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  Kurzgeschichten  -  Der Holzfäller und die Fee, Teil 2
Juska
BeitragVerfasst am: 10.04.2007, 11:06  Neue Antwort erstellen
Kurzgeschichten
Der Holzfäller und die Fee, Teil 2
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Anmeldungsdatum: 07.10.2006
Beiträge: 6017

Das wollte er aber nicht zugeben. Außerdem fühlte er sich in seinem Stolz gekränkt. Er steckte das Schnitzmesser wieder in seine Hosentasche und die Fee verschwand, ohne sich lang und breit von ihm verabschiedet zu haben.


Nachdem Bat jetzt bei seinen Kindern aufgefallen war, musste er doch wieder seinem Beruf als Holzfäller nachgehen. Er begann damit, wie ein Wilder alle kranken Bäume abzuholzen.

Er war immer noch sauer auf die kleine Fee und vermied es sein Schnitzmesser anzurühren. Er sang das Lied: „Alle die mit uns kapern fahren, *üssen *änner mit Bärten sein, Jan und Hein und Klaas und Pit, die haben Bärte, die haben Bärte, Jan und Hein und Klaas und Pit, die haben Bärte, die fahren mit.......“

Seine Frau konnte ihn bis zu Hause singen hören und freute sich darüber. Sie stellte keine Fragen mehr und auch die Kinder hielten dicht, als sie nach Hause kamen. Wenn er auch bisher das ganze Jahr gefaulenzt hatte, jetzt holte er alles nach. Er rupfte die kranken Bäume aus, als wären es Streichhölzer und man konnte ihn weither singen hören. Er arbeitete wie ein Besessener, damit er nicht an die kleine Fee denken musste und tatsächlich erschien sie auch nicht, weil er es vermied das Schnitzmesser anzurühren.

Nun ergab es sich, dass Marie wieder seinen Weg kreuzte. Denn auch sie hörte ihn schon von weitem singen und schlug infolgedessen seine Richtung ein. Sie stellte sich ihm in den Weg und hielt ihm ihre Melonen unter die Nase. „Aus dem Weg!“ befahl ihr der Holzfäller, „Ich sehe ja gar nichts mehr vor lauter Busen!“ beschwerte er sich. „Das war dir bis vor ein paar Tagen aber noch ganz recht!“, keifte sie ihn an, denn sein plötzlicher Abgang aus ihrer Hütte hatte ihr absolut nicht gefallen. Beleidigt zog sie von dannen und ließ ihn mit seiner Arbeitswut alleine.


Bat arbeitete wie ein Besessener. Jeden Abend sank er wie ein Klotz ins Bett und schnarchte, dass sich die Balken bogen. Am nächsten Tag musste seine Frau ihn daran erinnern, dass Sonntag war, sonst wäre er auch dann noch zum Holzfällen gegangen.

Das erinnerte ihn daran, dass es auch noch etwas anderes im Leben gab, als nur Arbeit und er spielte mit dem Gedanken, sein Schnitzmesser aus der Hosentasche zu holen. Er lief zu der alten Holzhütte, machte es sich gemütlich und begann zu schnitzen.

Prompt erschien die kleine Fee. „Was schnitzt du diesmal?“ wollte sie wissen. Er wusste es noch gar nicht. Er wollte nur, dass sie endlich erscheint, denn er hatte sie lange nicht gesehen. „Ich will eine Fee schnitzen, die so aussieht wie du. Du sollst mir Modell sitzen!“ befahl er. „Oh“, sagte sie, „genau so wie ich?“. „Ja“, meinte er, „genau so schön wie du!“. „Wow“, staunte da die Fee, setzte sich entspannt zurück und ließ sich ungeniert ansehen.

Davon konnte Bat natürlich nicht genug bekommen und so ergab es sich, dass nicht nur eine Fee, sondern 25 Figuren geschnitzt wurden. Sie alle sahen gleich aus. Man konnte sie kaum von der echten Fee unterscheiden.

Die Idee war großartig, fand Bat. Denn jetzt hatte er immer genug Figuren zum Ansehen. Bat steckte in jedes seiner Hosentaschen eine Schnitzfigur der kleinen Fee. Das Schnitzmesser hatte er auf seine Werkbank gelegt, damit er nicht in Versuchung kam, die Fee wiederherzuzaubern. Das fiel ihm sehr schwer, aber es musste sein, bevor sie ihn noch ganz verrückt machte.

Mit den Figuren in seiner Tasche hatte er etwas, dass er ansehen und berühren konnte. Mehr wollte er im Moment auch nicht und da er sie nicht mehr sah, war er damit auch zufrieden. Man hörte ihn weither bei seiner Arbeit singen und wenn man ihn so sitzen sehen würde, während er die Holzfigur betrachtete, sollte man meinen er spinnt.

