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| Gedichte - Karl Henckell, (1864 - 1929), deutscher Lyriker und Schrifts |
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Verfasst am:
05.04.2010, 11:02

Gedichte
Karl Henckell, (1864 - 1929), deutscher Lyriker und Schrifts
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Durch die Maiennacht
Durch die Maiennacht
Fuhr der Wintersturm,
Und die Frühlingspracht
Riss er nieder.
Durch die junge Brust
Fuhr der Todeshauch,
Traf mit grauser Lust
Meine Glieder.
Muss es denn geschehn,
Kann's nicht anders sein,
Will ich freudig gehn
Und entsagen.
Fahre wohl, du Welt,
Liebe, Kampf und Ruhm!
Nur ein schlechter Held
Mag es klagen.
Sinkt die Knospe hin,
Eine neue sprießt,
Und die Folgerin
Sei gegrüßt! |
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Verfasst am:
05.04.2010, 11:09

Gedichte
Karl Henckell, (1864 - 1929), deutscher Lyriker und Schrifts
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Im Weitergehn
Was melden deine Lieder nur
Als über dir der Wipfel Wehn
Und deiner Schritte Wanderspur
Im Weitergehn?
Was überraschend dich entzückt,
Und hast es hundertmal gesehn,
Was deine Hand aus Liebe pflückt
Im Weitergehn.
Uralte Lust will sich erneun,
Im Liede staunend auferstehn –
So laß dir goldne Wunder streun
Im Weitergehn! |
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Verfasst am:
05.04.2010, 11:10

Gedichte
Karl Henckell, (1864 - 1929), deutscher Lyriker und Schrifts
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Das Gedicht
Es streift dich mit wehendem Saume
Plötzlich in silberner Früh –
Der Himmel beschert es im Traume,
Dankbar vollendets die Müh.
Oder ein goldschwerer Tropfen
Fällt von der Schale des Lichts –
Später der Schmied muß klopfen
Emsig den Ring des Gedichts. |
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Verfasst am:
05.04.2010, 11:10

Gedichte
Karl Henckell, (1864 - 1929), deutscher Lyriker und Schrifts
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Frühlingsabend
Nah rauscht der Fluß durch tiefe Stille
Zu meinem hohen Turmgemach,
Des Abendhauches linde Fülle
Küßt mir der Sehnsucht Knospen wach.
Die schweren Tage wie verschollen,
Die Wochen müd und hoffnungsleer –
Das Leben sprießt, die Wellen rollen,
Die Lust hat ihre Wiederkehr.
Am Himmel sich die Sterne zünden,
Die mir so günstig schon geblinkt,
Ich spüre, daß sie Gutes künden,
Und alle Zweifelsucht versinkt.
Der Lenz webt zarte grüne Schleier,
Bald schwelgt das Tal in Blütenpracht,
Ich atme tiefer, blicke freier
Und tauche heiter in die Nacht. |
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Verfasst am:
05.04.2010, 11:10

Gedichte
Karl Henckell, (1864 - 1929), deutscher Lyriker und Schrifts
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Maienmorgen
Ward je die Welt mir zum Verließ?
O dumpfer Traum, der längst zerrann!
Nun wandl ich durch ein Paradies,
So schön, daß ichs nicht sagen kann.
Ein warmer Regen hat getränkt
Den lichten Hain mit reichem Tau,
Des Himmels frische Klarheit schenkt
Dem jungen Tag ihr keusches Blau.
Die Birkenblättchen beben schnell
Bei jedem Hauch vor Ungeduld,
Er ist ihr trauter Spielgesell,
Sie zittern ihm voll zarter Huld.
Der wilde Birnbaum, weiß in Pracht,
Lacht fröhlich wie ein Pfingstprophet,
Der Edeltanne dunkle Wacht
Hochfeierlich gen Himmel steht.
Sein Frühkonzert der Maiwald gibt,
Wie singts und klingts aus nassem Busch!
Die Blumen glänzen, lenzverliebt
Umspielt von hellem Falterhusch.
Verstohlen lauscht ein schlankes Reh,
Mit großen Augen schaut es zu –
Wie ich sein stilles Staunen seh,
Ist mir, am Stamm dort lehntest du . . . |
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Verfasst am:
05.04.2010, 11:11

Gedichte
Karl Henckell, (1864 - 1929), deutscher Lyriker und Schrifts
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Nachtigallen am See
In lauen Dämmerungen
Verhauchte der Frühlingstag,
Wir glitten nachtumschlungen
Mit lautlosem Ruderschlag.
Am hohen Schilf nur rauschten
Die Wellen murmelnd empor,
Wir legten ein und lauschten
Zum Ufer mit durstigem Ohr:
Aus heimlichen Schattentiefen,
Umbuschtem Klosterwall,
Zwei Nachtigallen riefen
Sich mit sehnsüchtigem Schall.
Es schwoll wie verlockendes Schlagen
Zu jauchzender, schmetternder Höh,
Es quoll wie verzichtendes Klagen
Und schluchzte wie scheidendes Weh.
Das Echo vom anderen Ufer
Gab Wehmut und Wonne zurück,
Schmerzselig lenztrunkener Rufer
Gedämpftes Versagen und Glück.
Der dunklen Akazienbäume
Lebendige Stimme verscholl,
Wir glitten durch Blütenträume –
Wundervoll
Duftet im Nachthauch der Flieder . . . |
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Verfasst am:
05.04.2010, 11:12

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Karl Henckell, (1864 - 1929), deutscher Lyriker und Schrifts
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Flöte im Walde
Fern tönt eine Flöte vom Walde,
Weiche, verlorene Melodie:
Wohl unter den grünen Buchen
Kannst du mich finden und suchen,
Bin immer da oder nie.
Hör hier in Lüften ein uralt Stück,
Seligen Sommer bring ich zurück
Den Unversehrten auf Erden.
Mich findet wieder, wer je mich fand,
Überall mein Glück, überall mein Land,
Wer will darin König werden?
Nun greif mich geschwind,
Ich bin ja dein Kind
Von dazumal und von heute,
Von gestern und morgen,
Doch darfst du nicht sorgen,
Sonst mordest du selbst deine Beute.
Wenn der Kuckuck ruft, krön ich dich balde,
Bin immer da oder nie . . .
Fern lockt eine Flöte vom Walde, |
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