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  Gedichte  -  Hans SACHS 1494-1576 Dichter
rita
BeitragVerfasst am: 27.01.2008, 12:38  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Hans SACHS 1494-1576 Dichter
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Gartenmeister(in)
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Hans SACHS
geb. 1494 - 1576

(Schulzeit )

Das Schlaraffenland
Ein Gegend heißt Shlaraffenland ,
den faulen Leuten wohlbekannt .
Das liegt drei Meilen hinter Weihnachten .
Und welche darein will trachten ,
der muß sich großer Dinge vermessen
und durch ein Berg mit Hirsebrei essen ,
der ist wohl dreier Meilen dick .
Alsdann ist er im Augenblick
in demselbigen Schlaraffenland ,
da aller Reichtum ist bekannt .

Da sind die Häuser deckt mit Fladen ,
Lebkuchen an die Haustür und Laden ,
von Speckkuchen Dielen und Wänd ,
die Balken von Schweinebraten send .

Und jedes Haus so ist ein Zaun
geflochten von Bratwürsten braun .
Von Malvasier so sind die Brunnen ,
komm eim selbst ins Maul gerunnen .
Auf den Tannen wachsen Krapfen ,
wie hier zu Land die Tannenzapfen .
Auf Fichten wachsen gebackne Schnitten .
Eierplätz tut man von Birken schütten .

Wie Pfifferlinge wachsen die Wecken ,
die Weintrauben in Dornenhecken .
Auf Weidenkoppen Semmeln stehn ,
darunter Bäch' mit Milch gehn ;
da fallen dann in' Bach herab ,
daß jerdermann zu essen hab ,
gesotten , gebraten ,gesalzen und gebacken
und gehn bei dem Gestad gar nahen ,
lassen sich mit den Händen fahen .

Auch fliegen um (das *ögt ihr glauben )
gebrat'ne Hühner , Gäns und Tauben .
Wer sie nicht fängt und ist so faul ,
dem fliegen sie von allein ins Maul .
Die Säu all Jahr gar wohl geraten ,
laufen im Land um , sind gebraten .
Jede ein Messer hat im Rück'
damit ein jeder schneid ein Stück
und steckt das Messer wieder drein .
Die Kreuzkäs wachsen wie die Stein .
So wachsen Bauern auf den Baumen ,
gleich wie in unserm Land die Pflaumen .
Wenn zeitig sind , da fallen sie ab ,
jeder in ein Paar Stiefel herab .

Wer Pferd hat , wird ein reicher Meier ,
denn sie legen ganz Körb voll Eier .
So schüttet man aus den Eseln Feigen .
Nicht hoch braucht man nach den Kirschen steigen .
wie Schwarzbeern sie wachsen tun .
Auch ist in dem Land ein Jungbrunn ,
darin verjüngen sich die Alten .
Viel Kurzweil wird im Land gehalten .
So nach dem Ziel schießen die Gäst ' ,
wer am weitesten daneben , gewinnt das Best .
Beim Laufen gewinnt der Letzte allein .
Das Polsterschlafen ist allgemein .
Ihr Weidwerk ist mit Flöh und Läusen ,
mit Wanzen , Ratten und *äusen .

Auch ist im Land gut Geld zu gewinnen .
Wer sehr faul ist und schläft darinnen ,
dem gibt man für die Stund zwei Pfennig ,
er schlaf gleich viel oder wenig .

Ein 'Furz ' gilt einen Binger Haller ,
drei Rülpser einen Jochimstaler .
Und welcher da sein Geld verspielt ,
zwiefach man ihm das wiedergilt .
Und welcher auch nicht gern bezahlt ,
wenn die Schuld wird eins Jahres alt ,
so muß ihm jener dazu geben.
Und welcher liebt ein gutes Leben ,
dem gibt man für den Trunk einen Batzen .
Und welcher wohl die Leut kann fatzen ,
dem gibt man drei Kreuzer zum Lohn .
Für eine große Lüg' gbt's ein Kron .

Doch muß sich da hüten ein Mann,
aller Vernunft ganz *üßig stahn .
Wer Sinn und Witz gebrauchen wollt ,
dem wär kein Mensch im Lande hold ,
und wer gern arbeit mit der Hand ,
dem verböt ' man das Schlaraffenland .
Wer Zucht und Ehrbarkeit hätt lieb ,
denselben man des Lands vertrieb .
Wer unnütz ist , nichts will lern ',
der kommt im Land zu großen Ehrn,
wann wer der Faulste wird erkannt ,
derselb ist König in diesem Land .
Wer wüst , wild und unsinnig ist ,
grob , unverstanden zu aller Frist ,
aus dem ein Ritter wird gemacht .
Wer liederlich und auf nichts acht'
als auf Essen ,Trinken und viel Schlafen ,
aus dem macht man im Land ein' Grafen .
Wer tölpisch ist und gar nichts kann ,
der ist im Land ein Edelmann .

Wer also lebt wie obgenannt ,
der ist gut fürs Schlaraffenland ,
das von den Alten ist erdicht ',
zu Straf der Jugend zugericht'
die gewöhnlich faul ist und gefräßig ,
ungeschickt , heillos und nachlässig ,
daß man sie weis ins Land zu Schlaraffen ,
damit ihr liederlich Weis zu strafen ,
daß sie haben auf Arbeit acht ,
weil faule Weis nie Gutes bracht .

(Hier Anwesende sind natürlich ausgenommen )
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