Das Orthogravieh

> PLAUDERGARTEN

 

 


Neue Antwort erstellen
Neues Thema eröffnen
Autor Nachricht
  Gedichte  -  August Kopisch 1799-1853 Historienmaler Dichter
Ann
BeitragVerfasst am: 22.07.2006, 20:44  Neue Antwort erstellen
Gedichte
August Kopisch 1799-1853 Historienmaler Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Die Roggenmuhme

Laß stehn die Blume!
Geh nicht ins Korn!
Die Roggenmuhme
Zieht um da vorn!
Bald duckt sie nieder,
Bald guckt sie wieder:
Sie wird die Kinder fangen,
Die nach den Blumen langen!


Zuletzt bearbeitet von Ann am 27.03.2008, 16:09, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
Sponsor
Ann
BeitragVerfasst am: 22.07.2006, 20:47  Neue Antwort erstellen
Gedichte
August Kopisch 1799-1853 Historienmaler Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Blindekuh

Im Finstern geh' ich suchen,
Mein Kind, wo steckst du wohl?
Ach, sie versteckt sich immer,
Daß ich verschmachten soll!


Im Finstern geh' ich suchen,
Mein Kind, wo steckst du wohl?
Ich, der den Ort nicht finde,
Ich irr' im Kreis umher!


Wer um dich stirbt,
Der hat keine Ruh'!
Kindchen erbarm dich,
Und komm herzu!
Ja, komm herzu,
Herzu, herzu!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 22.07.2006, 20:49  Neue Antwort erstellen
Gedichte
August Kopisch 1799-1853 Historienmaler Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Der Nöck

Es tönt des Nöcken Harfenschall:

Da steht sogar still der Wasserfall,

Umschwebt mit Schaum und Wogen

Den Nöck im Regenbogen.

Die Bäume neigen

Sich tief und schweigen,

Und atmend horcht die Nachtigall. -

»O Nöck, was hilft das Singen dein?

Du kannst ja doch nicht selig sein!

Wie kann dein Singen taugen?«

Der Nöck erhebt die Augen,

Sieht an die Kleinen,

Beginnt zu weinen...

Und senkt sich in die Flut hinein.

Da rauscht und braust der Wasserfall,

Hoch fliegt hinweg die Nachtigall,

Die Bäume heben *ächtig

Die Häupter grün und prächtig.

O weh, es haben

Die wilden Knaben

Der Nöck betrübt im Wasserfall!

»Komm wieder, Nöck, du singst so schön!

Wer singt, kann in den Himmel gehn!

Du wirst mit deinem Klingen

Zum Paradiese dringen!

O komm, es haben

Gescherzt die Knaben:

Komm wieder, Nöck, und singe schön!«

Da tönt des Nöcken Harfenschall,

Und wieder steht still der Wasserfall,

Umschwebt mit Schaum und Wogen

Den Nöck im Regenbogen.

Die Bäume neigen

Sich tief und schweigen,

Und atmend horcht die Nachtigall. -

Es spielt der Nöck und singt mit Macht

Von Meer und Erd und Himmelspracht.

Mit Singen kann er lachen

Und selig weinen machen!

Der Wald erbebet,

Die Sonn entschwebet...

Er singt bis in die Sternennacht!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 13.07.2007, 19:58  Neue Antwort erstellen
Gedichte
August Kopisch 1799-1853 Historienmaler Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

August Kopisch
Die Heinzelmännchen zu Köln
Wie war zu Köln es doch vordem
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul,... man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
Ehe man's gedacht,
Die *ännlein und schwärmten
Und klappten und lärmten,
Und rupften
Und zupften,
Und hüpften und trabten
Und putzten und schabten...
Und eh ein Faulpelz noch erwacht,...
War all sein Tagewerk... bereits gemacht!

Die Zimmerleute streckten sich
Hin auf die Spän' und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
Und sah was da zu zimmern war.
Nahm Meißel und Beil
Und die Säg' in Eil;
Und sägten und stachen
Und hieben und brachen,
Berappten
Und kappten,
Visierten wie Falken
Und setzten die Balken...
Eh sich's der Zimmermann versah...
Klapp, stand das ganze Haus... schon fertig da!

