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  Gedichte  -  Henrik Ibsen 1828-1906 norw. Schriftsteller
Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:14  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Henrik Ibsen 1828-1906 norw. Schriftsteller
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Volkstrauer

Nun dröhnt unzähl'ger Glocken Erz
Die Botschaft Nah und Fern:
Zwei Bruderstämme stehn voll Schmerz
Am Sarg des besten Herrn.
Im Kämmerlein, im Straßenschwarm
Viel Herzen und ein Schlag;
Im Königsschloß, im Hüttlein arm,
Ein Haus in Gram, ein Volk in Harm
Um Oskars Sarkophag.

Seit langem war des Fürsten Not
Des Volkes Not zugleich.
Nun liegt das Schloß des Königs tot;
Denn er verließ sein Reich.
Bald schließt sich der Kapelle Tor,
Drin sanft er *öge ruhn!
Doch vor ihr sprießt, ein ewiger Flor,
Was er gesät, zum Licht empor;
Dem kann der Tod nichts tun.

Sein Leib blieb in der Kirche Hand,
Sein Geist fuhr himmelan,
Wo Vater er und Sohn wohl fand
In der Erwählten Bann.
Als wie der Held der Sage kam,
In der Gefallnen Hauf,
So König Oskar lobesam,
Mit einem Heer von Zeugen nahm
Den Weg zum Herrn hinauf.

Doch nicht der Walstatt Ernte gab,
Nicht Schwertvolk ihm 's Geleit,
Ein bessres hielt ihm übers Grab
Des Volkes Dank bereit.
Aus Oskars milden Spuren schlug
Ein Volk Lichtelben aus:
Das nahm mit ihm den Himmelsflug
Und trat, ein holdberedter Zug,
Mit ihm in Gottes Haus. –

So ruh' denn aus an Gottes Brust,
Dein Tagwerk ist zu End'.
Dein Wirken steht in Sommerblust,
Dein schönstes Monument.
Was heut die Stirn' uns sorgenvoll
Umwölkt, es wird vergehn, –
Doch wie dein Wort fürs Recht erscholl,
Bei Volk und Königssippe soll
In ewigem Ruhme stehn.
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BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:14  Neue Antwort erstellen
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An die Überlebenden

Der im Mund nun aller Guten,
Mußte doch zuerst – verbluten.

Kam er, Licht dem Land zu spenden,
Nahmt ihr's, ihn damit zu blenden.

Lehrte er ein Schwert euch führen,
Ließt ihr's ihn am ersten spüren.

Zog er aus, dem Tag ein Richter,
Halft ihr herrlich dem Gelichter.

Doch er ließ euch zum Gedächtnis
Seines Werkes hehr Vermächtnis.

Hegt es treu, wenn als Versöhnter
Schlummern soll ein Dorngekrönter!
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:15  Neue Antwort erstellen
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Wiegenlied

Nun schweben Dach und Decke
Zum Sternendom hinauf;
Nun schwingt der kleine Håkon
Ins Träumereich sich auf.

Es raget eine Leiter
Von Erden himmelan;
Die steigt der kleine Håkon
Mit Engeln nun hinan.

Das Wiegenkindlein hüten
Die Engel Gottes sacht;
Gott schütz' dich, kleiner Håkon, –
Auch deine Mutter wacht.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:16  Neue Antwort erstellen
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Fort!

Wir folgen zur Pforte
Den Letzten, die gehen;
Des Abschieds Worte
Im Nachtwind verwehen.

Wo süß deine Kehle
Noch eben gesungen,
Hält Garten und Säle
Nun Dunkel umschlungen.

Es war eine Rast nur,
Ein kurzer Akkord!
Sie war ein Gast nur, –
Und nun ist sie fort.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:17  Neue Antwort erstellen
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Die Sturmschwalbe

Die Sturmschwalbe haust, wo das Ufer endet;
Ein Seemann hat mir sein Wort drauf verpfändet.

In der Schaumkämme Gischt mit den Schwingen blinkt sie,
Die Wogen tritt sie, niemals versinkt sie.

Sie folgt ihren Tälern, sie folgt ihren Höhen,
Sie schweigt mit der Stille, sie schreit mit den Böen.

Es ist eine Fahrt zwischen Schwimmen und Fliegen,
Ein sich zwischen Himmel und Abgrund Wiegen.

Zu leicht zum Schwimmen, zu schwer zum Schweben –;
Dichtervogel, Dichtervogel, – wie willst du da leben!

Doch nicht genug, – die Gelehrten erklären
Auch noch das meiste für Seemannsmären.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:18  Neue Antwort erstellen
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Agnes

(Aus »Brand«)

Agnes, mein reizender Schmetterling,
Bald hab' dich Flüchtling ich wieder!
Ein Fangnetz knüpf ich, mit Maschen dicht,
Und die Maschen, das sind meine Lieder!

»Bin ich ein Schmetterling zierlich und hell,
So laß mich vom Heidekraut naschen;
Und bist du ein Bursch, dem Spielen gefällt,
So darfst mich nur jagen, nicht haschen!«

Agnes, mein reizender Schmetterling,
Da sind die Maschen gesponnen!
Nun hilft dir wohl nimmer dein flatternder Flug, –
Nun hab' ich dich balde gewonnen!

