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  Gedichte  -  Friederike Brun 1765-1835 dän. Schriftstellerin
Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:19  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Friederike Brun 1765-1835 dän. Schriftstellerin
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Die sieben Hügel

Auf grüner grüner Haide
Stehn sieben Hügelein.
Es flüstern Wind' im schaurigen Thal,
Es tanzen Elfen auf mondlichem Strahl.
Singt, *ädlein, auf grüner Haide,
Singt: »Leide! Leide! Leide!«

Im tiefen Wiesengrunde
Glänzt fern ein Weiher hell.
Es klagen Unken aus tiefem Moor,
Es steigen Gebilde so dunstig empor.
Singt, *ädlein, auf grüner Haide,
Singt: »Leide! Leide! Leide!«

Hier war vor grauen Jahren
Ein König, reich und groß.
Er war gezogen in Krieg und Schlacht,
Hatt' nicht der sieben Töchterlein dacht.
Singt, *ädlein, auf grüner Haide,
Singt: »Leide! Leide! Leide!«

Die sieben Jungfraun wallten
Im hohen Buchenhain.
Es rauschte das Meer mit nichtigem Schaum,
Es sauste der Sturm im luftigen Baum.
Singt, *ädlein, auf grüner Haide,
Singt: »Leide! Leide! Leide!«

Es schwellen weiße Segel
Vom Kullafelsen her.
Ach! Starno kommt, der wilde Held!
O König! Wie hast du dein Haus bestellt?
Singt, *ädlein, auf grüner Haide,
Singt: »Leide! Leide! Leide!«

Ans weiße Sandgestade
Steigt schnell das Kriegesheer.
Die Jungfraun fliehen Berg ab und an,
Verfolgt von Reiter, von Roß und Mann.
Singt, *ädlein, auf grüner Haide,
Singt: »Leide! Leide! Leide!«

»Wir sahn euch schnell und sicher,
Ihr weißen Vögelein,
Zu Spott und Hohn; wir fangen euch aus;
Der Vater kann finden das leere Haus!«
Singt, *ädlein, auf grüner Haide,
Singt: »Leide! Leide! Leide!«

Wie Blätter vor dem Sturme,
Entflohn die *ägdelein;
Doch dicht am wehenden Schleierlein
Verfolgten die Reiter sie hinterdrein.
Singt, *ädlein, auf grüner Haide,
Singt: »Leide! Leide! Leide!«

Da glänzt im Abendstrahle
Der kühle Weiher hell;
Drein hüpfen die *ägdlein leicht und schön,
Und wurden nimmermehr gesehn.
Singt, *ädlein, auf grüner Haide,
Singt: »Leide! Leide! Leide!«

Auf grüner grüner Haide
Stehn sieben Hügelein.
Dort ruh'n die Jungfraun im kühlen Moos,
Dort klagen die Vöglein im Maigesproß.
Singt, *ädlein, auf grüner Haide,
Singt: »Leide! Leide! Leide!«
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:20  Neue Antwort erstellen
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Ahndung der Genesung

Wölbender Aether,
Schimmerndes Blau,
Grünende Fluren,
Perlender Thau!
Kühlende Lüfte,
Wehende Düfte,
Hallende Töne,
Wallende Schöne,
Hebet den Busen mir, strömet durch's Herz,
Mit der Erinn'rung tiefwogendem Schmerz!

Rieselnde Quellen,
Spiegelt den hellen,
Liebend erröthenden Himmel zurück,
Spiegelt den dankvoll bethräneten Blick!

Ist mir entnommen der brennende Schmerz?
Schlägt ungefesselt und fröhlich mein Herz?
Grüß' ich nicht weinend das steigende Licht?
Funkelt in Thränen der Abendstern nicht?

Bin ich dieselbe?
Fühlend der Freude,
Theilend dem Leide?
Hoffend und wähnend,
Lächelnd und sehnend?
Tochter des Haines,
Schwester der Flur,
Deine Geliebte,
Mutter Natur!
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:21  Neue Antwort erstellen
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Schwanenlied
Im Mondschein zu singen

Steigst du aus der Berge Kluft
Still und hehr empor,
Hüllest Thal und Hain und Luft
Leis' in Silberflor?

