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  Gedichte  -  Paul Verlaine 1844-1896 franz. Lyriker
Selina
BeitragVerfasst am: 28.08.2005, 07:46  Neue Antwort erstellen
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Paul Verlaine 1844-1896 franz. Lyriker
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Stammgast
Stammgast


Anmeldungsdatum: 14.08.2005
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Wehmütiges Zwiegespräch

Im alten Park, dem verlassnen und kalten,
Gingen vorüber zwei dunkle Gestalten.

Ihre Augen sind tot, ihre Lippen verdorrt,
Und man vernimmt nur mit *ühe ihr Wort.

Im alten Park, dem verlassnen und kalten,
Beschworen das Gestern zwei Spukgestalten.

- Weißt du sie noch, unsre einstigen Küsse?
- Warum wollt Ihr, daß ich sie noch wisse?

- Schlägt noch dein Herz bei meinem Namen allein?
Siehst noch im Traum meine Seele du? - Nein.

- Ach, die Tage so schön, das Glück so unsäglich,
Als unsre Lippen sich fanden! - Schon *öglich.

- Wie blau unsre Himmel, wie groß unsre Hoffnungen waren!
- Die Hoffnung ist hin und zum schwarzen Himmel gefahren.

So schritten sie durch das wilde Gras fort,
Und allein die Nacht vernahm ihr Wort.
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.09.2007, 15:50  Neue Antwort erstellen
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Herbstlied

Den Herbst durchzieht
Das Sehnsuchtslied
Der Geigen
Und zwingt mein Herz
In bangem Schmerz
Zu schweigen.

Bleich und voll Leid,
Dass die letzte Zeit
Erscheine,
Gedenk' ich zurück
An fernes Glück,
Und ich weine.

Und so muss ich gehn
Im Herbsteswehn
Und Wetter,
Bald hier, bald dort,
Verweht und verdorrt
Wie die Blätter.


Zuletzt bearbeitet von Ann am 30.09.2007, 15:53, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.09.2007, 15:52  Neue Antwort erstellen
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Abendsonnen

Blass giesst im Verrinnen
Auf Felder und Rain
Schwermütiges Sinnen
Der scheidende Schein.
Schwermütiges Sinnen
Wiegt flüsternd mich ein,
Mein Herz zu umspinnen
Im scheidenden Schein.

Und fremde Träume
Ziehn sonnengleich
Über Heiden und Bäume,
Rotflimmernd und weich,
Endlos durch die Räume
Ziehn sonnengleich
Sie über das Reich
Der Heiden und Bäume.
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.09.2007, 15:55  Neue Antwort erstellen
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Wundersame Dämmerung

Erinnerung in Dämmerlicht verglühend
Zittert und loht am fernen Himmelsrand
Der Hoffnung, die geheimnisvoll bald fliehend
Bald wachsend flammt, wie eine Scheidewand.
Wie mancher Blume farbenbunt Gewand,
Wie Dalie, Tulpe, Lilie erblühend,
Ein Gitter rings umrankend und umziehend
Mit gift'gem Hauch, der all mein Wesen bannt;
Voll schweren Wohlgeruchs, der zu mir fand,
Aus Dalie, Tulpe, Lilie erblühend,
Ertränkend Seele, Sinne und Verstand,
Bis mich mit schwerer Ohnmacht übermannt
Erinnerung in Dämmerlicht verglühend.
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.09.2007, 15:57  Neue Antwort erstellen
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Die Nachtigall