»Bin ich ein Schmetterling jung und fein,
So wieg' ich mich wonnig im Winde;
Doch fängst du mich in dein Fangnetz ein,
So mach' mir die Flügel nicht blinde!«

Nein, auf die Hand will ich setzen dich zart
Und in mein Herz einschließen;
Dort magst du flattern dein Leben lang
Und ewiger Sonne genießen!
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:19  Neue Antwort erstellen
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Macht der Erinnerung

Hört, wißt ihr wohl, wie ein Bärenbändiger
Wird seines Tieres Vergeßlichkeit Endiger?

Er läßt es in einen Braukessel sitzen;
Drauf läßt er den Kessel mit Kohlen hitzen;

Indessen er voll erziehlichen Strebens
Ihm vordrehorgelt: »Freut euch des Lebens!«

Freund Petz zersticht es den Fuß wie mit Lanzen;
Er kann nicht mehr stehn, und so muß er denn tanzen.

Und kommt danach dies Lied in den Sinn ihm,
Flugs regt sich ein Teufel des Tanzens in ihm. –

Kam selbst einst in solch einen Kessel zu sitzen,
Bei voller Musik und beträchtlichen Hitzen.

Und dazumal sengte nicht nur mein Fell an;
Da brannte beinah schon der ganze Gesell an.

Und summt mir bisweilen dies Einst vor den Ohren,
So wird mir, als wollt' man von neuem mich schmoren.

Ich fühl's wie ein Stechen unter den Nägeln, –
Und da tanz' ich auch schon nach der Verskunst Regeln.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:21  Neue Antwort erstellen
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Verwicklungen

Es stand in dem Garten ein Apfelbaum,
Vor Blüten sah man die Blätter kaum.

Ein Bienchen flog in dem Garten umher,
Eine Apfelblüte gefiel ihm sehr.

Sie liebten sich beide treu und wahr;
Darum verlobten sie sich als ein Paar.

Das Bienchen zog auf die Sommerfahrt –
Ein Fruchtknopf indes aus der Blüte ward.

Bienchen und Fruchtknopf grämten sich sehr,
Doch war's nun einmal nicht zu ändern mehr. –

Nun hielt eine arme, doch ehrliche Maus
Neben der Wurzel des Baumes Haus.

Die seufzte: »Du Fruchtknopf, o wärest du mein,
So würde mein Keller der Himmel sein!« –

Aufs neu' kam das Bienchen zurück von der Flucht,
Da fand es die Blüte verwandelt zur Frucht.

Bienchen und Frucht, die grämten sich sehr,
Doch war's nun einmal nicht zu ändern mehr. –

Am Giebel, über des Baumes Geäst,
Da wohnt' ein Sperling in seinem Nest.

Der seufzte: »Du Frucht, o wärest du mein,
So würde mein Nest mir der Himmel sein!«

Bienchen und Frucht, die grämten sich sehr,
Maus und Sperling erfüllte Begehr;

Doch alles ging ganz in der Stille her –
Es war nun einmal nicht zu ändern mehr. –

Da fiel und platzte die Frucht – o Not!
Und bald war die Maus auch mausetot.

Und tot im Nest man den Sperling fand,
Als den Vögeln die Weihnachtsgarbe man band.

Und als das getreue Bienchen nun frei,
Da war es mit Sommer und Blüten vorbei.

Zum Bienenstock flog es, wo Frieden es fand,
Und starb dann später als Wachsfabrikant. –

Seht, all der Jammer blieb uns erspart,
Wenn das Bienchen zur Maus bei der Heimkehr ward;

Und wär' mit der Frucht dann zum Sperling die Maus
Geworden – wie herrlich ging alles aus!
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:22  Neue Antwort erstellen
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Aus meinem häuslichen Leben

Das Haus lag stille, die Gasse leer.
Ich blies in den dämmrigen Schimmer
Der Stube ein träumrisches Wolkenmeer:
Da zog es im Dampf der Havana einher,
Da kamen die Kinder ins Zimmer.

Mein flügelleicht Völkchen, ein wahrer Staat
Von munteren *ädchen und Jungen,
Mit frischen Backen, wie nach einem Bad.
Hei, ward da im Spiel jeder lockende Pfad
Der himmlischen Reiche gesprungen!

Doch als uns stieß just am tollsten der Bock,
Da mußte der Spiegel klirren,
Darin stand ein Gast, so steif wie ein Stock,
Mit blaugrauen Augen, geschlossenem Rock
Und in Filzschuhen, wenn wir nicht irren.

Da fiel's wie ein Alp auf den fröhlichen Kreis.
Eins lutscht an den Fingern befangen,
Ein anderes steht wie ein Zapfen Eis; –
Die Nähe von Fremden, wie *änniglich weiß,
Verdutzt die gewecktesten Rangen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:23  Neue Antwort erstellen
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Chor der Unsichtbaren

(Aus »Brand«)

Nimmer wirst du, Mensch, ihm gleichen;
Denn aus Staub bist du gemacht ;
Magst ausharren oder weichen,
Immer stürzt dein Pfad in Nacht!

Nimmer wirst du, Wurm, ihm gleichen;
Denn dem Staub bist du entstammt;
Magst nachfolgen oder weichen,
Immer bleibt dein Tun verdammt!

Träumer, nie wirst du ihm gleichen,
Was du ihm auch dargebracht;
Wähne nie, je zuzureichen; –
Denn als Mensch bist du gemacht!
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