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  Kurzgeschichten  -  Ägypten-Botanischer Garten
Juska
BeitragVerfasst am: 16.08.2007, 16:35  Neue Antwort erstellen
Kurzgeschichten
Ägypten-Botanischer Garten
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Anmeldungsdatum: 07.10.2006
Beiträge: 6017

Ägypten - Botanischer Garten
Mit Booten hatte man uns an die gegenüber liegende Seite des Nil gebracht, in den Botanischen Garten.
Von dort aus begann die Führung durch die für unsere Verhältnisse spätsommerliche Vegetation. Palmen säumten die Wege und ich beobachtete zwei Kinder beim Spiel zwischen den Hibiskussträuchern, welches allerdings sogleich zu Ende war, als ein erwachsener Ägypter um die Ecke bog und beide Kinder barsch anschrie.
Sicher hatten sie die Aufgabe, bei den Touristen zu betteln und nicht ihre Zeit mit Spielen zu vertrödeln.
Den Ausführungen des Reiseführers hatte ich aus diesem Grunde nicht folgen können und ich vernahm nur noch den Satz „der Rest der Zeit bleibt nun zur freien Verfügung!".
Wir bummelten orientierungslos weiter, bis uns ein Geräusch anlockte, welches von einem Betonmischer
stammte. Unterhalb der Mauer versuchten fast 20 Arbeitskräfte eine neue Kaimauer zu errichten.
Barfuss liefen einige *änner mit Ledertaschen auf den Schultern, um Kies und Sand in den Mischer zu füllen. Einige andere standen bereit und warteten auf die fertige Betonmasse, um sie mit Schüppen zu verteilen.
Sie winkten mir freundlich zu und ich wurde mir meiner unüblichen Kopfbedeckung (Kappe) und Kleidung bewusst. Erinnerte mich an die Anweisung, hier in diesem Land wenigstens die Schultern bedeckt zu halten. Meine rote Lieblingsjeans und meine karierte Bluse fielen der auffälligen Farbe wegen, wohl etwas aus dem Rahmen.
Fast alle *änner trugen diese landesüblichen Kleider in weiß oder blau, die bis zu den Füßen reichten und ihr Kopf war mit Tüchern in den verschiedenen Farben bedeckt.
Von einer höheren Stelle aus trieb ein Aufseher diese Leute zur Eile an, die sich aber nicht unbedingt daran hielten. Immer wieder wagten sie den Blick zu mir, so dass ich mich nach einer Alternative umsah.
Und da erkannte ich eine Teestube an ihren Sonnenschirmen, ein Stück weiter oben. Ich versuchte dort hinzugelangen. An ihren Tischen saßen lauter Einheimische. Sehr junge Frauen, mit Kopftüchern, natürlich; es waren drei und am Tisch schräg gegenüber drei *änner mit Wasserpfeifen zum Teil.
Ich setzte mich in den alten Korbstuhl und bestellte einen Tee, froh, den Blicken der Arbeiter entronnen zu sein. Ich wartete vergebens; mein bestellter Tee ließ auf sich warten.
Über dem Mauervorsprung sah ich Jörg noch immer den Arbeiten an der Kaimauer zusehen.
Er blickte zu mir hoch und ich rief so gut ich konnte: „*öchtest du auch einen Tee?".
Sogleich beugte sich der Barkeeper hinunter und zeigte zwei Finger in die Höhe. „Ja, ok," sprach Jörg, „ich komme gleich!". Er ließ nicht mehr sehr lange auf sich warten, doch beide Tees wurden erst serviert, als
Jörg an meinem Tisch Platz genommen hatte.
Die Kinder der Ägypter liefen vom *änner- zum Damentisch oft hin und her. Ich erkannte einen kleinen Lockenkopf als den Sohn des etwa 45-jährigen Ägypters und mir spukte der Gedanke durch den Kopf «Sollen das seine drei Frauen sein? Sie sind höchstens alle drei 18, wenn überhaupt!».
Der Tee, (übliches Getränk in diesem Land, denn Alkohol stand auf der Verbotsliste) war schnell getrunken.
Unser Weg führte uns weiter in Richtung Bootsanlegeplatz.
Unterwegs boten Ägypter ihre Ware an. Mich interessierten besonders Papyrus-Malereien und ich verhandelte mit dem Verkäufer noch über den Preis, denn ich hatte noch einige ägyptische Scheine, während dieser mir die Ware in Euro anbot. Jörg ließ mich allein. Es interessierte ihn nicht.

Mir fiel dabei auf, wie Frauen in diesem Falle sehr wohl beachtet wurden. Fast war ich mich mit dem Händler einig, da kam Jörg plötzlich zurück und raunte mir zu: „Der Reißverschluss deines Rucksacks ist offen!“. Wie war das *öglich? Mein Vertrauen in den Verkäufer war dahin. Er musste, während er mit mir verhandelte, dem Dieb direkt ins Gesicht geschaut haben. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren lief ich Jörg hinterher, wobei ich den Reißverschluss der Tasche schloss bevor ich nachsah, ob etwas fehlte. Der Händler blieb mir trotzdem weiter auf den Fersen und ging rapide mit dem Preis herunter, was mich allerdings nicht mehr erweichen konnte. Ich fühlte mich betrogen.
Jörg hatte diesen Hinweis von einer Tischnachbarin erhalten, die zufällig an mir vorbei kam.
Später fiel mir in diesem Land noch auf, dass das komplette Schiffspersonal aus *ännern bestand, wie überhaupt hier scheinbar nur *änner beschäftigt wurden.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.08.2007, 20:41  Neue Antwort erstellen
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Ägypten-Botanischer Garten
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Administrator
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45132
Wohnort: Gronau

Hallo Juska,
eine sehr interessante Geschichte.
Liebe Wochenendgrüße
Ann
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Juska
BeitragVerfasst am: 18.08.2007, 10:50  Neue Antwort erstellen
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Ägypten-Botanischer Garten
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Gartenmeister(in)
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Anmeldungsdatum: 07.10.2006
Beiträge: 6017

Und die Schulen in diesem Land, habe ich mir sagen lassen, sind den ganzen Tag besetzt. Der Unterricht findet schichtweise statt (Was mich bei der großen Anzahl der Kinder nicht verwundert.)

Liebe Grüße und schönes Wochenende Juska
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