Nun ergab es sich, dass Bat vor lauter Arbeitseifer immer unvorsichtiger wurde. Ihm passierte ein Missgeschick, denn er hieb mit der Axt in seinen Fuß. Es blutete schrecklich und auftreten konnte er schon gar nicht. Nun hätte er etwas darum gegeben, wäre das Messer in seiner Tasche gewesen, um seine kleine Fee herbeizurufen und wenigstens sie bei sich zu haben die Hilfe herbeiholen konnte oder ihm selbst behilflich sein konnte.

Er wusste es nicht, aber vielleicht kannten Feen sich mit Krankenpflege ja auch aus. Jetzt ärgerte es ihn, dass er so lange böse auf sie war und sich die *öglichkeit sie herbeizurufen so verbaut hatte. Er rief nach ihr und stöhnte sehr laut dabei. Sie schien es nicht zu hören. Er schrie immer wütender, denn er hatte sehr große Schmerzen. Aber wütend war er, weil die Fee nicht kam.

Da sah er in der Nähe ein Aststück liegen. Er nahm es zwischen die Finger und kratzte an der Rinde herum, als wolle er mit den Fingern schnitzen. Hoppla, plötzlich stand die Fee vor ihm. Er freute sich riesig und sie sich auch, denn sie hatten sich ja sehr lange nicht gesehen. Sie umarmten sich und sofort schaute sich die kleine Fee seinen verletzten Fuß an. Sie hüpfte zu irgendeiner Stelle und pflückte Blätter zwischen einem Grasbüschel auf und legte sie auf die Wunde. „Was ist das?“ wollte Bat wissen. „Das ist Spitzwegerich!“ meinte die Kleine. „Der heilt Wunden!“ sagte sie gewichtig.

„Deswegen lassen meine Schmerzen aber trotzdem nicht nach!“ knurrte Bat. „Es kühlt wohl gut!“ gab er dann doch zu. „Du wirst sehen, die Wunden werden jetzt viel schneller heilen!“ gab sie selbstsicher zu verstehen. „So, und nun werde ich Hilfe herbeiholen!“ sprach sie und verschwand und löste sich in Luft auf.

Kurze Zeit später kamen seine Söhne den Waldweg herauf. Sie trugen einen Liegestuhl zwischen sich und eine Decke hatten sie mitgebracht. Darauf musste sich ihr Vater legen, bzw. rollen. Er riss sich zusammen und versuchte weniger zu stöhnen, als er es normalerweise getan hätte, nur um sich interessant zu machen. Sie trugen ihn nach Hause und die Mutter verband ihn nicht ungeschickt. Sie wunderte sich zwar, über dieses Blätterzeug auf seiner Wunde, dachte sich aber, dass er aus lauter Verzweiflung diese daraufgelegt hätte.

Die Söhne sorgten dafür, dass alsbald der Arzt kam, um nach der Wunde zu sehen.

Der Arzt hielt die Verletzung aber trotz allem für nicht so gefährlich und meinte: „Das wird schon wieder! Schonen Sie sich eine zeitlang und schlafen sie in Ruhe aus. Sie brauchen jetzt viel Ruhe.“

Das war die Gelegenheit, das Schnitzmesser wieder zu benutzen. Seine Söhne besorgten es ihm und jede Menge Schnitzholz dazu.

Bat hatte jetzt also viel Zeit zum Schnitzen. Was ihn ärgerte war, dass die Fee immer nur auftauchte, wenn er sie wollte. Er wusste nicht, ob sie ihn auch wollte. Sie war zwar immer sehr nett zu ihm, aber das war halt ihre kindliche Art.


Nachdem er mit dem Schnitzmesser das Stück Holz berührte, stand sie auch schon vor ihm, setzte sich neben ihn auf die Bank und wollte wissen, wie es ihm ginge. Er machte ein zufriedenes Gesicht. Eigentlich fühlte er sich wohl. Nur mit dem Auftreten ging es noch nicht so gut. „Ach, das wird schon wieder!!“ sagte er voller Optimismus.
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Ann
BeitragVerfasst am: 10.04.2007, 12:18  Neue Antwort erstellen
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Der Holzfäller und die Fee, Teil 2
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Administrator
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45133
Wohnort: Gronau

Hallo Juska,
sehr spannend, Deine Fortsetzung, macht richtig neugierig.

Einen schönen Tag wünscht Dir

Ann
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Leddes
BeitragVerfasst am: 10.04.2007, 17:29  Neue Antwort erstellen
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Der Holzfäller und die Fee, Teil 2
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Gartenmeister(in)
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Anmeldungsdatum: 16.09.2006
Beiträge: 1739
Wohnort: Baden-Baden

Hallo Juska

Auf die weitere Geschichte bin ich auch gespannt. Mach weiter so

Schönen Gruß
Leddes
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Juska
BeitragVerfasst am: 11.04.2007, 13:48  Neue Antwort erstellen
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Gartenmeister(in)
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Anmeldungsdatum: 07.10.2006
Beiträge: 6017

Zum Wochenende soll die Fortsetzung kommen.
Einige Renovierungsarbeiten stehen noch an und halten mich auf.
Ich danke euch sehr für das Interesse und wünsche uns für die nächste Zeit sonnige angenehme Tage.

liebe Grüße
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