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  Kurzgeschichten  -  Das Handy
Juska
BeitragVerfasst am: 14.05.2007, 22:06  Neue Antwort erstellen
Kurzgeschichten
Das Handy
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Anmeldungsdatum: 07.10.2006
Beiträge: 6017

Das Handy

Mit der Kindermeute bei dem schönen Wetter in den Stadtpark, das gehörte in den Sommermonaten zu den wöchentlichen Ausflügen dazu. Wo konnten sie so herrlich plantschen und hatte die Auswahl sich für das Western-Fort, die Zugbrücken oder die Wasserräder mit anhängender Wasser-Rinne zu entscheiden, ich dabei ein interessantes Buch und ab auf die Bank, von wo aus man die drei Kinder im Auge hatte, etwas Sonnencreme aufs Gesicht und die Kinderarme und entspannt zurücklehnen. So auch letzte Woche, als ich zu der Bank kam, wo ein Handy einsam herumlag.

Ich nahm es zuerst einmal an mich, damit die Kinder es nicht in die Finger bekamen. Nachdem sie mit Schüppchen, Eimer, Schiffchen und anderen Dingen ausreichend ausgestattet waren, stoben sie in verschiedene Richtungen davon. Es waren Nachbarkinder dabei. Nur eins von der Meute gehörte mir.

Ich schlug mein Buch auf, schaute noch einmal in die Runde und begann zu schmökern. Gerade in dem Moment, als neben mir eine üppige Dame mit Sonnenhut Platz genommen hatte, hörte ich das Bimmeln eines Handys. Die Dame schaute zu mir herüber. Ich las.

„Ja, wollen sie denn nicht an ihr Telefon gehen? Wozu nehmen Sie es dann mit?“ Ich war ganz in meiner Lektüre versunken und nahm die Stimme der Dame nur weit entfernt wahr. Nachdem sie meinen verdatterten Gesichtsausdruck bemerkte, fügte sie hinzu: „Ja, es klingelt in Ihrer Tasche!“

Plötzlich ging mir ein Licht auf. Schnell griff ich in den Rucksack und drückte auf die grüne Taste. „Andrea, bist du da?“, fragte eine kindlich/jugendliche Stimme. Ich wollte gerade den Mund aufmachen, etwas aufzuklären, da legte die Fragerin schon los:
„Also stell dir vor, Aslan ist ins Krankenhaus gekommen und nun haben wir den Salat, oh, ich muss auflegen, ruf später noch mal an.“ Schon war das Gespräch weg. Sicherheitshalber schrieb ich mir mal die Namen auf. Dann legte ich den Hörer direkt neben mich. Oh, da kamen die Kinder pitschnass angelaufen. Also schnell weg mit dem Handy! Ich war beschäftigt und suchte den verschwundenen Martin.

Er hatte sich in den Gängen unter dem Fort – es waren große Betonrohre - eigens zum Verstecken für die Kinder - verkrochen, um zuzuschauen, wie alle ihn suchen. Das gehörte zu seinen Lieblingsspielen.

Kaum war ich zurück bimmelte es wieder. Eine hektische Stimme sagte: „Andrea, du musst unbedingt den Koks verschwinden lassen, sonst gibt es Ärger. Pass auf, du findest ihn unter der Treppe in dem Schrank mit den Reinigungssachen. Also du weißt bescheid. Beeil dich!“. Das Gespräch war zu Ende. Ob es dieser Aslan war? Er sprach so schnell, als wäre er auf der Flucht.

Meine Banknachbarin wunderte sich sicher schon über diese Gespräche, die eigentlich keine waren. Bisher hatte ich ja noch kein Wort dabei gesprochen. Ich klärte sie darüber auf, dass es gar nicht mein Handy sei.

Sie dachte gemeinsam mit mir darüber nach, wie diese Sache weitergehen könnte. Bei diesen Anrufen musste man wohl nicht unbedingt zum Fundbüro gehen. Wir schauten gemeinsam nach, ob es nicht gespeicherte Nummern gab. Ich versuchte es mit der 1. Es meldete sich keiner. Die 2. Es war dieser Typ von vorher, ich sagte: „Entschuldigung verwählt.“ Die 3. Die kindlich jugendliche Stimme. Ich hob an:

„Entschuldigung, Sie haben eben die Nummer von Andrea gewählt“, sie leugnete alles ab. Auf den anderen Nummern war nichts gespeichert. Meine Banknachbarin war mit mir einer Meinung, dass das Handy zum Aslan ins Krankenhaus gehörte. Ich nahm mir vor, es am nächsten Tag mitzunehmen, weil ich sowieso einen Arzttermin hatte.

Jetzt musste ich langsam die Sachen packen, denn die ersten Regentropfen fielen. Ich suchte meine Meute zusammen und wir machten uns auf dem Heimweg. Unterwegs im Auto bimmelte das Telefon schon wieder. Der Rucksack stand auf dem Rücksitz, also ließ ich die Kinder danach suchen. Peter fand es zuerst und meldete sich. Der Gesprächsteilnehmer meldete sich nicht zurück. Ich ließ das gute Stück im Rucksack und kümmerte mich nicht mehr darum. Aufladen konnte ich es bei mir zu Hause sowieso nicht. Also nahm ich es erst am nächsten Tag mit. Einmal versuchte ich noch die gespeicherte Nummer 1 zu wählen, aber da war der Akku schon leer.

Bevor ich den Termin bei meinem Arzt hatte, versuchte ich herauszufinden, wo sich das Zimmer von Aslan befand. Die Dame an der Pforte sah mich komisch an. „Ohne Nachnamen kann ich da nichts machen!“ meinte sie. Ich erklärte ihr die Situation. Daraufhin sah sie sämtliche Namen durch. „Nein, in diesem Krankenhaus ist er nicht!“ sprach sie.

Nach meinem Arztbesuch suchte ich das zweite Krankenhaus auf. Tatsächlich gab’s dort einen Aslan. Er schaute mich an wie ein Auto. Ob er verstanden hat, was ich von ihm wollte, ich weiß es nicht. Ich machte es genauso, wie die Anrufer. Ließ ihn gar nicht erst zu Wort kommen, gab ihm das Handy und verschwand in Windeseile.
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Ann
BeitragVerfasst am: 20.05.2007, 19:25  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45133
Wohnort: Gronau

Hallo Juska, die Geschichte war spannend zu lesen.

herzliche Grüße
Ann
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Juska
BeitragVerfasst am: 26.05.2007, 11:40  Neue Antwort erstellen
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Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 07.10.2006
Beiträge: 6017

Hallo Ann,
leider hat die Technik uns inzwischen überholt und diese Geschichte
kann als "altmodisch" entlarvt werden. Na, wie auch immer!

(war kurze Zeit verreist)
wünsche angenehmes Wochenende

Juska
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