Das Orthogravieh

> PLAUDERGARTEN

 

 


Neue Antwort erstellen
Neues Thema eröffnen
Autor Nachricht
  Gedichte  -  Eugenie Marlitt 1825-1887 deutsche Schriftstellerin
Ann
BeitragVerfasst am: 04.12.2007, 21:23  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Eugenie Marlitt 1825-1887 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Das einzig Wahre.

Echt ist nur des Himmels Blau,
Denn der Wechsel, streng und rauh
Nimmt des Blütenstraußes Pracht,
Grün, das hell vom Baume lacht.
Sommers Feuerglut verfliegt
Und der flinke Bach versiegt.
Auf den Wechsel, klein und groß
Schaut der Himmel, wandellos.

Menschentreu ist Morgenduft,
Den entführt die weichste Luft,
Und die Lieb' ist über Nacht
Oft als Haß wohl aufgewacht.
Heut gehst du als Bruder mit,
Morgen dich der Hochmut tritt;
Und es beut der Lebensbaum
Statt der Frucht – zerstob'nen Traum.
Doch, wenn alles rauh verglüht
Deines Hoffens Grün verblüht
Und dein Schiff im Sturme treibt
Blick hinauf! Der Himmel bleibt!


Zuletzt bearbeitet von Ann am 27.03.2008, 19:58, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
Sponsor
Ann
BeitragVerfasst am: 04.12.2007, 21:25  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Eugenie Marlitt 1825-1887 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Der Abend.

Ein kluger Knabe ist der Abend,
Er hälts mit Tag und Nacht zugleich:
Die Sonne küßt ihn auf die Locken,
Die Nacht umfaßt ihn lind und weich.

Der Tag erzählt ihm von den Menschen,
Und treulich sagt er's dann der Nacht –
Sein Freund, der Mond, lauscht dem Berichte:
So kommt es, daß er immer lacht!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 04.12.2007, 21:29  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Eugenie Marlitt 1825-1887 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Beim Wiederfinden alter Gedichte.

Ich fand ein altes Buch. Die Ruhestatt
Darinnen meine Lieder lang gelegen!
Es quoll aus dem vergilbten, alten Blatt
Mir wahrer Maienblütenhauch entgegen.
Mein krankes Herz, vom steten Ringen matt
Durchbebte da ein längst vergess'nes Regen,
Es taucht' empor mein einstig Hoffen, Träumen,
Aus der Erinn'rung dunkelgrünen Räumen.

Es wallen Geister durch die Dämmerpracht
Von längst dahingeschied'nen Lebensplänen.
O junges Herz, in deiner Blütenpracht
Nahmst du für echtes Gold dies falsche Wähnen!
Es wandelt stets des Schicksals finst're Macht
Heimtückisch jeden Wunsch zu bitt'ren Tränen.
Die Jugendträume, lieblich und erhaben,
Ich hab' sie alle still und leis' begraben
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 04.12.2007, 21:32  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Eugenie Marlitt 1825-1887 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

es Henkers Tochter.

Im Tal wogt Morgennebeldampf,
Der Wald erdröhnt von Roßgestampf.

Aufkreischend fliegt der Vögel Schwarm
Vor Hörnerschall und Jagdalarm.

Laut keuchend über Wiesen setzt
Der stolze Hirsch, zu Tod gehetzt.

Und toller rast das Jagdgetos,
Als wär der Spuk der Hölle los.

Da – aus Gestrüpp und Dickicht tritt
Ein *ägdlein, scheu, mit zagem Schritt.

Ein Kind, so zart und wunderhold,
Mit süßem Blick, mit Lockengold,

Ein Friedensbild in heißer Schlacht
Ein Stern in stürm'scher Wetternacht. –

Rings prasselt's durch Gebüsch und Dorn
Und weithin schmettert gell das Horn.

Her braust der wilde Jägertroß,
Voraus der Graf auf *ächt'gem Roß...