Zeigst mit sanftgebroch'nem Licht
Was dem Blick entschwand,
Hüllst in stilles Dämmerlicht,
Was das Herz empfand?

Ach dein Silberflor verhüllt
Den bethränten Blick,
Und ein mild'res Lebensbild
Strahlt aus ihm zurück.

Was mit rauh-verworr'nem Ton
Mir das Herz zerriß,
Hüllt die duft'ge Fernung schon
Tief in Finsterniß.

Leiser faßt die rauhe Hand
Meines Weh's mich an.
Und der hehren Hoffnung Land
Glänzt am Ziel der Bahn.

Ward ich d'rum so sehr betrübt,
Weil ich Treu' geglaubt?
Armes Herz, hast ausgeliebt,
Bist du des Schmucks beraubt!

Fall', o Blüthenregen hin,
In der Wehmuth Schooß;
Frühlingslust und Flattersinn,
Glücklich Lebensloos

Diese Blüthe sank herab,
Meine Thrän' hinein -
Treue blüht doch bis ins Grab,
Hellt den Abendschein!
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:21  Neue Antwort erstellen
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Das Bächlein Celigny am Genfersee

Es rauscht ein Bächlein durch grüne Kluft,
Ich höre sein Rauschen so gerne;
Durch wehende Wipfel strahlt blaue Luft,
Da weidet der Blick in der Ferne!
O Bächlein so lieb an des Hügels Hang,
Dir *öcht' ich lauschen mein Lebenlang!

Wie lieblich sinket und steigt und schwillt
In Wies' und Wald das Gestade!
Dort hebt das Gebirge sich duftumhüllt,
Hier locken mich schattige Pfade;
O süße Thäler, o Hügel so schön,
Hier *ögen sich Herz und Seel' ergeh'n!

Wie lacht aus der Tiefe der blaue See,
Von schneeigen Alpen umraget!
Dort strahlt von Gold die ätherische Höh',
Wenn's tief im Thal noch nicht taget;
Des Frühscheins Schauer mich tief durchbebt,
Der Geist und Sinne so frisch belebt!

Hinab den Pfad in die grüne Nacht,
Wo dunkle Schatten nur wanken,
Der Sonnenstrahl nur durch das Dickicht lacht,
Dort wandeln die stillen Gedanken;
Und Fall auf Fall stürzt der Bach dahin,
Es folgt ihm gerne der trunkene Sinn!

O weh! wie schweigt's in der öden Kluft,
Wie schweigt's durch die grünenden Hügel!
Die Vöglein flieh'n in die weite Luft,
Entfaltend dem Aether die Flügel!
O süßes Bächlein so grün umlaubt,
Wer hat uns dein liebliches Leben geraubt?

Der Neumond sucht und der Abendstern
Die sanfte thauige Welle;
Sie sah'n in der rauschenden Fluth sich gern,
Und gern in der perlenden Quelle;
Nun blicken sie still und trüb hinab
In des kiesigen Bettes ödes Grab!

Und alles trauert und alles schweigt,
Und Finsterniß lauscht in den Klüften;
Der Platanus welkende Zweige neigt
Aus sonnendurchglüheten Lüften:
O Bächlein so lieb, o Bächlein so traut
Komm wieder mit fröhlichem Silberlaut!

Er kömmt! schon rollt um des Berges Fuß
Die heiter rieselnde Welle!
Es hüpfet und rauschet mit vollem Guß,
Und in der Tiefe wird's helle!
Die Fischlein schlüpfen aus Stein und Moos,
Und scherzen dahin in des Freundes Schooß!

Und wir, wir singen mit frohem Schall:
»O Bächlein sey uns willkommen!
Du fehltest uns all' und überall,
Wer hatte dich Bächlein genommen?
O Bächlein so hell und so lieb und so traut,
Nie fehl' uns dein fröhlicher Silberlaut!«
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:22  Neue Antwort erstellen
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Rückkehr auf sich selbst

Meer, das hell den schimmernden Aether spiegelt,
Sanft die Wälder röthlicher Küsten gürtend,
Mich vergebens lockst du mit deinen süßen
Schmeichelnden Tönen!