Beim Bäckermeister war nicht Not,
Die Heinzelmännchen backten Brot.
Die faulen Burschen legten sich,
Die Heinzelmännchen regten sich -
Und ächzten daher
Mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
Und wogen es richtig,
Und hoben
Und schoben,
Und fegten und backten
Und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
Da rückte schon das Brot,... das neue, vor!

Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die *ännlein her
Und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind
Wie die *ühl' im Wind!
Die klappten mit Beilen,
Die schnitzten an Speilen,
Die spülten,
Die wühlten,
Und mengten und mischten
Und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf,...
Wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf!

Beim Schenken war es so: es trank
Der Küfer bis er niedersank,
Am hohlen Fasse schlief er ein,
Die *ännlein sorgten um den Wein,
Und schwefelten fein
Alle Fässer ein,
Und rollten und hoben
Mit Winden und Kloben,
Und schwenkten
Und senkten,
Und gossen und panschten
Und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht,
War schon der Wein geschönt und fein gemacht!

Einst hatt' ein Schneider große Pein:
Der Staatsrock sollte fertig sein;
Warf hin das Zeug und legte sich
Hin auf das Ohr und pflegte sich.
Das schlüpften sie frisch
In den Schneidertisch;
Da schnitten und rückten
Und nähten und stickten,
Und faßten
Und paßten,
Und strichen und guckten
Und zupften und ruckten,
Und eh mein Schneiderlein erwacht:
War Bürgermeisters Rock... bereits gemacht!

Neugierig war des Schneiders Weib,
Und macht sich diesen Zeitvertreib:
Streut Erbsen hin die andre Nacht,
Die Heinzelmännchen kommen sacht:
Eins fähret nun aus,
Schlägt hin im Haus,
Die gleiten von Stufen
Und plumpen in Kufen,
Die fallen
Mit Schallen,
Die lärmen und schreien
Und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
Mit Licht: husch husch husch husch! - verschwinden all!

O weh! nun sind sie alle fort
Und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,
Man muß nun alles selber tun!
Ein jeder muß fein
Selbst fleißig sein,
Und kratzen und schaben
Und rennen und traben
Und schniegeln
Und biegeln,
Und klopfen und hacken
Und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 26.09.2007, 17:47  Neue Antwort erstellen
Gedichte
August Kopisch 1799-1853 Historienmaler Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Während des Regens

Voller, dichter tropft ums Dach da,
Tropfen süßer Regengüsse,
Meines Liebchens holde Küsse
Mehren sich, je mehr ihr tropfet!
Tropft ihr, darf ich sie umfassen,
Lasst ihr's, will sie mich entlassen;
Himmel, werde nur nicht lichter,
Tropfen, tropfet immer dichter!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 26.09.2007, 17:50  Neue Antwort erstellen
Gedichte
August Kopisch 1799-1853 Historienmaler Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Die Büsumer

Die Büsumer wohnen am Meeresstrand
Und sind für kluge Leute bekannt,
Nur treiben sie die Bescheidenheit
In manchem Stücke gar zu weit.
Des einen Sonntags ihrer neun
Schwimmen sie weit in die See hinein.
Auf einmal, wie das Meer so schwankst,
Wird einem um die andern Angst,
Und zählt sie alle: Eins, zwei, drei,
Bis acht - und lässt sich aus dabei,
Denn er ist echtes Büsumer Kind,
Die immer so bescheiden sind.
Ein zweiter probierts, zählt: Eins, zwei, drei,
Bis acht - und vergisst sich auch dabei.
Da schwimmen sie alle bestürzt ans Land,
Wo eben ein kluger Fremder stand.
Dem klagten sie jammernd ihre Not
Und sagten: Von uns ist einer tot!
Und wussten nicht, welcher ertrunken sei!
Und jammern und zählen immer aufs neu,
Und finden immer nur wieder acht,
Weil jeder bescheiden an sich nicht gedacht.
Der Fremde sprach: Bescheidenheit
Führt euch, ihr guten Leute, zu weit,
Steck jeder die Nas' in den Sand einmal,
Und zählt die Tupfen, so habt ihr die Zahl.
Sie folgten dem Fremden, da zählten sie - neun!
Und luden vor Freud ihn zum Frühstück ein.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 26.09.2007, 17:51  Neue Antwort erstellen
Gedichte
August Kopisch 1799-1853 Historienmaler Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Die Spröde

Ich sahe eine Tig'rin
Im dunkeln Haine,
Und doch mit meinen Tränen
Konnt' ich sie zähmen.