Er hält – es schweigt die tolle Jagd...
Doch scheu entflieht die schöne Magd.

»Wie, Rosenpracht im Waldrevier?
Blüht solche süße Blume hier?«

Er springt vom Roß und hält geschwind
Im Arm das tieferschrock'ne Kind.

Und wie er an es schaut entzückt,
Da naht ein Alter, tiefgebückt.

Und stammelt bebend auf den Knien:
»Herr, laßt mein Kind des Weges ziehn!«

»Der Henker...! wie, – des Henkers Brut
Hat an der Brust des Herrn geruht!«

So tobt der Troß... der Graf erblaßt,
Stößt fort die Magd in feiger Hast...

»Die schnöde Schmach sühnt nur ihr Blut!«
So ruft ein roher Knecht voll Wut.

Und schnellt den Pfeil in grauser Lust
Dem *ädchen in die weiße Brust...

Ein geller Schrei – fort jagt der Troß,
Voran der Graf auf *ächt'gem Roß...

Und als das Roßgestampf verhallt,
Da wird es still im tiefen Wald. –

Nur schwaches Todesröcheln tönt
Und Vaterfluch zum Himmel stöhnt...

Zur Sonne steigt der Fluch empor...
Die strahlt und lächelt, wie zuvor.

Die Blumen blühen lustig fort
Am blutgedüngten, grausen Ort.

Frei zieht der *örder; seinen Knecht
Beschützt des Herren Macht und Recht...

»So stirb, mein Kind! Dein Tod entsühnt,
Daß du zu leben dich erkühnt!«
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 04.12.2007, 21:33  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Eugenie Marlitt 1825-1887 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Die Natur

Natur ist unergründlich tief im Walten,
Erhaben über Erdenmacht und Zeit
Ist ewig groß in wechselnden Gestalten
Und unbeschreiblich schön im Frühlingskleid.

Ein Saitenspiel ist ihr geheimes Weben,
Gebreitet über Gottes weites All,
Denn wenn die Frühlingslüfte drüber beben,
Entströmt ein wundersamer Jubelschall.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 04.12.2007, 21:37  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Eugenie Marlitt 1825-1887 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Die Träume

Wenn uns der Schlaf berührt die Augenlider,
Dann eilt mit seinen Wundern allsogleich
Der Träume wild-phantastisch Nebelreich
Zur dämmernden Gedankenwelt hernieder.

Da sprossen auf des Mohnes bunte Blüten,
Aus jedem Kelche steigt ein wirrer Traum,
Der hüllet sich in leichten Wolkenschaum
Und senkt sich auf das Aug' der Schlummermüden.

Erinn'rung leitet stets der Träume Reigen,
Er zeigt uns längstverscholl'nes Glück und Leid,
Wie nach der Sage alter, grauer Zeit
Versunk'ne Schlösser aus dem Meere steigen,
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 05.12.2007, 20:12  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Eugenie Marlitt 1825-1887 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Die Treue

Als Gott den weiten Wunderbau,
Den Himmel, wollt vollenden,
Da fiel ein Tröpflein klares Blau
Von seinen Meisterhänden.

Das rollte durch der Schöpfung Pracht
Herab zur kleinen Erde,
Die eben erst zum Sein erwacht
Durch jenes hehre »Werde«.

Da hat, als es so voller Lust
Den Ätherraum durchschwommen,
Das schönste Werk, die Menschenbrust,
Den Flüchtling aufgenommen.

Gott sprach: »Wohl keinen bess'ren Ort
Kannst du als Heimat finden,
So heiße Treu' und wohne dort,
Magst Herz an Herzen binden.«
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 05.12.2007, 20:15  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Eugenie Marlitt 1825-1887 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Ein Morgen im Walde

Dunkle Waldesbäume,
Wie sind sie so hold,
Weht durch grüne Bäume
Morgensonnengold.