Vormals lauscht' ich gerne den süßen Tönen,
Als noch Kraft und Hoffnung mich rings umblühten,
Und die Rosenknospe der süßen Liebe
Kränzte die Leier.

Ruhmeslieb' und goldene Sternenkränze,
Lorbeerzweig' und süßere Myrtenkronen,
Reiner Lieb' und himmlischer Freundschaft Palmen,
Winkten mir strahlend!

Kühn entgegen dem hohen Ziele stürzt' ich,
Daß mir Staub die bräunliche Lock' umwallte!
Achtend nicht des niederen Hohnes trüber,
Feindlicher Geister!

Meine Palmen hat mir des Freundes Untreu',
Lorbeer mir, und Myrtengesproß gewelket;
An die falbe Weide der Thränen hing ich
Klagend die Leier!

D'rum vergebens lockest du nun, o Meer, mich,
Und du holdumblüheter Hain der Wonne,
Wo die bunte Fülle der gold'nen Äpfel
Trügerisch winket!

Mir gegrüßet seyd ihr, o grünen Thale,
Sanft durchwallt vom rieselnden Silberbache;
Wo im Schooß des Friedens mir tiefe Stille
Hüllet den Busen!

Sanftgeneigter Ölbaum, in deinem Schatten
Wandelt ernst die Weisheit! dort wohnt der Frieden;
Und mir schöpf' ich fürder aus eig'nem Busen
Fülle des Lebens!
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:23  Neue Antwort erstellen
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Die Schifffahrt oder Die Geretteten

Es lächelt der Himmel, die Woge glänzt,
Und rosig erglüht das Gestade,
Von der lächelnden Hoffnung Blüthen umkränzt
Betret' ich die wogenden Pfade;
Es winken uns Mond und Abendstern,
Sie baden in thauigen Fluthen so gern,
Wir folgen den winkenden Strahlen!

Wie spiegelt im sanftgebrochenen Tanz
Der Neumond auf wallenden Fluthen,
Es strahlt der hesperischen Küsten Kranz,
Hoch leuchten des Schneeberges Gluthen!
Und Purpur und Lilien im blauen Meer,
Sie wogen schmeichelnd um's Schiffchen her,
O liebliche Stille des Meeres!

Still sinkt in des Meeres tiefwogendem Schooß
Die Sonn' in die westliche Ferne;
Wie raget der düstere Alpenkoloß
Ins dunkle Gewölbe der Sterne!
Weiß schäumt die Wog' um das Felsenriff,
Rasch gleitet auf spritzenden Wogen das Schiff,
O kühne Fahrt auf dem Meere!

Gleich dem Aar stürzt herab aus der Felsenkluft
Der Alpenwind jach auf die Fluthen!
Ein trüber Schleier durchwallet die Luft,
Es erlöschen die rosigen Gluthen!
Hoch schäumet die Wog' um des Schiffleins Bord,
Es sauset der Sturm im wilden Accord;
O trügliche Stille des Meeres!

Laut hallt das Gestade, die Woge rauscht,
Und Schaum überschneiet die Küsten!
Auf der Felsbank sitzet der Schiffbruch und lauscht,
Und es heult der Sturm durch die Wüsten!
Das Schifflein schwanket Wog' auf und Wog' ab;
Unter jeder sich öffnet ein feuchtes Grab -
Ach rette, Vater, uns Armen!

Und tief hinunter und tief herauf
Aus der Nacht in die täuschende Ferne
Wird geworfen das Schifflein im irren Lauf,
Es verlöschen die leitenden Sterne!
In weitgeborstener Wogen Schlund
(Nicht erreichet das Auge den schwarzen Grund!)
Wird dort uns Armen gebettet!

