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  Gedichte  -  Hermann Conradi 1862-1890 Schriftsteller
Ann
BeitragVerfasst am: 17.07.2007, 18:55  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Hermann Conradi 1862-1890 Schriftsteller
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Gold.

Meine bebenden Finger halten das blutrote Gold umspannt –
Es liegt wie brennende Schande in meiner eiskalten Hand –
Die gierigen Augen stürzen auf seinen grellgleißenden Glanz – –
Und an mir rast vorüber der Menschheit wahnsinniger Faschingstanz . . .

Es wölbt sich zur Riesenlawine vor meinem Seherblick,
Zur blind hinrollenden, tauben, dies erbärmlich winzige Stück –
Ich fühle Millionen Herzen zucken nach seinem Besitz –
Ich höre Millionen Lippen freveln in blödem Aberwitz . .

Ich schaue Millionen Fäuste in lohendem Groll gereckt –
Nach goldnen Lawinenkrumen inbrünstig ausgestreckt –
Ich höre Millionen Flüche, dieweil nur Zundergestäub
Statt purpurner Pracht und Geschmeides sich klebt um den schlotternden Bettlerleib.

Zeiten um Zeiten fliegen, Jahrtausende mir vorbei –
Durch alle Zeiten dröhnt es, das gellende Jagdgeschrei . .
Da droben auf ihrem Throne schlief wohl die Gottheit ein –
Bricht denn durch ihre Lider nicht der Scheiterhaufen Flammenschein?

Der Scheiterhaufen, darauf sie, die Menschheit, wahnsinnverkrampft,
Ihr bischen Gottheit geopfert, dämonenüberstampft!
Ja! Ihren Namen nannte die Lippe je und je –
Und troff zugleich von Sehnsucht, nach einem – Riesenportemonnaie.

Kommt über die unstete Menschheit denn nie die Erlösungsruh?
Rast in Aeonen sie weiter, immer und immerzu? –
Meine Finger klammern um's Gold sich, das zur Lawine schwoll –
Wach' auf, du schlafender Himmel! Das Maaß ist über und übervoll!


Zuletzt bearbeitet von Ann am 26.03.2008, 20:36, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.07.2007, 19:04  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Hermann Conradi 1862-1890 Schriftsteller
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Heimkehr.

Du warst so brav, da ich dich einst verlassen, –
Da ich die Heimat mied.
Heut' kehr' ich heim . . . der Sturm durchgellt die Gassen,
Jauchzt sein Rebellenlied . . .

Doch durch das Windgeheul dröhnt mir entgegen
Ein rüdes Zechgebrüll . . .
Ich geh' ihm nach auf den verschneiten Wegen
Und lausche still . . .

Da plötzlich stößt sich siedendheiß zum Herzen
Mein stürmisch Blut . . .
Ich sehe dich . . . im Blutlicht flackernder Kerzen
Inmitten Bubenbrut . . .

Maria, du? . . . Zurück nun, Heimatskehrer!
Was zögerst du?
Die Welt, die weite Welt ist nirgends leerer –
Schreit' zu – schreit' zu! . . .
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