Trost hast du immer , eine Zuflucht ,
ein Wegschweifen . Selbst auf Umgebungsflachheiten
stehen Bäume ,Wasseraugen schimmern dich an ,
Horizonte sind weit , und auch durch düstere
Verhängung kommt noch Feldatem .
Alfons Goldschmidt <DEUTSCHLAND heute > in
Zwischen Gestern und Morgen ....
(frei ) .... liegt eine lange Zeit ....
und doch denkt man es war erst gestern .....
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rita
BeitragVerfasst am: 01.05.2008, 12:04  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Kurt Tucholsky 1890-1935 deutscher Schriftsteller
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Gartenmeister(in)
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3158

Der andre Mann

Du lernst ihn in einer Gesellschaft kennen .
Er plaudert. Er ist zu dir nett .
Er kann dir alle Tenniscracks nennen .
Er sieht gut aus .Ohne Fett .
Er tanzt ausgezeichnet . Du siehst ihn dir an .....
Dann tritt zu euch beiden dein Mann .

Und du vergleichst sie in deinem Gemüte .
Dein Mann kommt nicht gut dabei weg .
Wie er schon dasteht - du liebe Güte !
Und hintem am Hals der Speck !
Und du denkst bei dir so :<<Eigentlich .....
Der wäre ein Mann für mich !>>

Ach gnädige Frau ! Hör auf einen wahren
und guten alten Papa !
Hättest du den Neuen : in ein , zwei Jahren
ständest du eben so da !
Dann kennst du seine Nuancen beim Kosen ;
dann kennst du ihn in Unterhosen ;
dann wird er satt in deinem Besitze ;
dann kennst du alle seine Witze .
Dann siehst du ihn in Freud und Zorn ,
von oben und unten , von hinten und vorn ....
Glaub mir : wenn man uns näher kennt ,
gibt sich das mit dem happy end .
Wir sind manchmal reizend auf einer Feier .....
den Rest des Tages ganz wie *Herr Meyer .(*wie jeder)
Beurteil uns nie nach den besten Stunden .

Und hast du einen 'Kerl' gefunden ,
mit dem man einigermaßen auskommen kann :
DANN BLEIB BEI DEM EIGENEN MANN !
1930 (und immer noch wahr )
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rita
BeitragVerfasst am: 01.05.2008, 12:40  Neue Antwort erstellen
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Kurt Tucholsky 1890-1935 deutscher Schriftsteller
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3158

An einen Bonzen Gewerkschafstag ,1. Mai + Sozi

Einmal da waren wir beide gleich .
Beide : Proleten im deutschen Kaiserreich .
Beide in derselben Luft ,
beide in gleicher verschwitzter Kluft ;
dieselbe Werkstatt - derselbe Lohn -
derselbe Meister - dieselbe Fron -
beide DASSELBE ELENDE KÜCHENLOCH .....
Genosse , erinnerst du dich noch ?

Ach du , Genosse warst flinker als ich .
Dich drehen - das konntest du meisterlich .
Wir mußten leiden , ohne zu klagen ,
aber du - du konntest es sagen .
Kanntest die Bücher und die Broschüren ,
wußtest besser die Feder zu führen .
Treue um Treue - wir glaubten dir doch !
Genosse erinnerst du dich noch ?

Heut ist das alles vergangen .
Man kann nur durchs Vorzimmer zu dir gelangen .
Du rauchst nach Tisch die dicken Zigarren ,
du lachst über Straßenhetzer und Narren .
Weißt nichts mehr von alten Kameraden ,
wirst überall eingeladen .
Du zuckst die Achseln beim 'Hennesy '*
und vertrittst die deutsche Sozialdemokratie .
Du hast mit der Welt deinen Frieden gemacht .

Hörst du nicht manchmal in dunkler Nacht
eine leise Stimme , die mahnend spricht :
<<GENOSSE , SCHÄMST DU DICH NICHT - ? >>
1923 - UND ZUM 1. MAI 2008 -
Die Wirklichkeit hat uns eingeholt .
*alkoholisches Getränk
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