Nicht mehr der Himmel, die Wog' erglüht
Vom wildgeschleuderten Schaume:
Des offenen Abgrunds Rachen sprüht
Bis an sinkender Wolken Saume!
Im Nachen erkranket das Mutterherz,
Nur fühlend der *ägdlein, der holden, Schmerz:
Mit den süßen *ägdlein Erbarmen!

Die Küste von zackigen Klippen umstarrt,
Die nahe, sie beut kein Erbarmen!
Dort bettet die Woge die Todten hart -
O wehe, o wehe den Armen!
Der Klippenfuß starrt aus der Fluth empor,
Ihn umtoben die Wogen im hellen Chor!
O leite das Schifflein vorüber!

Und geleitet ward es, das Schifflein, wohl
Über hohe brandende Wogen!
Von Vaterhand ward es liebevoll
An den sicheren Strand gezogen!
Es entstieg die Sonne der Purpurfluth,
Und strahlet ins Herz den Geretteten Muth;
O Dank dem Vater des Lebens!
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:23  Neue Antwort erstellen
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Das Ideal

Bist auf immer du von mir geschieden,
Ideal, das meine Seele schuf?
Ach mit dir entfloh des Herzens Frieden,
Und des Zutrau'ns holder Freundesruf!

So wie still die Abendsonne sinket,
Und sich hebt der Mond aus tiefem Thal,
Wie der Zwillingsstern dem Schiffer winket,
Dem Verbannten seines Herdes Strahl:

Ach so strahlest auf des Lebens Haide
Du mir Hoffnung, Muth und Liebe zu!
Ja, mit dir entfloh des Daseyns Freude,
Wonn' und Glück, und selbst des Geistes Ruh'!
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:24  Neue Antwort erstellen
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Die Gedanken
Am Albanersee

Rings von Kühlung sanft umgossen,
Ruhend in des Haines Schooß,
Von der heil'gen Fluth umflossen,
Wieg' ich mir Gedanken groß;
Töne schweben hin und wieder
In dem leichten Blätterspiel,
Bilder tauchen auf und nieder
Aus der Woge tief und kühl.

In der Grotte leicht umschleiert,
Wo das Brünnlein perlend quillt,
Weilt die Schwermuth still und feiert
Ihrer Sehnsucht holdes Bild!
In des hellen Aethers Räume
Steigt des hehren Berges Haupt,
Und jahrtausendalte Bäume
Halten ihm die Stirn umlaubt.

Tief im grünen Uferkranze
Ruht Albano's dunkle Fluth,
In der Wolken leichtem Tanze
Schwebt des Abends Purpurgluth;
Schimmer sinken leis' hernieder
In das tiefgesenkte Blau,
Und auf luftigem Gefieder
Trinkt die Lerche Himmelsthau.

Aus der duftumglänzten Ferne
Ragt Tiburnus' Haupt empor,
Und es steigen gold'ne Sterne
Aus des Meeres Schooß hervor;
Dort, wo nun das Höchste trauert,
Was die Zeit hervorgebracht,
Sank von Wehmuth trüb umschauert
Phöbos hin in Roma's Nacht!

Steigen einst die Flammenrosse
Aus Saturnus Burg herauf?
Bändigt mit dem Lichtgeschosse
Er der Zeiten wilden Lauf?
Setzt er seinen Ahnherrn wieder
Auf den alten Segensthron?
Kehrt Asträa siegreich wieder,
Und vertheilet Straf' und Lohn?

Tönen frohe Hirtenflöten
Wieder durch Evanders Wald?
Schwebt durch stille Abendröthen
Numa's heilige Gestalt?
An Camilla's Sarkophage
Trauert noch der Nymphen Lied?
Und ertönt Diana's Klage
Noch um ihren Hippolyt?

Hin und wieder sanft gezogen
Schwebt Mnemosyne dahin,
An des alten Tibris Wogen,
Mit erinn'rungsvollem Sinn;
Ihres Götterbusens Fülle
Schwellt der Thaten Vollerguß;
Und in dieser heil'gen Stille
Schöpfet ewig sie Genuß!
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:25  Neue Antwort erstellen
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Phantasie auf Albano's Höhen

Luftige Bläue!
Selig dahin
Schwebt auf der Weihe
Flügeln mein Sinn!
Über die Erde, wohl über das Meer
Trägt mich der strahlende Fittig daher!