Sah auch die harten Steine,
Ja Marmelsteine,
Erweicht vom Fall der Tropfen
Gestalt annehmen.

Und du, so eine zarte,
Holdsel'ge Kleine,
Du lachst zu meinem Seufzen
Und bittern Grämen.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 26.09.2007, 17:52  Neue Antwort erstellen
Gedichte
August Kopisch 1799-1853 Historienmaler Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Historie von Noah

Als Noah aus dem Kasten war,
Da trat zu ihm der Herre dar;
Der roch des Noäh Opfer fein,
Und sprach: »Ich will Dir gnädig sein,
Und, weil Du ein so frommes Haus,
So bitt' Dir selbst die Gnaden aus.«

Fromm Noah sprach: »Ach lieber Herr,
Das Wasser schmeckt mir gar nicht sehr,
Dieweil darinn ersäufet sind,
All' sündhaft Vieh und Menschenkind.
Drum *öcht' ich armer, alter Mann,
Ein anderweit Getränke ha'n!« –

Da griff der Herr in's Paradies,
Und gab ihm einen Weinstock süß:
Und sprach: »Den sollt du pflegen sehr!«
Und gab ihm guten Rath und Lehr',
Und wies ihm Alles so und so,
Der Noah ward ohn' Maßen froh.

Und rief zusammen Weib und Kind,
Darzu sein ganzes Hausgesind,
Pflanzt Weinberg' rings um sich herum;
Der Noah war fürwahr nicht dumm!
Baut' Keller dann, und preßt den Wein,
Und füllt ihn gar in Fässer ein.

Der Noah war ein frommer Mann,
Stach ein Faß nach dem andern an,
Und trank es aus, zu Gottes Ehr':
Das macht' ihm eben kein' Beschwer.
Er trank, nachdem die Sündfluth war,
Dreihundert noch und fünfzig Jahr.

Nützliche Lehre

Ein kluger Mann hieraus ersicht
Daß Weins Genuß ihm schadet nicht;
Und item, daß ein guter Christ
In Wein niemalen Wasser gießt:
Dieweil darin ersäufet sind,
All' sündhaft Vieh und Menschenkind.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 26.09.2007, 17:55  Neue Antwort erstellen
Gedichte
August Kopisch 1799-1853 Historienmaler Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Der Schneiderjunge von Krippstedt

(Nach alter handschriftlicher Notiz)