Efeuzweige ranken
Sich durch's weiche Gras,
Glockenblumen schwanken
Ohne Unterlaß.

Schlanke Stämme breiten
Ihre Wipfel aus,
Heil'ge Schauer gleiten
Durch dies Gotteshaus.

Waldeslust und -leben,
Drüber Himmelsblau!
All dies Blüh'n und Weben
Spiegelt sich im Tau.

Will dein Herz ergrimmen
Ob dem Tun der Welt
Hör des Waldes Stimmen,
Such sein grünes Zelt!

Dort wirst du erhalten
Lautres Wort des Lichts,
Und der Menschen Walten
Sinkt vor ihm ins Nichts!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 05.12.2007, 20:16  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Eugenie Marlitt 1825-1887 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Eisblumen am Fenster

Und wehrt mir der Himmel, den Frühling zu schauen,
Weil Winter umlagert die Wälder und Auen,
So soll mir am Fenster auf eisigem Feld
Erstehn eine fröhliche, blühende Welt!

Weil alle den lieblichen Frühling nur wollen,
Dem bissigen Winter dagegen sie grollen,
So hatte sich dieser beim Herrgott beklagt
Daß ihm jede blühende Zier sei versagt.
Da hat ihm der Herrgott auch Blüten gegeben,
Doch ohne ein jugendlich duftiges Leben.
Sie steigen empor nur in blinkendem Weiß –
So wollte es Gott – weil der Spender ein Greis!

Da siehe, es sproßt aus dem silbernen Moose
Auf schwankendem Stengel die liebliche Rose!
Eisröslein, es fehlt dir das purpurne Kleid,
Bist freilich das Kind einer traurigen Zeit;
Es fehlt auch des Duftes balsamisches Wehen...
Doch hat dich Goldkäfer zum Obdach ersehen,
Da schwebt er, die Schwingen voll sonnigem Schein,
Husch, Husch! in das schimmernde Bettchen hinein!
Und Lilien erblühen. Aus schwankenden Halmen
Des Grases erheben sich *ächtige Palmen,
Maiglöckchen entsteigen dem Boden im Nu,
Die läuten Goldkäfer ein Schlummerlied zu.
Und alle die eben erschlossenen Kronen
Sie muß wohl ein lustiges Völkchen bewohnen –
Es fliegt aus der Tiefe des Kelches hervor
Der munteren Elfen leichtfüßiger Chor.

Nun geht's an ein schelmisches Nicken und Neigen,
Sie schweben im luftigen, zierlichen Reigen,
In goldenen Locken den blühenden Kranz,
Die leichten Gewänder geschürzet zum Tanz,
Wie schillernde Falter erglänzen die Schwingen,
Ich höre die Lieder, die fröhlich sie singen,
Die Stimmen vereinen sich zaubrisch und schön,
Wie silberne Glöckchen im leisen Getön.
Da neige ich vor mich, die Brust voll Entzücken,
Nichts soll mich dem himmlischen Traume entrücken...
Doch – wehe, was ist's, das mein Bild mir verdrängt?
Mein Hauch hat der Elfen Gewänder versengt,
Die Lilien verschwimmen zu Nebelgestalten,
Du stirbst, meine Rose, im schönsten Entfalten,
Die Elfen entfliehen in eiligem Lauf,
Und Goldkäfer – löst in ein Tröpfchen sich auf!

So sind nun die herrlichen Bilder entschwunden,
Die ich in dem blinkenden Eise gefunden.
Mein Traum und dein Werk, kalter Nord, sind nichts wert:
Ein einziger Hauch hat sie beide zerstört!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 05.12.2007, 20:19  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Eugenie Marlitt 1825-1887 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Winter

Die Bäume glitzern rings im Eise,
Unheimlich lautlos rieselt Schnee.
Die weichen Flocken decken leise
Der Blumen letztes Todesweh.