Fessellos Streben
Himmlisches Seyn!
Du lohnst das Leben,
Du nur allein!
Tauchen den Fittig in Abendrothduft,
Trinken die reine, die himmlische Luft!

Heiliger Fluthen
Schimmerndes Blau,
Pupurne Gluthen
Wolken voll Thau
Kränzen und gürten Ausonia's Strand,
Strahlen um's alte Saturnische Land!

Ewiger Frühling,
Ewiges Grün
Schattender Kühlung
Schweben dahin,
Wonnige Tage im duftenden Kranz
Und in der Horen sanftwallendem Tanz!
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:26  Neue Antwort erstellen
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Das Einzig-Bleibende

Ich steh' an dem rauschenden Zeitenstrom,
Er donnert und fluthet vorüber!
Der Zeiten Grab bist du, ewiges Rom,
Des Zeitstroms Bild, o du Tiber!
Es wanket rings das hesperische Land,
Von der Berge Höh' bis zum Meeresstrand;
Doch er tobt rastlos vorüber!

O felsengegründete Hügelstadt!
O schauerumflüsterte Höhen!
Wer hemmt von den Hehren des Schicksals Rad?
Wie sollt ihr dem Strome bestehen?
Der Donner aus finsterer Wolken Schooß,
Der zuckenden Blitze Doppelgeschoß,
Umschmettern die prangenden Höhen.

Es stürzt hinab, was dem Staube gehört,
Denn ewig ist nur der Gedanke!
Was gebaut kann werden, wird auch zerstört,
Doch unsichtbar sey, was nicht kranke;
Es zerstöret die Zeit, was die Zeit gebaut,
Wohl dem, der nur dem Unsterblichen traut,
Er hat, wo sein Glaube nicht wanke.
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:27  Neue Antwort erstellen
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Trennung
Romanze

O bleicher Jüngling im Mondenschein,
Tief dringt mir dein Leid in das Herz hinein;
Du leidest so viel, du leidest so sehr -
O weine, weine, weine nicht mehr!

Es hing der Neumond vom Himmel her,
Sanft wogt' in Silberfunkeln das Meer,
Und rings um der Wogen zitternden Glanz
Stand duftender Hügel Blüthenkranz.

Das *ägdlein still auf dem Söller stand,
Es wußte kaum, was das Herz empfand;
Aus des Jünglings sanftumdämmertem Blick
Strahlt ihm Himmel und Erd' und Meer zurück.

Er fühlet die Lust, er fühlet das Weh,
Tief wogt's in der Brust, wie in wilder See!
O Jüngling so schön, o Jüngling so gut,
Tief wallt's dir im innersten Herzensblut.

Und liebest sie ewig und liebst sie allein?
Und dennoch muß es geschieden seyn?
O bleicher Jüngling im Mondenglanz,
Dein Schmerz zerreißt mir den Busen ganz!

»O Mutter, gieb mir die holde Maid,
Die ich liebe nun und in Ewigkeit!
O Mutter, gieb mir des Herzens Ruh',
Du hast dann zur Tochter den Sohn dazu!«

So flehte die Stimme, so flehte der Blick!
Doch hielt er das bebende Wort zurück:
O Jüngling, dich nähm' ich an Mutterbrust,
Du wärest mein Stolz, mein Glück, meine Lust!

Doch geschieden muß es, geschieden seyn!
Und verhärten das Herz in kalten Stein!
Und ziehen dahin in die düstere Nacht
Aus des warmen Tages wonniger Pracht!

Du bleibst verwais't in dem Zauberland,
Wir ziehen hinab an den kalten Strand;
Wo der Geist verblühet, das Herz erstarrt,
Und die Schönheit nimmer empfunden ward.

Und so traurest du hier, und so trauren wird dort,
Und so rinnet das trauernde Leben fort:
Bis in Lethe's Fluth der Schatten versinkt,
Und Vergessen der Freud' und der Leiden trinkt.
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