Es senkt wie ein Schwarm von Vögeln sich
All mein Erinnern hernieder auf mich,
Hernieder durchs gelbe Laub von den Zweigen,
Und gebeugt ist mein Herz, wie Erlen sich neigen,
Die sich spiegeln, wo das Wasser der Reue
Schwermütig gleitet in tiefer Bläue.
Sie senken sich, bis im wachsenden Wehen
Des Winds ihre bösen Stimmen vergehen,
Im Baume verklingen mit sterbendem Laut,
Dass Stille rings von den Zweigen taut.
Nur die Stimme, die sie, die fern ist, in Tränen
Verherrlicht, tönt, nur die Stimme voll Sehnen
Des Vögleins, das erste Liebe mir war,
Das heute noch singt, wie vor manchem Jahr.
Und in dem trauernden Mondenscheine,
Der bleich und feierlich strahlt, wiegt eine
Schwermütige Nacht der Sommerszeit
Voll tiefer Sehnsucht und Dunkelheit
Im Himmel in flüsternden Windesschauern
Das Zittern des Baums und des Vogels Trauern.
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.09.2007, 15:58  Neue Antwort erstellen
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Frau und Katze

Sie spielte mit ihrem Kätzchen,
Und reizend waren zu schau'n
Die weissen Hände und Tätzchen
Beim Tändeln im Abendgrau'n.

Versteckt hielt voll lustiger *ätzchen
Im Handschuh, o Tücke der Frau'n,
Die spitzigen Nägel mein Schätzchen,
Die scharf wie Messer, traun.

Auch die andere wollte gefallen
Und versteckt ihre grausamen Krallen,
Doch währt ihre Sanftmut nicht lang ...

Und im Zimmer, in Dämm'rung versunken,
Wo ihr silbernes Lachen erklang,
Erglänzten vier Phosphorfunken.
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.09.2007, 16:01  Neue Antwort erstellen
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Mondschein

Wie eine seltne Gegend ist dein Herz,
Wo Masken, die mit Bergamasken schreiten,
Zum Tanze spielen voll geheimem Schmerz
Im Truggewand, mit dem sie bunt sich kleiden.

Obgleich in weichem Ton sie singen, wie
Der Liebe Sieg dem Lebensglück sich eine,
So glauben doch nicht an die Freude sie,
Und ihr Gesang fliesst hin im Mondenscheine.

Im kalten Mondenschein, des trübe Pracht
Die Vögel träumen lässt auf ihren Zweigen,
Und der die Wasserstrahlen weinen macht,
Die schlank aus weissen Marmorschalen steigen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.09.2007, 16:01  Neue Antwort erstellen
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Im Kahn

Zitternd wie durch feuchte Schleier
Schwimmt der Abendstern im Weiher,
Und der Fischer zündet Feuer.

Heute oder nie ist's Zeit,
Dass Ihr Herrn verwegen seid,
Lustig wag' ich jeden Streit.

Auf der Laute klimpert Lieder
Athis und blickt glühend nieder
Zu der spröden Chloris Mieder.

Eglé beichtet dem Abbé
Allzugern ihr Liebesweh,
Und der Graf ist toll wie je.

Mondlicht blinkt schon in den Räumen,
Und der Kahn streicht ohne Säumen
Durch der Wasser stilles Träumen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.09.2007, 16:02  Neue Antwort erstellen
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In der Stille

In Waldes Dämmerschein
Lass unter Zweig und Strauch
Uns tief durchdrungen sein
Von dieses Schweigens Hauch.

Dass unsrer Herzen Drang
Hinschmilzt und zärtlich schweigt
Im Duft, der sehnsuchtsbang
Von Busch und Fichte steigt.

Schliess' deine Augen du,
Die Händ' kreuz' auf der Brust,
Aus deines Herzens Ruh
Vertreibe Leid und Lust.

Die Seelen neigen wir
Dem Weh'n, das lind sich regt
Und sanft zu Füssen dir
Das braune Gras bewegt.

Und wenn der Abend kam
Und schwarz von Bäumen sinkt
Leiht Stimme unserm Gram
Die Nachtigall – und singt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.09.2007, 16:03  Neue Antwort erstellen
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Mandoline

Sie, die klimpern auf den Saiten,
Und die Schönen, welche lauschen,
Tauschen matte Höflichkeiten,
Wo die grünen Zweige rauschen.

Tircis und Aminte sind es,
Auch Clitander darf nicht fehlen.
Damis, um manch spröden Kindes
Herz mit zartem Reim zu stehlen.

