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Weihnacht .
Eine Rose hat geblühet
also süss ,geheimnisreich ,
dass selbst Gott für sie erglühet ,
und geworden Menschen gleich .
Keuschheit , Innigkeit und Demut
schmücken sie mit Farb und Duft ,
dass ihr Reiz mit frommer Wehmut
bis zum Throne Gottes ruft .
Also hat ihr Duft gezogen ,
dass den Stärksten sie bezwang ,
dass ihr an das Herz geflogen
ist der Held , um den sie rang .
Dass , der erste und der letzte ,
des allmächt'gen Gottes Sohn
in den Schoss der Rose setzte
aus dem Himmel seinen Thron .
Wie das Eichhorn kömmt gesprungen
gern zu reiner Jungfrau Schoss
und sein Haupt , das nie bezwungen ,
beuget aller Wildheit bloss ,
so ihr inniges Verlangen
zog den Helden in das Land ,
und sie band , den sie gefangen ,
mit der Liebe stärkstem Band .
Lieblich hat sie ihn empfangen ,
ach er grüsste so vertraut !
Und sie hat ihn süss umpfangen ,
wie den Bräutigam die Braut ,
führt ihn ein zum Heiligtume ,
in des Herzens Kämmerlein ,
wo mit ihm die reine Blume
mutterselig war allein .
Wo sie den Geliebten legte
in ein Bettlein keusch und rein ,
und ihm , den sie lieblich pflegte ,
schenkte süssen Balsam ein ,
dass der ganz von Lieb' berauschte
schlummernd dort neun Monde lag ,
und sein eignes Herz belauschte
in des Mutterherzens Schlag .
Und als nun der Held erwachte ,
o da war der Starke lind !
Der da Erd' und Himmel machte ,
war ein kleines , süsses Kind .
Den unfasslichen die Rose
bindet fest in Tüchlein ein ,
wiegt ihn spielend ein im Schosse ,
legt ihn in ein Krippelein .
Und durch Demut führt die Holde
den Allmächt'gen nah und fern ,
hin und wieder , wo sie wollte ,
führt den Herrn die Magd des Herrn ,
bringt zum Tempel den Geliebten ,
setzt ihn auf ein Eselein ,
führt ihn fern bis in Ägypten ,
und er folgt dem Mütterlein ,
flüchtet durch die dürre Wüste
ihren Schöpfer vor Gefahr ,
und es nähren ihre Brüste
ihren Gott , den sie gebar .
Führet ihren Gott zurücke
an der treuen Mutterhand ,
als erlosch des Feindes Tücke ,
in sein ird'sches Vaterland .
Führt zu seines Tempels Hallen
den Allmächtigen ,ein Kind ,
lehrt ihn die Gebete lallen ,
die ihm selbst gebetet sind .
Und als sie im Tempel lehrend
den Vermissten wiederfand ,
folgt er ihre Mahnung ehrend
wie ein Kind am Gängelband .
Wie geschah dem Gottessohne
als der edlen Rose Duft
bis zum hohen Himmelsthrone
aus den Erdendornen ruft ,
ganz in Liebe er erglühte
los er sich vom Vater wand ,
sprang zur wundersüssen Blüte ,
die da in den Dornen stand .
Hat die Dornen wohl empfunden ,
ward wohl selbst ein Röslein rot ,
blutete , von Dorn umwunden ,
aus fünf Rosen sich zu tot .
Und empfangen von der Rose
süss nach weiblicher Natur
folgt allein er dem Gekose
ihres lieben Willens nur .
Und als ihn die Süsse , Holde
schloss im keuschen Herzen ein ,
wo sie nur ihn haben wollte ,
trank er also süssen Wein ,
dass der Gottheit unermessen
und der Engel lichte Pracht
er im Mutterschoss vergessen ,
wenn die Jungfrau niederlacht ,
und mit lieblicher Gebärde
hüllt sie in ein Knechtsgewand ,
den , der Himmel schuf und Erde ,
Liebe zwingt zu niederm Stand .
Zwinget in dem Sklavenkleide
ihn so manches bitt're Jahr ,
dass er tue , dass er leide ,
was er nicht gewöhnet war .
Und als nun im Todeskleide
er ins Elend trat hinaus ,
dass das Lamm in Dornen weide ,
brach es laut in Tränen aus .
Fühlte gleich die Dornen stechen
nach des Rosenbettlein's Ruh ' ,
und es war , als wollt ' er sprechen :
Ach ! Wie komme ich dazu ?
Und Maria lächelt freudig
dem gefangnen Königssohn ,
mit dir lieb ' ich , mit dir leid' ich ,
doch du kommst mir nicht davon !
Gott sei Preis , dass fest gebunden
ich durch Liebe dich , o Held !
Hat dich Liebe überwunden ,
so besieg ' mir nun die Welt !
Eh ' dein Vater zu der Rechten
dich ,o Sohn , erhöhen soll ,
werd ' erst Gnade seinen Knechten ,
denn er hiess mich gnadenvoll !
Adam und all seine Kinder
musst du erst vom Zorn befrein ,
dann magst du ,o Trost der Sünder ,
wieder bei dem Vater sein .
Und dass dieser nicht dem Sohne ,
und der Sohn sein selber nicht
zu der Sünder Heil verschone ,
ging die Liebe ins Gericht .
Und es gab das Kind der Rose
all sein Blut so rosenrot ,
fiel aus seiner Mutter Schosse ,
in die Dornen , in den Tod .
Ach die Sünder kosten teuer
kosten Schmerzen ihn genug ,
bis er aus des Zornes Feuer
sie ins Bad der Gnade trug .
Und wer nun hier in der Rose
fein das süsse Kindlein sieht ,
Dank ' ,dass aus der Jungfrau Schosse
ihm auch ist das Heil erblüht !
Hab ' dies Weihnachtslied gesungen
von dem süssen Rosenkind ,
bin von Dornen so umschlungen ,
dass ich wund und krank und blind .
Ist drum nicht dies Lied gelungen ,
mag es sein , weil wie ein Kind
in den Dornbusch ich gedrungen ,
dass ich dir ein Sträusslein bind ' .
Hab ' nur Dornen mir gesammelt ,
geb ' dir all die Rosen hin ,
o vergib dem Schmerz , der stammelt ,
lass mich scheinen was ich bin .
Clemens Brentano |
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