In Krippstedt wies ein Schneiderjunge
Dem Bürgermeister einst die Zunge:
Es war im Jahr Eintausendsiebenhundert.
Der Bürgermeister sehr sich wundert
Und findt es wider den Respekt,
Weshalb er in den Turm ihn steckt.
Es war nach der Nachmittagspredigt,
Die Kirche noch nicht ganz erledigt,
Am heilgen Trinitatistag,
Da geschah auf einmal ein großer Schlag!
Es schlug, mit Gedonner, im Wettersturm
Der Blitz in denselben Sankt Niclasturm.
Der Schreck durchfährt die ganze Stadt,
Die kaum sich vom Brand erhoben hat.
Was innen ist im Gotteshaus,
Das dringt mit aller Gewalt heraus:
Was außen ist, das will hinein! –
Da sieht man auf einmal Flammenschein
Von außen an des Turmes Spitze:
Da rief man: »Feuer! Wasser! Wo ist die Spritze?«
– Die Spritze, ja, die ist dicht dabei;
Doch Kasten und Röhren sind entzwei! –
Wie saure Milch läuft alles zusammen:
Man schreit und blickt auf die Feuerflammen.
Dazwischen – es war ein böser Tag –
Hallt mancher Donner- und Wetterschlag! –
Nun sammelt sich der Magistrat,
Und jeder weiß etwas und keiner weiß Rat!
Der Bürgermeister, ein weiser Mann,
Sieht sich das Ding bedenklich an
Und spricht: »Hört mich, wir zwingen's nicht!
Der Turm brennt nieder wie ein Licht,
Es kommt, wer hätte das gedacht sich,
Wie Anno sechzehnhundertachtzig!
Erst brennt der Turm, die Kirche, die Stadt sodann;
Drum ist mein Rat: rett jeder, was er kann!« –
Da laufen die Bürger; mit aller Kraft
Ein jeder das Seine zusammenrafft.
Das ist ein Gerenne, wie fliegen die Zöpfe,
Wie stoßen zusammen die Puderköpfe!
Auf einmal – was krabbelt dort aus dem Loch
Am Turm? – Der Junge! – Nein! – Und doch!
Er ist's, er klettert zu Turmes Spitze –
Der Schlingel! Er nimmt vom Kopf die *ütze,
Er schlägt auf das Feuer und – daß dich der Daus! –
Er löscht es mit seiner *ütze aus!
Er tupft am ganzen Turm umher,
Man sieht nicht eine Flamme mehr!
Und während alle jubelnd schrein,
Schlüpft er von neuem ins Loch hinein.
Er scheut des Magistrates Wesen
Und sitzt, als wär gar nichts gewesen.
Das mehrt den Jubel, die Bürger alle
Rufen ihm Vivat! mit großem Schalle;
Der Bürgermeister aber spricht,
Indem sein großer Zorn sich bricht:
Holt ihn heraus, ich erzeig ihm Ehr,
Und tu für ihn zeitlebens mehr! –
Da kommt er ganz rußig, der Knirps, der Zwerg!
»Hoch lebe der kleine Liewenberg!« –
Der Bürgermeister sprach: »Komm, Junge,
Streck noch einmal heraus die Zunge!
Ich leg dir lauter Dukaten drauf!
So, sperr den Mund recht angelweit auf!
Nur immer mehr herausgereckt!
Wir haben alle vor dir Respekt!
Und morgen wird, daß nichts manquiert,
Die große Spritze hier probiert
Und was entzwei ist, repariert!« –
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 26.09.2007, 18:01  Neue Antwort erstellen
Gedichte
August Kopisch 1799-1853 Historienmaler Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Der gestrichene Scheffel

O weh, o weh, ich armer Mann!
Ich hab kein Geld, was fang ich an?
Und kann ich’s nicht erschwingen,
so mags der Teufel bringen! –
Da kam der Teufel, bot dem Mann
Von Gold einen genzen Scheffel an,
Gehäuft, und sprach mit Tücke:
Gieb ihn im Jahr zurücke!
Du kriegst das Maß gehäufelt, Mann,
Gestrichen nehm ich’s wieder an. –
Er denkt, das muß verführen,
Es wird’s verjubilieren!
Gern nehm ich’s, sprach darauf der Mann –
Und schrieb am Pakt – doch sag mir an:
Darf ich dir’s dann nur eben
Nicht eher wiedergeben? –
Auch eher! Ja, mein lieber Mann! –
Gut, schön! So nimm es jetzo an:
Ich hab es abgestrichen;
So ist das all verglichen! –
Noch beut der Teufel unserem Mann
Krumm, dumm und stumm den Scheffel an,
Doch der sagt frisch und heiter:
Ich dank’, ich brauch nichts weiter!
Seit dieser Zeit sieht seinen Mann
Der Teufel sich viel besser an!
Gar raffiniert im Takte
Sind jetzt Kontrakt’ und Pakte.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 26.09.2007, 18:41  Neue Antwort erstellen
Gedichte
August Kopisch 1799-1853 Historienmaler Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Der Klopfer


