Das Orthogravieh

> PLAUDERGARTEN

 

 


Neue Antwort erstellen
Neues Thema eröffnen
Autor Nachricht
  Gedichte  -  Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Ann
BeitragVerfasst am: 12.10.2007, 17:16  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44529
Wohnort: Gronau

Winter.


In den jungen Tagen
Hatt' ich frischen Mut,
In der Sonne Strahlen
War ich stark und gut.

Liebe, Lebenswogen,
Sterne, Blumenlust!
Wie so stark die Sehnen!
Wie so voll die Brust!

Und es ist zerronnen,
Was ein Traum nur war;
Winter ist gekommen,
Bleichend mir das Haar.

Bin so alt geworden,
Alt und schwach und blind,
Ach! verweht das Leben,
Wie ein Nebelwind!
Nach oben
Sponsor
Ann
BeitragVerfasst am: 12.10.2007, 17:17  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44529
Wohnort: Gronau

Frühling und Herbst.


Fürwahr, der Frühling ist erwacht;
Den holden Liebling zu empfah'n,
Hat sich mit frischer Blumenpracht
Die junge Erde angethan.

Die muntern Vögel, lieberwärmt,
Begeh'n im grünen Hain ihr Fest.
Ein jeder singt, ein jeder schwärmt,
Und bauet emsig sich sein Nest.

Und Alles lebt und liebt und singt
Und preist den Frühling wunderbar,
Den Frühling, der die Freude bringt;
Ich aber bleibe stumm und starr.

Dir, Erde, gönn' ich deine Zier,
Euch, Sänger, gönn ich eure Lust,
So gönnet meine Trauer mir,
Den tiefen Schmerz in meiner Brust.

Für mich ist Herbst; der Nebelwind
Durchwühlet kalt mein falbes Laub;
Die Äste mir zerschlagen sind,
Und meine Krone liegt im Staub.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 12.10.2007, 17:18  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44529
Wohnort: Gronau

Abend.


Laß, Kind, laß meinen Weg mich ziehen,
Es wird schon spät, es wird schon kalt;
Es neiget sich der Tag zu Ende,
Und erst dort unten mach' ich Halt.

Wozu mir deine Lieder singen?
Sie treffen mich mit fremdem Klang. –
Wie war das Wort? war's Liebe? Liebe!
Vergessen hatt' ich es schon lang'.

Und doch, gedenk' ich ferner Zeiten,
Mich dünkt, es war ein süßes Wort.
Jetzt aber zieh' ich meiner Straße,
Ein jeder kommt an seinen Ort.

Hier windet sich mein Pfad nach unten,
Die *üden Schritte schwanken sehr;
Mein frühes Feuer ist erloschen,
Das fühl' ich alle Stunden mehr.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 12.10.2007, 17:18  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44529
Wohnort: Gronau

Frisch gesungen.


Hab' oft im Kreise der Lieben
In duftigem Grase geruht
Und mir ein Liedlein gesungen,
Und alles war hübsch und gut.

Hab' einsam auch mich gehärmet
In bangem, düsterem Mut,
Und habe wieder gesungen,
Und alles war wieder gut

Und manches, was ich erfahren,
Verkocht' ich in stiller Wut,
Und kam ich wieder zu singen,
War alles auch wieder gut.

Sollst nicht uns lange klagen,
Was alles dir wehe thut.
Nur frisch, nur frisch gesungen!
Und alles wird wieder gut.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 12.10.2007, 17:19  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44529
Wohnort: Gronau

Es ist nur so der Lauf der Welt.


Mir ward als Kind im Mutterhaus
Zu aller Zeit, Tag ein, Tag aus,
Die Rute wohl gegeben.
Und als ich an zu wachsen fing,
Und endlich in die Schule ging,
Erging es mir noch schlimmer.

Das Lesen war ein Hauptverdruß,
Ach! wer's nicht kann und dennoch muß,
Der lebt ein hartes Leben.
So ward ich unter Schmerzen groß
Und hoffte nun ein bess'res Los,
Da ging es mir noch schlimmer.

Wie hat die Sorge mich gepackt!
Wie hab' ich mich um Geld geplackt!
Was hat's für Not gegeben!
Und als zu Geld ich kommen war,
Da führt' ein Weib mich zum Altar,
Da ging es mir noch schlimmer.

Ich hab's versucht und hab's verflucht
Pantoffeldienst und Kinderzucht
Und das Gekreisch der Holden.
O meiner Kindheit stilles Glück,
Wie wünsch' ich dich jetzt fromm zurück!
Die Rute war ja golden!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 12.10.2007, 17:20  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44529
Wohnort: Gronau

Blauer Himmel.


