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  Gedichte  -  Heinrich Heine 1797-1856 deutscher Dichter
Ann
BeitragVerfasst am: 08.12.2007, 12:51  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Heinrich Heine 1797-1856 deutscher Dichter
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44536
Wohnort: Gronau

Die Weber

Im düsteren Auge keine Träne ,
sie sitzen am Webstuhl und und fletschen die Zähne :
,,Deutschland, wir weben dein Leichentuch ,
wir weben hinein den dreifachen Fluch -
wir weben , wir weben !

Ein Fluch dem Götzen , zu dem wir gebeten
in Winterskälte und Hungersnöten ;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt ,
er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt -
wir weben ,wir weben !

Ein Fluch dem König , dem König der Reichen ,
den unser Elend nicht konnte erweichen ,
der den letzten Groschen von uns erpreßt ,
und uns wie' Hunde erschießen 'läßt -
wir weben, wir weben !

Ein Fuch dem falschen Vaterlande ,
wo nur gedeihen Schmach und Schande ,
wo jede Blume früh geknickt ,
wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -
wir weben , wir weben !

Das Schiffchen fliegt , der Webstuhl kracht ,
wir weben emsig Tagund Nacht -
Altdeutschland , wir weben dein Leichentuch ,
wir weben hinein den dreifachen Fluch .
wir weben , wir weben

Eingetragen von Rita am 08. 12. 07
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BeitragVerfasst am: 09.07.2008, 18:31  Neue Antwort erstellen
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Oberg
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Anmeldungsdatum: 12.06.2008
Beiträge: 403

Mein Herz, mein Herz ist traurig

Mein Herz, mein Herz ist traurig,
Doch lustig leuchtet der Mai;
Ich stehe, gelehnt an der Linde,
Hoch auf der alten Bastei.

Da drunten fließt der blaue
Stadtgraben in stiller Ruh’;
Ein Knabe fährt im Kahne,
Und angelt und pfeift dazu.

Jenseits erheben sich freundlich,
In winziger, bunter Gestalt,
Lusthäuser, und Gärten, und Menschen,
Und Ochsen, und Wiesen, und Wald.

Die *ägde bleichen Wäsche,
Und springen im Gras herum;
Das *ühlrad stäubt Diamanten,
Ich hör sein fernes Gesumm.

Am alten grauen Thurme
Ein Schilderhäuschen steht;
Ein rothgeröckter Bursche
Dort auf und nieder geht.

Er spielt mit seiner Flinte,
Die funkelt im Sonnenroth,
Er präsentiert und schultert,
Ich wollt, er schösse mich tot.
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rita
BeitragVerfasst am: 26.08.2008, 19:24  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Die schönen Augen
Die schönen Augen der Frühlingsnacht ,
sie schauen so tröstend hernieder :
Hat dich die Liebe so kleinlich gemacht ,
die Liebe , sie hebt dich wieder .

Auf grüner Linde sitzt und singt
die süße Philomele ;
wie mir das Lied zur Seele dringt ,
so dehnt sich wieder die Seele .
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rita
BeitragVerfasst am: 26.08.2008, 19:28  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Es duften die Blumen im Abendscheine .
die Nachtigall schlägt .
Ich such ' ein Herz ,so schön wie das meine ,
so schön bewegt .

Die Nachtigall schlägt , und ich verstehe
den süßen Gesang ;
uns beiden ist so bang und wehe ,
so weh und bang .
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rita
BeitragVerfasst am: 26.08.2008, 19:34  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Es drängt die Not , es läuten die Glocken,
und , ach ! Ich habe den kopf verloren !
Der Frühling und zwei schöne Augen ,
sie haben sich wider mein Herz verschworen .

Der Frühling und zwei schöne Augen
verlocken mein Herz in neue Betörung !
Ich glaube , die Rosen und Nachtigallen
sind tief verwickelt in diese Verschwörung .
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rita
BeitragVerfasst am: 26.08.2008, 19:38  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Leise zieht durch mein Gemüt
liebliches Geläute ,
klinge , kleines Frühlingslied
kling hinaus ins Weite .
Kling hinaus bis an das Haus ,
wo die Blumen sprießen .
Wenn du eine Rose schaust ,
sag , ich laß sie grüßen .
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rita
BeitragVerfasst am: 27.08.2008, 19:00  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Der bleiche Heinrich ging vorbei ,
schön Hedwig lag am Fenster .
Sie sprach halblaut : ,, Gott steh mir bei ,
der unten schaut bleich wie Gespenster !"

Der unten erhob sein Aug' in die Höh' ,
hinschmachtend nach Hedewig's Fenster .
Schön Hedwig ergriff es mit Liebesweh ,
auch sie ward bleich wie Gespenster .