O du neugierig Fräulein du,
Den Kobold willst du sehn! -
Die Neugier läßt ihr keine Ruh,
Er muß von hinnen gehn! -
Da war er fort von unserm Schloß,
Den man den Klopfer hieß.
Die *ädchen all es sehr verdroß,
Daß er das Schloß verließ.
Rein ward der Flur, indem man schlief,
Man sah nicht wie's geschah!
Fehlt' einem was und eines rief:
»Hol's Klopfer!« - Klapp, war's da!
Eh man den Brunnen noch erreicht -
Schwapp! - war der Krug gefüllt,
Und hübschen *ädchen doch so leicht,
Als ob ihn jemand hielt.
Wenn einen Groschen man verlor
Und Klopferchen war nah:
»Geh Klopfer, hol den Groschen vor!« -
Klapp! - lag der Groschen da.
War man beschneit, so rief man: »Oh!
Komm Klopfer, klopf' mich ab!«
Wie war klein Klopferchen da froh
Und klopfte auf und ab.
Gar fein klopft' er die Pelzlein aus
Und putzte *ädchenschuh;
In Küch' und Keller, im ganzen Haus
Half er ohne Rast und Ruh.
Und Erbsen lesen konnt' er flink!
Schirr pirr! - war alles rein.
Beim Rübchenschaben ging, berblink!
Schibb, schibb, sein Messerlein.
Wie fein schnitt er die Bohnen und
Die Gurken zum Salat:
Die Klößchen macht' er niedlich rund,
Auch briet er delikat!
Mit Tellern klappern war sein Spaß,
Er wusch sie, ach - so rein!
Krystallhell putzt' er jedes Glas
Und stellt es auf - so fein!
Recht wie ein *äuslein kam er an
Und klapperte mit was -
»Da wieg' das Kindlein« sprach man dann:
»Und hol mir dies und das!« -
Ach, in das gnäd'ge Fräulein gar
Schien er verliebt zu sein
Und ließ sich narren immerdar
Mit tausend Plackerein!
Er sah ihr an den Augen ab,
Worauf ihr Wunsch gestellt: -
Sie hetzte ihn Trepp auf Trepp ab
Und durch die ganze Welt.
Sie sprach: »da trag das Brieflein fort
Und bring die Antwort mir.« -
Da klapperte Klopfer fort von dort:
Husch! - war die Antwort hier.
»Wo mag mein Fingerhütchen sein?« -
Tapp! lag es auf dem Tisch. -
»Mein Sessel ist von Staub nicht rein« -
Husch! - fegt' der Federwisch.
»Wer fädelt mir die Nadel ein?«
Zipp! - saß der Faden drin. -
»Die Kerze giebt so matten Schein« -
Putz! - flog die Schnuppe hin! -
»Mich drückt der Schuh, - Pantoffel her!«
Schurr, schurr, da standen sie!
»Ach wüßt' ich wo die Hitsche wär?«
Ruckruck, da bracht' er die.
»Ach, wär der Junker hier, vom Stein!« -
Der Klopfer stapft hinaus:
Da guckte der Junker schon herein
Mit einem Blumenstrauß.
Oft sagte: lieber Klopfer, sie:
Reich mir dein Händlein dar. -
Sie sah's nicht, doch sie fühlte wie
Es weich wie Seide war.
Da hielt sie ihn, wollt' endlich dann
Ihn sehn leibhaftiglich;
Doch Klopfer fing zu blitzen an
Und hub von dannen sich.
- Wenn nun kein Unheil draus entsteht,
Daß er im Zorne ging:
Denn wo ein Geist im Zorne geht
Ists ein gefährlich Ding!
Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde

Seite 1 von 1
gedichte-garten.de Foren-Übersicht  -  Gedichte

Neue Antwort erstellen

 

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
August von Annegret Kronenberg Ann Plaudern auf der Gartenbank 0 02.08.2019, 17:22 Letzten Beitrag anzeigen
August von Annegret Kronenberg Ann Plaudern auf der Gartenbank 0 01.08.2018, 13:07 Letzten Beitrag anzeigen
AUGUST VON ANNEGRET KRONENBERG Ann Plaudern auf der Gartenbank 0 01.08.2016, 15:09 Letzten Beitrag anzeigen
Eine Schneeflocke im August Frank II Eigene Gedichte von Gästen 2 09.04.2016, 23:29 Letzten Beitrag anzeigen
AN EINEN DICHTER von Renate Tank Ann Eigene Gedichte von Gästen 1 10.02.2016, 17:34 Letzten Beitrag anzeigen

Annegret Kronenberg © 2004-2006 | Alle Rechte vorbehalten | Inhalt | Lyrik | Liebesgedichte | Gedichte & Poesie | Adventskalender basteln | Internet Forensicherheit