Das Orthogravieh

> PLAUDERGARTEN

 

 


Neue Antwort erstellen
Neues Thema eröffnen
Autor Nachricht
  Gedichte  -  Johann Christian Günther 1695-1717 dt. Dichter
Ann
BeitragVerfasst am: 14.07.2008, 16:05  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Christian Günther 1695-1717 dt. Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Aria zu einer Abendmusik

Befördert, ihr gelinden Saiten,
Den sanften Schlummer süßer Ruh'!
Rhodante [Fußnote]Poetischer Name für Anna Rosina Lange (Rosette) legt die *üden Glieder,
Der Arm wird schwach, das Haupt sinkt nieder,
Und schlägt die holden Augen zu.
Da capo.

Ihr angenehmen Nachtbetrüger,
Ihr süßen Träume, schleicht herein!
Und sucht wie Bienen jungen Rosen
Der schönsten Seele liebzukosen
Und nehmt so Herz als Lager ein.
Da capo.

Ergötzt sie mit den schönsten Bildern,
Die Scherz und Lieb' erdichten kann!
Entdeckt ihr mein getreu Gemüte
Und steckt das zärtliche Geblüte
Mit stark' und frischem Zunder an.
Da capo.

Der Himmel wacht mit tausend Augen,
Doch nicht so gut wie meine Treu.
Die wacht und läßt sich nichts ermüden,
Bis daß sich Leib und Geist geschieden,
Und trägt dein liebstes Konterfei.
Da capo.

Schlaf, Engel, schlaf voraus und liege
Im Schoße der Zufriedenheit!
Denn eine Nacht voll Scherz und Küssen
Wird bald dein Bett erweitern *üssen,
Und diese Nacht braucht Munterkeit.
Da capo.

Schlaf, bis der Morgenröte Flügel
Der Welt die Farben wiederbringt!
Die Eintracht mein und deiner Flammen
Stimmt mit dem Glücke so zusammen,
Als jetzt mein Abendopfer klingt.
Da capo.
Nach oben
Sponsor
Ann
BeitragVerfasst am: 14.07.2008, 16:07  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Christian Günther 1695-1717 dt. Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Abschied von seiner ungetreuen Liebsten

Wie gedacht,
Vor geliebt, jetzt ausgelacht.
Gestern in den Schoß gerissen,
Heute von der Brust geschmissen,
Morgen in die Gruft gebracht.
Wie gedacht,
Vor geliebt, jetzt ausgelacht.

Dieses ist
Aller Jungfern Hinterlist:
Viel versprechen, wenig halten;
Sie entzünden und erkalten
Öfters, eh ein Tag verfließt.
Dieses ist
Aller Jungfern Hinterlist.

Dein Betrug,
Falsche Seele, macht mich klug;
Keine soll mich mehr umfassen,
Keine soll mich mehr verlassen,
Einmal ist fürwahr genug.
Dein Betrug,
Falsche Seele, macht mich klug.

Denke nur,
Ungetreue Kreatur,
Denke, sag ich, nur zurücke
Und betrachte deine Tücke
Und erwäge deinen Schwur.
Denke nur,
Ungetreue Kreatur!

Hast du nicht
Ein Gewissen, das dich sticht,
Wenn die Treue meines Herzens,
Wenn die Größe meines Schmerzens
Deinem Wechsel widerspricht?
Hast du nicht
Ein Gewissen, das dich sticht?

Bringt mein Kuß
Dir so eilends Überdruß,
Ei so geh und küssen diesen,
Welcher dir sein Geld gewiesen,
Das dich wahrlich blenden muß,
Bringt mein Kuß
Dir so eilends Überdruß.

Bin ich arm,
Dieses macht mir wenig Harm;
Tugend steckt nicht in dem Beutel,
Gold und Schmuck macht nur die Scheitel,
Aber nicht die Liebe warm.
Bin ich arm,
Dieses macht mir wenig Harm.

Und wie bald
Mißt die Schönheit die Gestalt!
Rühmst du gleich von deiner Farbe,
Daß sie ihresgleichen darbe,
Auch die Rosen werden alt.
Und wie bald
Mißt die Schönheit die Gestalt!

Weg mit dir,
Falsches Herze, weg von mir!
Ich zerreiße deine Kette,
Denn die kluge Henriette
Stellet mir was Bessers für.
Weg mit dir,
Falsches Herze, weg von mir!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 14.07.2008, 16:11  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Christian Günther 1695-1717 dt. Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Bußgedanken

Ich höre, großer Gott, den Donner deiner Stimme;
Du hörest auch nicht mehr, ich soll von deinem Grimme
Aus Größe meiner Schuld ein ewig Opfer sein,
Ich soll, ich muss, ich will und gebe mich darein.
Ich trotze deinem Zorn, ich fleh nicht mehr um Gnade,
Ich will nicht, dass dein Herz mich dieser Straf' entlade.
Du bist kein Vater mehr, als Richter bitt ich dich :
Vergiss vorher dein Kind, hernach verstoße mich.
Nach oben
rita
BeitragVerfasst am: 26.05.2009, 16:26  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Christian Günther 1695-1717 dt. Dichter
Antworten mit Zitat
Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Trinklied

Brüder , lasst uns lustig sein ,
weil der Frühling währet
und der Jugend Sonnenschein
unser Laub verkläret ;
Grab und Bahre warten nicht ,
wer die Rosen jetzo bricht ,
dem ist der Kranz bescheret .

Unsers Lebens schnelle Flucht
leidet keinen Zügel ,
und des Schicksals Eifersucht
macht ihr heftig Flügel ;
Zeit und Jahre fliehn davon ,
und vielleicht schnitzt man schon
an unsers Grabes Riegel .

Wo sind diese ? Sagt es mir !
die vor wenig Jahren
eben also . gleich wie wir ,
jung und fröhlich waren ?
Ihre Leiber deckt der Sand ,
sie sind in ein ander Land
aus dieser Welt gefahren .

Wer nach unsern Vätern forscht ,
mag den Kirchhof fragen :
ihr Gebein , schon längst vermorscht ,
wird ihm Antwort sagen .
Kann uns doch der Himmel bald ,
eh die Morgenglocke schallt ,
in unsre Gräber tragen.
Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde

Seite 1 von 1
gedichte-garten.de Foren-Übersicht  -  Gedichte

Neue Antwort erstellen

 

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
AN EINEN DICHTER von Renate Tank Ann Eigene Gedichte von Gästen 1 10.02.2016, 16:34 Letzten Beitrag anzeigen
Christian Morgenstern: Die Weidenkätz... Sternchen Bilder suchen Worte 1 20.03.2014, 18:20 Letzten Beitrag anzeigen
Richard von Wilpert 1862-1918 deutsch... Ann Gedichte 1 19.03.2014, 09:57 Letzten Beitrag anzeigen
Fritz Reuter deutscher Dichter 1810-1874 Ann Gedichte 1 04.07.2013, 14:51 Letzten Beitrag anzeigen
Fritz Reuter, deutscher Dichter 1810-... Ann Gedichte 0 04.07.2013, 14:45 Letzten Beitrag anzeigen

Annegret Kronenberg © 2004-2006 | Alle Rechte vorbehalten | Inhalt | Lyrik | Liebesgedichte | Gedichte & Poesie | Adventskalender basteln | Internet Forensicherheit