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  Gedichte  -  Christian Friedrich Daniel Schubart 1739-1791 Dichter Kompon
Ann
BeitragVerfasst am: 30.05.2006, 17:56  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Christian Friedrich Daniel Schubart 1739-1791 Dichter Kompon
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Die Forelle

In einem Bächlein helle,

Da schoß in froher Eil'

Die launige Forelle

Vorüber wie ein Pfeil.

Ich stand an dem Gestade,

Und sah in süßer Ruh'

Des muntern Fisches Bade

Im klaren Bächlein zu.

Ein Fischer mit der Ruthe

Wohl an dem Ufer stand,

Und sah's mit kaltem Blute,

Wie sich das Fischlein wand.

So lang dem Wasser Helle,

So dacht' ich, nicht gebricht,

So fängt er die Forelle

Mit seiner Angel nicht.

Doch plötzlich ward dem Diebe

Die Zeit zu lang. Er macht

Das Bächlein tückisch trübe

Und eh' ich es gedacht; -

So zuckte seine Ruthe,

Das Fischlein zappelt dran,

Und ich mit regem Blute

Sah die Betrogne an.

Die ihr am goldnen Quelle

Der sichern Jugend weilt,

Denkt doch an die Forelle;

Seht ihr Gefahr, so eilt!

Meist fehlt ihr nur aus Mangel

Der Klugheit. *ädchen seht

Verführer mit der Angel! -

Sonst blutet ihr zu spät.


Zuletzt bearbeitet von Ann am 27.03.2008, 17:13, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.05.2006, 18:02  Neue Antwort erstellen
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Christian Friedrich Daniel Schubart 1739-1791 Dichter Kompon
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Der Frühlingsabend
Kühlender Abend steige vom Hügel

Lieblich verguldet vom sonnigen Strahl;

Thaue von deinem purpurnen Flügel

Tropfen aufs durstige Blümlein im Thal.

Gluckt, Nachtigallen, zärtlich Lieder,

Reget ihr Weste euer Gefieder;

Schüttelt vom Baum

Seidene Pflaum!

Walle, o Duft! Vom Blüthenzweig nieder.

Hier auf der Erde blumigem Schooße

Ruh' ich! es ruhet mein *ädchen bei mir.

Meine Geliebte: Kennst du die große,

Kennst du die fühlende Freundin von dir?

Lieblicher Abend, lächle der Trauten!

Lächle der Schlanken, Himmlischgebauten!

Schöner war nicht

Florens Gesicht,

Als sie des Morgens Tropfen bethauten.

Hesperus äugelt hoch in der Ferne;

Ziehst du schon, Mond, am Sternenfeld auf?

Sieh doch, Geliebte, sieh doch die Sterne!

Sieh doch zur freundlichen Luna hinauf!

Doch seh' ich nicht im Auge der Milden

Thränen der Liebe schimmernd sich bilden?

Sind sie es nicht,

Die dein Gesicht,

Wie eines Engels Antlitz vergülden?

Lieblicher Abend, Erweicher der Herzen!

Dank dir, des Frühlings liebkosender Sohn,

Daß du geendigt zärtliche Schmerzen;

Sieh doch, die Holde umarmet mich schon!

Schmelzende Wonne flimmt in den Blicken -

Ach ich empfinde Himmelsentzücken.

Liebe, nur du

Wiegst uns in Ruh';

Kannst, wie ein Gott, allein uns beglücken.
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.07.2007, 17:58  Neue Antwort erstellen
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An die Freiheit

O Freiheit, Freiheit! Gottes Schooß entstiegen,

Du aller Wesen seligstes Vergnügen,

An tausendfachen Wonnen reich,

Machst du die Menschen Göttern gleich.

Wo find' ich dich, wo hast du deine Halle?

Damit auch ich anbetend niederfalle;

Dann ewig glücklich - ewig frei

Ein Priester deines Tempels sey.

Einst walltest du so gern in Deutschlands Hainen,

Und ließest dich vom Mondenlicht bescheinen,

Und unter Wodanseichen war

Dein unentweihtester Altar.

Es sonnte Hermann sich in deinem Glanze,

An deine Eiche lehnt` er seine Lanze,

Und ach, mit *ütterlicher Lust

Nahmst du den Deutschen an die Brust.

Bald aber scheuchten Fürsten deinen Frieden,

Und Pfaffen, die so gerne Fesseln schmieden;

Da wandtest du dein Angesicht

Wo Fesseln rasseln - bist du nicht.

Dann flogst du zu den Schweizern, zu den Britten;

Warst seltner in Pallästen, als in Hütten;

Auch bautest du ein leichtes Zelt

Dir in Kolumbus neuer Welt.

Und endlich, allen Völkern zum Erstaunen,

Als hätt' auch eine Göttin ihre Launen,

Hast du dein Angesicht verklärt

Zu leichten Galliern gekehrt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.07.2007, 18:01  Neue Antwort erstellen
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Frage

Warum ist mir das Morgenroth

So blutgestreift? die Welt so todt?