Schön Hedwig stand nun mit Liebesharm
tagtäglich lauernd am Fenster .
Bald aber lag sie in Heinrich's Arm ,
allnächtlich zur Zeit der Gespenster .

aus Buch der Lieder , -Gesamt -Ausgabe Heine 4 Bände ,1998
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rita
BeitragVerfasst am: 27.08.2008, 20:27  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Zu den ,,Traumbildern ''
Deutschland

Ein Traum

Sohn der Torheit ! Träume immer ,
wenn dir's Herz im Busen schwillt ;
doch im Leben suche nimmer
deines Traumes Ebenbild !

Einst stand ich in schönen Tagen
auf dem höchsten Berg am Rhein ;
Deutschlands Gauen vor mir lagen ,
blühend hell im Sonnenschein .

Unten murmelten die Wogen
milde Zaubermelodein ;
süße Ahnungsschauer zogen
schmeichelnd in mein Herz hinein .

Lausch' ich jetzt beim Sang der Wogen ,
klingt viel andre Melodei :
Schöner Traum ist längst verflogen
schöner Wahn brach längst entzwei .

Schau ' ich jetzt von meinem Berge
in das deutsche Land hinab ,
seh' ich nur ein Völklein Zwerge
kriechend auf der Riesen Grab .

Muttersöhnchen gehen in Seide ,
nennen sich des Volkes Kern ,
Schurken tragen Ehrgeschmeide ,
Söldner brüsten sich als Herrn .

Nur ein Spottbild auf die Ahnen
ist das Volk im deutschen Kleid ;
denn die alten Röcke mahnen
schmerzlich an die alte Zeit ,

Wo die Sitte und die Tugend
prunklos gingen Hand in Hand ,
wo mit Ehrfurchtscheu die Jugend
vor dem Greisenalter stand ;

Wo kein Jüngling seinem *ädchen
Modeseufzer vorgelügt ;
wo kein witziges Despötchen
Meineid in System gefügt ;

Wo ein Handschlag mehr als Eide
und Notarienakte war ,
wo ein Mann im Eisenkleide ,
und ein Herz im Manne war . -
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rita
BeitragVerfasst am: 27.08.2008, 21:19  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

2.
Unsre Gartenbeete hegen
tausend Blumen wunderfein ,
schwelgend in des Bodens Segen ,
lind umspielt vom Sonnenschein.

Doch die allerschönste Blume
blühet unsren Beeten nie ,
sie ,die einst im Altertume
selbst auf starrem Fels gedieh ;

die auf kalter Bergesfeste
*änner mit der Eisenhand
pflegten als der Blumen beste -
Gastlichkeit wird sie genannt .

*üder Wandrer , steige nimmer
nach der hohen Burg hinan ;
statt der gastlich warmen Zimmer ,
kalte Wände dich empfahn .

Von dem Wartturm bläst kein Wächter ,
keine Fallbrück ' rollt herab ;
denn der Burgherr und der Wächter
schlummern längst im kühlen Grab .

In den dunklen Särgen ruhen
auch die Frauen minnehold ;
wahrlich hegen solche Truhen
reichern Schatz denn Perl und Gold .

Heimlich schauern da die Lüfte
wie von Minnesängerhauch ;
denn in diese heil'gen Grüfte
stieg die fromme Minne auch .

Zwar auch unsre Damen preis' ich
denn sie blühen wie der Mai ,
lieben auch und üben fleißig
Tanzen , Sticken , Malerei .

Singen auch in süßen Reimen
von der alten Lieb' und Treu ,
freilich zweifelnd im geheimen ,
ob das *ärchen *öglich sei .

Unsre *ütter einst erkannten ,
sinnig , wie die Einfalt pflegt ,
daß den schönsten der Demanten
nur der Mensch im Busen trägt .

Ganz nicht aus der Art geschlagen
sind die klugen Töchterlein ;
denn die Fraun in unsern Tagen
lieben auch die Edelstein '!

Aberglauben , Trug und Lüge
Herrschen - Leben ohne Reiz ;
und die schöne Jordansperle
hat verfälscht des Römers Geiz .-

Fort , ihr Bilder schönrer Tage ,
weicht zurück in eure Nacht!
Weckt nicht mehr die eitle Kage
um die Zeit , die uns versagt !
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rita
BeitragVerfasst am: 27.08.2008, 22:04  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Sterne mit den goldnen Füßchen
wandeln droben bang und sacht ,
daß sie nicht die Erde wecken ,
die da schläft im Schoß der Nacht .

Horchend stehn die stummen Wälder ,
jedes Blatt ein grünes Ohr !
und der Berg , wie träumend streckt er
seinen Schattenarm hervor .