Nur zwischen starren Zweigen hangen
Noch rote Beeren, frisch und licht,
Ein täuschend Leben! Rosenwangen
Auf einem Leichenangesicht.

Die gold'ne Sonne strahlt wie immer,
Doch wärmt sie nicht das öde Land.
An Menschenaugen mahnt ihr Schimmer,
Die falsch und treulos man erkannt.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 05.12.2007, 20:20  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Eugenie Marlitt 1825-1887 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Winter

Es rauscht der junge Bach mit kühnem Mut.
Die grünen Halme, die am Rand sich neigen,
Den Rosenstrauch mit blütenschweren Zweigen
Zieht er hinab in seine klare Flut.

Packt jauchzend Bäum' und Blumen überall,
Er will den ganzen Frühling in sich fassen
Und ahnet nicht daß tück'sche Felsenmassen
Mit kaltem Hohn bereiten seinen Fall.

Ein Sturz! Ein Wehschrei, daß es weithin gellt
Und die Natur in bangem Schreck erzittert...
Sein glänzend Silber tausendfach zersplittert,
Die Blüten unten am Gestein zerschellt!

Er ist aus seinem süßen Traum erwacht.
Millionen Stäubchen sinken taumelnd nieder,
Er faßt in seinen Arm sie trauernd wieder
Und flüchtet todeswund zur Waldesnacht.

Dort über Felsenblöcke, unbewehrt
Rauscht er nun achtlos hin zum Waldesdüster.
O, lausch nur seinem schmerzlichen Geflüster,
Er sagt dir, was »Erfahrung« ihn gelehrt!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 05.12.2007, 20:22  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Eugenie Marlitt 1825-1887 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Frühlings Lust und Weh.

Der greise Winter ist aufs Haupt geschlagen
Durch frischen Maienglanz,
Der Lenz wirft jubelnd über Feld und Hagen
Den bunten Siegerkranz.

Der rauhe Nord hielt streng und lang gefangen
Den klaren, stillen See.
Tief drunten träumt von Frühling voll Verlangen
Die blonde Wasserfee.

Er löst den Bann. Auf ihre Stirne hauchen
Die Lüfte sanften Kuß,
Die träumerischen Wasserblüten tauchen
Empor als Nixengruß.

Der Baum blickt stolz auf seine Blüten nieder –
Ein Kind im Festgewand!
Die Vöglein singen laute Jubellieder
Im Frühlingsland.

Nur in mir selbst will jenen Sang begleiten
Ein herber Trauerton,
Weil meiner Seele halbzerriss'nen Saiten
Die Harmonien entfloh'n.

Die Klänge lassen sich nicht mehr verbinden,
Die das Geschick zerreißt...
Drum kann ich den Akkord auch nicht mehr finden,
Der süßer Frieden' heißt.
Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde

Seite 1 von 1
gedichte-garten.de Foren-Übersicht  -  Gedichte

Neue Antwort erstellen

 

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Oskar Loerke 1887-1941 deutscher Dichter Ann Gedichte 3 09.02.2012, 19:26 Letzten Beitrag anzeigen
Franziska Gräfin zu Reventlow 1871 - ... Ann Zitate & Sprüche 20 01.01.2012, 17:52 Letzten Beitrag anzeigen
Charlotte von Kalb 1761-1843 deutsc... Ann Zitate & Sprüche 0 20.12.2011, 18:39 Letzten Beitrag anzeigen
Marie-Luise Weissmann 1899-1929 Deuts... Ann Gedichte 13 22.10.2011, 15:54 Letzten Beitrag anzeigen
Therese Dahn 1845 - 1929 deutsche Dic... Ann Gedichte 16 24.09.2011, 19:43 Letzten Beitrag anzeigen

Annegret Kronenberg © 2004-2006 | Alle Rechte vorbehalten | Inhalt | Lyrik | Liebesgedichte | Gedichte & Poesie | Adventskalender basteln | Internet Forensicherheit