Ihrer langen Schleppen Seide,
Ihre Westen, ihre glatten,
Ihre Feinheit, ihre Freude,
Ihre weichen, blauen Schatten

Wirbeln, wo der Mond verdüstert
Ros'ger bald erscheint, bald grauer,
Und die Mandoline flüstert
In des Abendwindes Schauer.
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.09.2007, 16:05  Neue Antwort erstellen
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Das Schlichte Lied


Eh' bleicher Stern du gesunken,
Singen, wo Thymian blüht,
Freudetrunken
Tausend Wachteln ihr Lied.

Grüsse mit blassem Geflimmer
Mich, der dich liebend erkor,
Morgenschimmer
Rufet die Lerche empor.

Wende den Blick, den umschleiert
Jungen Tags Dämmerblau hält;
Prangend feiert
Weithin das reifende Feld.

Meine Gedanken lass selig
Fern überfliegen die Au,
Klar und fröhlich
Blinkt auf den Gräsern der Tau.

Eh' meines Traumes Wonne
Mir im Erwachen zerrann,
Schnell die Sonne
Leuchtet schon golden hinan.
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.09.2007, 16:06  Neue Antwort erstellen
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Flieg zu ihr, mein Lied, mit leichten
Schwingen und verkünde ihr,
Welch ein stilles, frohes Leuchten
In dem treuen Herzen mir.

Das mit heiligem Gefunkel
Aufhellt unsrer Liebe Nacht,
Misstraun, Furcht und banges Dunkel
Scheucht des Tages lichte Pracht.

Lang' von stummer Furcht bezwungen,
Hörst du? hat der heit're Sinn
Gleich der Lerche froh gesungen
Durch den klaren Himmel hin.

D'rum zu ihr den Flug genommen,
Dass von keinem Leid beschwert
Ich sie heisse hochwillkommen,
Sie, die endlich wiederkehrt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.09.2007, 16:07  Neue Antwort erstellen
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Ja, dann erglänzt ein heller Sommertag,
Es fühlt die ew'ge Sonne meine Freude,
Die dir in Atlas und in lichter Seide
Die liebe Schönheit noch verschönen mag.

Blau leuchtend wird der Himmel sich erheben
Gleich einem Zelt, an üpp'gen Falten reich,
Hoch über unsern Stirnen, welche bleich
Im bangen Glücke der Erwartung beben.

Sanft wird das Spiel des Abendwindes sein,
Der schmeichelnd dann in unsern Schleiern fächelt,
Der Liebesblick der Sterne aber lächelt
Den Gatten zu mit freundlich mildem Schein.
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.09.2007, 16:08  Neue Antwort erstellen
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Vergessene Sänge

Es ist das selige Bangen,
Es ist das *üde Umfangen,
Der Schauer im dämmernden Wald,
Der Winde schmeichelnd Umschlingen,
Wann vom grauen Gezweige das Singen
Der kleinen Stimmen erschallt.

O dies zarte Zirpen und Girren,
Dies junge Gezwitscher und Schwirren,
Klingt hold wie Gräser im Wind,
Als ob über blanken Kieseln
Mit heimlichem Rauschen und Rieseln
Das murmelnde Wasser verrinnt.

Die Seele, die lebt im Zagen
Der leise schlummernden Klagen,
Ist es die unsere? sag!
Die meine ja und die deine,
Die so mit stillem Geweine
Verhaucht im scheidenden Tag.
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.09.2007, 16:09  Neue Antwort erstellen
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Weinlese

Die Dinge, die in uns singen,
Wann unser Bewusstsein ruhte,
Sie tönen in unserem Blute,
O fernes, verschwiegenes Klingen!

Horcht! Unser Blut ist's, das leidet,
Wann unsere Seele entflohn ist,
Wie so fremd und seltsam sein Ton ist,
Der bald im Schweigen verscheidet.

O Blut der rosigen Traube,
O Wein der schwärzlichen Venen,
Wein und Blut, verklärender Glaube.

Singt! Löst unsre Seele in Tränen,
Und bis in die Tiefen hernieder
Durchbebt unsre armen Glieder.
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