Warum strahlt mir das Sonnelicht

Oft so beschwerlich ins Gesicht?

Und warum weint die Wolke mir?

Was traurt der Linde Blüthenzier?

Die Lüfte wimmern: jedes Bild

Ist mir in Trauerflor gehüllt!

Der Thau, beglänzt vom Sonnenschein,

Däucht mir, vom Schnmerz geweint zu seyn,

Die Wohlgerüche in der Luft

Umschwimmen mich wie Gräberduft;

Die lieben Blümlein allzumal

Sind mir versengt vom Sonnenstrahl.

Der Vogel aus der Luft herab

Tönt mir, wie Sterbgesang am Grab;

Und alles, alles um mich her

Scheint kummervoll und thr äneschwer.

Die Farben grün und weiß und roth,

Sind abgestanden, schwarz und todt.

Die Menschen. derenTrost ich such’,

Sind Geister, die im Leichentuch

Mich ansehn bleich, und furchtbarstumm.

Du guter Gott! warum, warum?

Hast du der ganzen Erde Pracht

Zu einem Todtenschlund gemacht? -

Ach nein! die Welt ist noch, wie vor,

Nur dem, der, Freiheit! dich verlor

Ist diese Welt, so schön gemacht,

Ein Todtenschlund voll Fluch und Nacht

Wo alles heult, den Schädel schlägt,

Verzweiflung brüllt, - und Ketten trägt!

O Gott im Himmel mach mich frei

Aus dieser Höllentäuscherei -.
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.07.2007, 18:05  Neue Antwort erstellen
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Golgatha

Seele hast du keine Flügel?

So fliege doch nach Golgatha

Wo auf einem Todeshügel

Den Sohn der Vater leiden sah.

Die Erde zittert,

Schaut und erschüttert

Den Tod, den großen Tod!

Der dem Mittler Gottes droht.

Geister stehen auf den Höhen,

Wie Todte bleich, wie Gräber stumm!

Und die wen’gen Edlen stehen

Ohnmächtig um den Pfahl herum;

Sie sehn und schauen

Den Tod voll Grauen;

Den Tod, den großen Tod!

Der dem besten Freunde droht.

Nacht und Dunkel hängt herunter,

Moria, wo ist deine Pracht?

Wo ist deines Tempels Wunder?

Deckt alles Tod und Mitternacht?

Die Berge zittern,

Die Felsen splittern;

O Tod, O großer Tod!

Der dem Sündentilger droht.

Aus der fürchterlichsten Wolke

Erhebt die Todesstimme sich

Vor dem zitterenden Volke:

»Mein Gott! warum verläßst du mich?«

Vom Höllengrimme

Zeugt diese Stimme;

O Tod! - o welch ein Tod!

Der dem größten Menschen droht.

Blutigrothe Strahlen zücken

Von eines Todesengels Schwert,

Geister hören, staunen, blicken!

Als sie das letzte Wort gehört:

»Nun ich empfehle

Dir meine Seele!

O Gott, es ist vollbracht!«

Und sein Haupt sinkt in die Nacht.

Tief an deinem Kreuze unten,

Gottmensch! Erlöser! lieg' ich hier.

Ich blick’ hinauf nach deinen Wunden,

Sie strömen Seligkeit auch mir.

Will Tod mich tödten,

So soll es reden

Dein Blut,Gottmensch, dein Blut!

Und ich trotze seiner Wuth.

O wie freudig kann ich sterben!

Ich fürchte nicht der Hölle Gluth;

Meine Kleider will ich färben

In des erwürgten Lammes Blut.

Auch ich empfehle

Dir meine Seele,

O Gott! wenn einst der Tod

Mir, wie meinem Mittler droht.
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Ann
BeitragVerfasst am: 10.09.2007, 19:00  Neue Antwort erstellen
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An den Frieden

Friedensgöttin, komm, ich flehe

Dir mit hochgehobner Hand,

Komm herab von deiner Himmelshöhe,

Dich bedarf mein armes Vaterland.

Sieh im Maienmonde wollen

Heere ziehen in das Feld.

Wie sie schon die Augen blutig rollen,

Zu verheeren eine ganze Welt.

Freude flieht vor Mavors Rufe,

Der sich schlachtendurstig naht;

Seiner kriegerischen Rosse Hufe

Stampfen, knicken unsre Frühlingssaat.

Blumen sterben, wo die Sohle

Eines erznen Kriegers geht;

Traurig liegt das Röschen, die Viole,

Jedes Blümchen auf zertretnem Beet.

O so komm, du Friede, nieder,

Sänftige der Krieger Sinn.

Tausend Deutsche, alle brav und bieder"

Grüßen dich, du Himmels-Königin.
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