Heiter blick' ich, ohne Reue
In des Himmels reine Bläue,
Zu der Sterne lichtem Gold.
Ist der Himmel, ist die Freundschaft,
Ist die Liebe mir doch hold.
Laure, mein Schicksal, laure!

Keine Stürme, keine Schmerzen,
Heit're Ruh' im vollen Herzen,
Kann es aber anders sein?
Blauer Himmel, treue Freundschaft,
Reiche Liebe sind ja mein.
Laure, mein Schicksal, laure!

Hat das Schicksal arge Tücke,
Sieh', ich fürchte nichts vom Glücke,
Heiter bin ich, wie die Luft.
Mein der Himmel, mein die Freundschaft,
Mein die Liebe bis zur Gruft.
Laure, mein Schicksal, laure!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 12.10.2007, 17:22  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44529
Wohnort: Gronau

Frühling.


Der Frühling ist kommen, die Erde erwacht,
Es blühen der Blumen genung.
Ich habe schon wieder auf Lieder gedacht,
Ich fühle so frisch mich, so jung.

Die Sonne bescheinet die blumige Au',
Der Wind beweget das Laub.
Wie sind mir geworden die Locken so grau?
Das ist doch ein garstiger Staub.

Es bauen die Nester und singen sich ein
Die zierlichen Vögel so gut.
Und ist es kein Staub nicht, was sollt' es denn sein?
Mir ist wie den Vögeln zu Mut.

Der Frühling ist kommen, die Erde erwacht,
Es blühen der Blumen genung.
Ich habe schon wieder auf Lieder gedacht,
Ich fühle so frisch mich, so jung.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 12.10.2007, 17:23  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44529
Wohnort: Gronau

Nachtwächterlied.


Hört, ihr Herrn, und laßt euch sagen,
Was die Glocke hat geschlagen:
Geht nach Haus und wahrt das Licht,
Daß dem Staat kein Schaden geschicht.
Lobt die Jesuiten!

Hört, ihr Herrn, wir brauchen heute
Gute, nicht gelehrte Leute;
Seid ihr einmal doch gelehrt,
Sorgt, daß keiner es erfährt.
Lobt die Jesuiten!

Hört, ihr Herrn, so soll es werden:
Gott im Himmel, wir auf Erden,
Und der König absolut,
Wenn er unsern Willen thut.
Lobt die Jesuiten!

Seid, ihr Herrn, es wird euch frommen,
Von den gutgesinnten Frommen;
Blase jeder, was er kann,
Lichter aus, und Feuer an.
Lobt die Jesuiten!

Feuer, ja, zu Gottes Ehren,
Um die Ketzer zu bekehren,
Und die Philosophen auch,
Nach dem alten, guten Brauch.
Lobt die Jesuiten!

Hört, ihr Herrn, ihr seid geborgen,
Geht nach Haus, und ohne Sorgen
Schlaft die lange, liebe Nacht,
Denn wir halten gute Wacht.
Lobt die Jesuiten!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 12.10.2007, 17:25  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44529
Wohnort: Gronau

Der vortreffliche Mantel.


Liebe Tochter, was klagst du so sehr
Um diesen Einen?
's giebt ja der hübschen Jünglinge mehr,
Laß ab zu weinen.

Liebe Mutter, es fällt mir nicht ein
Um ihn zu klagen;
Um den Mantel klag' ich allein,
Ich will's dir sagen.

Ach, der gute Mantel, beschwert
Mit silbernen Ketten!
Den behielt er noch unverzehrt,
Wenn den wir nur hätten.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 12.10.2007, 17:28  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44529
Wohnort: Gronau

Hochzeitlieder.
1.


Es stehen in unserm Garten
Der blühenden Rosen genung, –
Dir blüht, noch schöner als Rosen,
Ein *ägdlein so frisch und so jung.

Ich habe mit Fleiß gewählet
Die schönsten Rosen zum Strauß, –
Du küssest die rosigen Lippen
Und lachst am Ende mich aus.
2.


Rosen in dem Maien
Und der Liebe Fest!
Schwalben und die Lieben
Bauen sich ihr Nest.

Maienrosen, Lieder,
Schwalben, Liebe gar!
Und ich werde wieder
Jung im grauen Haar.
3.


Wer doch durch des Festes Hallen
Wallet mit dem Kranz im Haar?
Ach, die Beste ist's von allen,
Sie, die uns die Liebste war.

Und wer tritt mit freud'ger Eile
Schön und stolz an ihrer Hand?
Hier schoß Amor gold'ne Pfeile,
Und sein Bruder knüpft das Band.

Und ich seh' die Götter nieder-
Steigen mit der Scherze Chor,
Und ich singe Glückeslieder,
Und ich blicke froh empor.

Liebeleben, Glückesbande,
Langes Leben, ew'ges Fest!
Tauben durch des Friedens Lande,
Viele Jungen in das Nest!