Doch was rief dort ? in mein Herze
dringt der Töne Widerhall .
War es der Geliebten Stimme ,
oder nur die Nachtigall ?
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rita
BeitragVerfasst am: 28.08.2008, 09:22  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Erster Geist :

Mensch ! Auf deines Wortes Schall
stürmt' ich aus der Wolkenhall ' ,
die der Dämmrung Hauch gebildet ,
die das Abendmahl vergüldet
mit Karmin* und Himmelsbläu ',
daß sie mir ein Lufthaus sei .
Zwar sollt' ich gehorchen nimmer ,
dennoch ritt ich auf dem Schimmer
eines Sternleins zu dir her ;
Mensch ! Erfüllt sei dein Begehr .
*karmin -rot = Farbe
.............................................
.............................................
Sechster Geist :
Mein Wohnhaus ist der Schatten süßer Nacht ;
was quälst du mich ans Licht mit Zaubermacht ?
.....................................................................
Siebter Geist :
Vor Erdbeginn beherrschte ich
den Stern , der nun beherrschet dich .
Das war ein Erdball , hübsch belebt ,
wie keiner je die Sonn' umschwebt .
Sein Lauf war schön geregelt , kaum
trug schönern Stern der Himmelsraum ..
Da kam die Stunde - und er ward
ein Flammenball unförm'ger Art ,
Ein Schweifstern , der sich pfadlos schlingt ,
und Menschen schreckt und Unheil bringt ,
der nie ermattend rollt und schweift ,
und irrend ohne Laufbahn läuft ,
ein Tollbild , das da oben brennt ,
ein Ungeheu'r am Firmament !
Und du ,dem dies ein Schicksalstern ,
Wurm , dem ich hohnvoll dien' als Herrn ,
du zwangst mich (mit der kurzen Macht ,
die dich am End' mir eigen macht ),
auf kurz hierher , wo zitternd gar
hier diese schwache Geisterschar
mit einem Ding , wie du bist , schwätzt -
du Sohn des Staubs , was willst du jetzt ?
..........................................................
Die sieben Geister :
Erd' , Weltmeer , Luft und Nacht , Gebirg und Wind
und auch dein Stern umstehn als Geister dich ,
und harren deines Winkes , Menschenkind -
was will von uns der Sohn des Staubes ? - sprich !
.......................................................................
Manfred:

Ich will vergessen -

........................................................................
Siebter Geist
(Erscheint in der Gestalt eines schönen Weibes .)
Sieh her !
........................................................................

Manfred

Oh Gott ! Wenn's so sein soll , und kein Wahnbild
und auch kein Blendwerk bist ,so könnt ich dennoch
recht glücklich sein , - umarmen will ich dich ,
wir wollen wieder - ( die Gestalt verschwindet .)
's Herz ist mir zermalmet .
(Manfred stürzt besinnungslos nieder )
..........................................................................
Eine Stimme (spricht folgenden Zauberbann ) :

Wenn der Mond im Wasser schwimmt ,
und im Gras der Glühwurm blinkt ,
wenn am Grab das Dunstbild glimmt ,
und im Sumpf das Irrlicht winkt ,
wenn Sternschnuppen niederschießen ,
und sich Eulen krächzend grüßen ,
wenn , umschattet von den Höhn ,
Baum und Blätter stille stehn :
dann kommt meine Seel' auf dich ,
und mein Zauber reget sich .

Schläfst du auch mit Augen zu ,
findet doch dein Geist nicht Ruh',
Schatten drohn , die nie verbleichen ,
und Gedanken , die nie weichen ;
von geheimer Macht umrauscht
bist du nimmer unbelauscht ;
bist wie leichentuchumhängt ,
wie von Wolken eingezwängt ;
sollst jetzt leben immerfort
hier in diesem Zauberwort .

Siehst mich zwar nicht sichtbarlich ,
dennoch fühlt dein Auge mich
als ein Ding , das unsichtbar
nah dir ist , und nahe war ;
und wenn's dir dann heimlich graust
und du hastig rückwärts schaust ,
siehst du staunend , daß ich nur
bin der Schatten deiner Spur ,
und verschweigen muß dein Mund
jene Macht die dir ward kund .
................................................
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rita
BeitragVerfasst am: 28.08.2008, 09:45  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

.............................................
,,O , des liebenswürd'gen Dichters
dessen Lieder uns entzücken !
Hätten wir ihn in der Nähe ,
seine Lippen zu beglücken !"

Während liebenswürd'ge Damen
also liebenswürdig dachten ,
mußt' ich hundert Meil' entfernt
in der öden Fremde schmachten .

