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  Kurzgeschichten  -  Zimmer frei
Brachial-Poet
BeitragVerfasst am: 25.08.2007, 10:51  Neue Antwort erstellen
Kurzgeschichten
Zimmer frei
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Oberg
Oberg


Anmeldungsdatum: 15.05.2007
Beiträge: 246

Die Fahrt durch die wirklich langweilige Umgebung von Oldenburg, hatte mich schon genug frustriert, als mein CD Player mir auf seine unnachahmliche Weise mitteilte, dass er nicht mehr bereit war, noch irgendeines der Lieder, mit dem ich ihn fütterte abzuspielen.
*ß Ding, dachte ich und schaltete auf Radio um.
Es rauschte prima. Das wars, mehr nicht.
Auch meine Versuche einen Sender einzustellen, waren eher die Versuche eines Gescheiterten, als die tatsächliche Hoffnung noch was Brauchbares zu hören.

Nun gut, dann soll's das auch gewesen sein für heute. Ich sah auf die Uhr. 1.30 Uhr. Mein Gott, ich muss um 6.00 Uhr weiter, dachte ich. Es war Zeit sich noch was zum Übernachten zu suchen. Um 1.30 Uhr, in Oldenburg. Da werden ja extrem viele Herbergen auf mich warten.

Ich fuhr einfach drauf los, bis ich nach ca. einer halben Stunde ein blaues Neonschild entdeckte:

"Zimmer frei".

Na also, dachte ich. Ich fuhr auf den Parkplatz, stieg aus und bewegte meinen nicht mehr frischen Körper in Richtung Eingang.
Durch die Türe konnte ich nach innen sehen. An der Rezeption stand wirklich noch jemand. Was hieß jemand. Eigentlich war es eine Klassefrau, die man sich eigentlich zu jeder Uhrzeit nur wünschen würde.

Ich ging rein.
"N'abend", sagte ich, "oder besser Guten Morgen."
Mein Witz kam super an und die Dame würdigte mich keines Blickes.
"Guten Abend", wiederholte ich in meiner freundlichsten Art, "haben sie vielleicht noch ein Zimmer frei?"
"Nummer 15, Doppelzimmer, Bad, Balkon. Sat-TV, DVD-Player und Telefon.
231 Euro pro Person, pro Übernachtung. TV, Telefon und Player je 45 Euro die Stunde extra." antwortete die brünette Versuchung an der Theke.
"Hey, ich will nur übernachten, nicht den Laden kaufen!"
Auch der Witz kam hervorraagend an.
"Wollen sie es? Oder wollen sie es nicht? Mehr interessiert mich nicht." sagte sie, ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen.

"Klar", antworte ich.
Sie gab mir den Schlüssel.
"In den Aufzug, dann 2. Etage. Links den Gang entlang und dann die dritte Türe rechts".
"Okay, ich hol nur ein paar Sachen rein".

Ich ging zum Auto, packte meine Reisetasche und ging wieder rein.
Die Frau war veschwunden. Schade eigentlich, dachte ich.
Dann ging ich zum Aufzug.
Ich suchte den Knopf für den zweiten Stock, fand aber keinen.
Zu meinem Erstaunen fuhr der Aufzug von selber los. Er machte absolut keine Geräusche und hielt so pötzlich an, wie er abgefahren war.
Die Tür ging auf.
Jetzt links entlang, erinnerte ich mich. Aber es ging sowieso nur links entlang.
Ich suchte die Zimmertüre mit der 15 drauf, aber es gab keine Nummern an den Türen. Es gab überhaupt keine Türen. Ich ging den Flur weiter entlang.

Dann stand ich vor einer Türe.
Keine Nummer, aber ein kleines Schild mit meinem Namen drauf.
Das gibt es nicht, dachte ich.
Keiner hier hat nach meinem Namen gefragt und ich habe keinem meinen Namen gesagt.
Mir wurde etwas mulmig.
Was ging hier vor? Oder ging hier überhaupt was vor?
Vielleicht war ich vor *üdigkeit in meinem Auto eingeschlafen und hatte nur einen idiotischen Traum.
Ich zwickte mich. Was sollte ich auch sonst machen. Aber alles blieb so wie es war. Egal.

Ich steckte den Schlüssel in die Türe und sie ging lautlos auf. Nichts befand sich hinter der Türe. Absolut nichts. Keine *öbel, keine Wände, kein Fussboden.
Aber auch keine Luft, keine Gerüche, keine Töne.
Und trotzdem zog es mich hinein.
Normalerweise hätte ich jetzt in ein unendliches Nichts fallen *üssen, aber ich bewegte mich wie auf einem normalen Boden.
Ich sah an mir herunter und bemerkte, dass ich keine Kleidung mehr anhatte. Aber ich hatte mich nicht ausgezogen.

Ich ging noch ein paar Schritte weiter, bis ich einen Gegenstand entdeckte , der mir einem Tuch bedeckt war.
Ich hatte ein unwiderstehliches Verlangen das Tuch zu entfernen, aber irgendetwas in mir schien mich zu warnen, schien mir zu sagen, dass ich es nicht aufdecken sollte.
In mir verkrampften sich die Adern, mein Puls raste und ich wurde unruhig.
Tief in mir war eine Stimme, die trotz der vermeitlichen Gefahr immer wieder sagte: Nimm es, nimm es. Es muss so sein.
Aber alles andere in mir warnte mich.
Unbeschreibliche Angst durchzog meinen Körper, mit dem Wissen um die Notwendigkeit des Wahrnehmens.

Ich hielt es nicht mehr aus. Ich nahm Tuch und riß es herunter,
griff den Gegenstand und hielt in fest. Die Ruhe im Zimmer war wie aufgefressen. Es wurde lauter und lauter. meine Nerven schienen zu zerreissen. Es war kaum zu ertragen. Ich wollte den Gegenstand wieder loslassen, aber er klebte an meinen Händen. Das Geräusch durchzog meinen ganzen Körper. Es wurde schmerzhaft. Stimmen mischten sich in die schrillen Töne. Sie waren mir bekannt und riefen immer wieder meinen Namen. "Michael, Michael".
Wie von weitem erkannte ich Gesichter, die immer näher kamen und sich mir in die Seele fressen wollten: "Michael!!!"
"Michael", steh endlich auf. Und lass den Wecker los.
Es roch nach Kaffe und frischen Brötchen. Meine Frau öffnete das Fenster.
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Heike Gewi
BeitragVerfasst am: 25.08.2007, 19:13  Neue Antwort erstellen
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Stammgast
Stammgast


Anmeldungsdatum: 01.07.2007
Beiträge: 52
Wohnort: on earth

Die klassische "Notloesung" des Endes einer Geschichte: Aus der Traum.
Die Geschichte selber sehr spannend erzaehlt, sodass ich vermutete es wuerde sich um einen ueberarbeiteten Dienstreisenden handeln, der im Krankenhaus aufwacht...
Dass die Angst zu verschlafen vor einer wichtigen Fahrt in derartige Traeume eskaliert ist prima ruebergekommen.
Habe ich gern gelesen!

LG
Heike
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