Immer froh und ohne Sorgen,
Alles, alles muß gedeih'n,
Und ihr sollt mit jedem Morgen
Glücklicher und jünger sein.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 12.10.2007, 17:30  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44529
Wohnort: Gronau

Verratene Liebe.

(Neugriechisch.)


Da Nachts wir uns küßten, o *ädchen,
Hat Keiner uns zugeschaut;
Die Sterne, die standen am Himmel,
Wir haben den Sternen getraut.

Es ist ein Stern gefallen,
Der hat dem Meer uns verklagt;
Da hat das Meer es dem Ruder,
Das Ruder dem Schiffer gesagt.

Da sang derselbe Schiffer
Es seiner Liebsten vor;
Nun singen's auf Straßen und *ärkten
Die *ädchen und Knaben im Chor.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 12.10.2007, 17:32  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44529
Wohnort: Gronau

Die Waise.

(Lithauisch.)


Sie haben mich geheißen
Nach Heidelbeeren geh'n:
Ich habe nach den Beeren
Im Walde nicht geseh'n.

Ich bin hinaus gegangen
Zu meiner Mutter Grab,
Worauf ich mich gesetzet
Und viel geweinet hab'. –

»Wer sitzt auf meinem Hügel,
Von der die Thränen sind?« –
Ich bin's, o liebe Mutter,
Ich, dein verwaistes Kind.

Wer wird hinfort mich kleiden
Und flechten mir das Haar?
Mit Liebeswort mir schmeicheln,
Wie's deine Weise war? –

»Geh' hin, o liebe Tochter,
Und finde dich darein,
Es wird dir eine zweite,
Statt meiner, Mutter sein.

Sie wird das Haar dir flechten
Und kleiden dich hinfort,
Ein Jüngling wird dir schmeicheln
Mit zartem Liebeswort.«
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 12.10.2007, 17:33  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44529
Wohnort: Gronau

Die *üllerin.


Die *ühle, die dreht ihre Flügel,
Der Sturm, der sauset darin;
Und unter der Linde am Hügel,
Da weinet die *üllerin:

Laß sausen den Sturm und brausen,
Ich habe gebaut auf den Wind;
Ich habe gebaut auf Schwüre –
Da war ich ein thörichtes Kind.

Noch hat mich der Wind nicht belogen,
Der Wind, der blieb mir treu;
Und bin ich verarmt und betrogen –
Die Schwüre, die waren nur Spreu.

Wo ist, der sie geschworen?
Der Wind nimmt die Klagen nur auf;
Er hat sich aufs Wandern verloren –
Es findet der Wind ihn nicht auf.
Nach oben
rita
BeitragVerfasst am: 08.12.2007, 17:19  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Antworten mit Zitat
Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Hallo Ann ! Dieses Lied kenn ich auch . Es haben ältere Frauen( mit uns)
gesungen: Schön , daß ich es hier finde .
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 08.12.2007, 19:59  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Adelbert von Chamisso 1781-1838 Naturforscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44529
Wohnort: Gronau

Adelbert von Chamisso ,
Louis Charles Adelaide de Chamisso de Boncourt
geb. am 27. 1. 1781 ,
auf dem Schlosse Boncourt,
in F. in der Champagne ,
1790 nach Deutschland ,
studierte in Berlin 1812 - 1815 Naturwissenschaften
nahm 1815 - 1818 an Bord des Rurik an der russischen
Entdeckunsreise nach der Südsee teil ,
ward dann Kustos des botanischen Gartens in Berlin ,
wo er am 21. 08 . 1838 starb .

Eingetragen von Rita am 08.12.07
Nach oben
Sponsor
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde

Seite 3 von 4
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4  Weiter
gedichte-garten.de Foren-Übersicht  -  Gedichte

Neue Antwort erstellen

 

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
AN EINEN DICHTER von Renate Tank Ann Eigene Gedichte von Gästen 1 10.02.2016, 16:34 Letzten Beitrag anzeigen
Richard von Wilpert 1862-1918 deutsch... Ann Gedichte 1 19.03.2014, 09:57 Letzten Beitrag anzeigen
Fritz Reuter deutscher Dichter 1810-1874 Ann Gedichte 1 04.07.2013, 14:51 Letzten Beitrag anzeigen
Fritz Reuter, deutscher Dichter 1810-... Ann Gedichte 0 04.07.2013, 14:45 Letzten Beitrag anzeigen
Wilhelm Müller 1774-1827 deutsch. Dic... Ann Zitate & Sprüche 6 27.06.2012, 09:02 Letzten Beitrag anzeigen

Annegret Kronenberg © 2004-2006 | Alle Rechte vorbehalten | Inhalt | Lyrik | Liebesgedichte | Gedichte & Poesie | Adventskalender basteln | Internet Forensicherheit