Und es hilft uns nichts im Norden ,
wenn im Süden schönes Wetter ,
und von zugedachten Küssen
wird das magre Herz nicht fetter .
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rita
BeitragVerfasst am: 28.08.2008, 10:56  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Aus dem Nachlaß
Letzte Gedichte 1853-1856

Halleluja

Am Himmel Sonn' und Mond und Stern'
sie zeugen von der Macht des Herrn ;
und schaut des Frommen Aug' nach oben ,
den Schöpfer wird er preisen , loben .

Ich brauche nicht so hoch zu gaffen ,
auf Erden schon find' ich genug
Kunstwerke , welche Gott erschaffen ,
die würdig der Bewunderung .

Ja, lieben Leute, erdenwärts
senkt sich bescheidentlich mein Blick ,
und findet hier das Meisterstück
der Schöpfung :unser Menschenherz .

Wie herrlich auch der Sonne Pracht ,
wie lieblich auch in stiller Nacht
das Mondenlicht , der Sterne Glanz ,
wie strahlend der Kometenschwanz -

die Himmelslichter allesamt ,
sie sind mir eitel Pfennigkerzen ,
vergleich' ich sie mit jenem Herzen ,
das in der Brust des Menschen stammt .

Das ist die Welt in Miniatur ,
hier gibt es Berge , Wald und Flur ,
Einöden auch mit wilden Bestien ,
die oft das arme Herz beläst'gen .

Hier stürzen Bäche , rauschen Flüsse ,
hier gähnen Gründe , Felsabschüsse ,
viel' bunte Gärten , grüne Rasen ,
wo Lämmlein oder Esel grasen .-

Hier gibt's Fontänen , welche springen ,
derweilen arme Nachtigallen ,
um schönen Rosen zu gefallen ,
sich an den Hals die Schwindsucht singen .

Auch an Abwechslung fehlt es nicht ;
heut ist das Wetter warm und licht ,
doch morgen schon ist's herbstlich kalt ,
und nebelgrau die Flur* ,der Wald .

*Flur = freie längliche Fläche im / beim Wald ,Feld .

Die Blumen , sie entlauben sich ,
die Winde stürmen fürchterlich ,
und endlich flockt herab der Schnee ,
zu Eis erstarren Fluß und See .

Jetzt aber gibt es Wasserspiele ,
vermummt erscheinen die Gefühle ,
ergeben sich dem Mummenschanz
und dem berauschten Maskentanz .-

Freilich , inmitten dieser Freuden
beschleicht sie oft geheimes Leiden ,
trotz Mummenschanz und Tanzmusik ,
sie seufzen nach verlornem Glück .-

Da plötzlich kracht's .- Erschrecke nicht !
Es ist das Eis , das jetzo bricht ;
die Rinde schmilzt , die frostig glatte ,
die unser Herz umschlossen hatte .

Entweichen muß was kalt , und trübe ;
es kehrt zurück - o Herrlichkeit !
Der Lenz , die schöne Jahreszeit ,
geweckt vom Zauberstab der Liebe !-

Groß ist des Herren Gloria ,
hier unten groß , wie in der Höh' ,
ich singe ihm ein Kyrie
Eleison und Halleluja .

Er schuf so schön , er schuf so süß
das Menschenherze , und er blies
hinein des eignen Odems Geist
des Odems , welcher Liebe heißt .

Fort mit der Lyra Griechenlands ,
fort mit dem liederlichen Tanz
der Musen , fort ! In frömmern Weisen
will ich den Herrn der Schöpfung preisen .

Fort mit der Heiden Musika !
David's frommer Harfenklang
begleite meinen Lobgesang !
Mein Psalm ertönt : Halleluja !


Zuletzt bearbeitet von rita am 10.01.2009, 20:22, insgesamt einmal bearbeitet
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rita
BeitragVerfasst am: 02.09.2008, 10:30  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Der Wind zieht seine Hosen an ....


Der Wind zieht seine Hosen an ,
die weißen Wasserhosen !
Er peitscht die Wellen , so stark er kann ,
sie heulen und brausen und tosen .

Aus dunkler Höh , mit wilder Macht ,
die Regengüsse träufen ;
es ist als wollt die alte Nacht
das alte Meer ersäufen .

An den Mastbaum klammert die *öve sich
mit heiserem Schrillen und Schreien ;
sie flattert und will gar ängstiglich
ein Ünglück prophezeihen .
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rita
BeitragVerfasst am: 09.10.2008, 07:01  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Smilie In der Femde

Ich hatte einst ein schönes Vaterland .
Der Eichenbaum
wuchs dort so hoch , die Veilchen nickten sanft -
es war ein Traum .

Das küßte mich auf Deutsch und sprach auf Deutsch
(Man glaubt es kaum ,
wie gut es klang ) das Wort :,, Ich liebe dich !"
Es war ein Traum .
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