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  Gedichte  -  Otto Reutter 1870-1931 deutscher Komiker
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BeitragVerfasst am: 09.10.2007, 16:14  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Otto Reutter 1870-1931 deutscher Komiker
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Oberg
Oberg


Anmeldungsdatum: 26.11.2004
Beiträge: 310
Wohnort: Gronau/Westf.

Der gewissenhafte Maurer

Ich hab' ein Haus in Berlin, das ist noch wie neu,
Nur oben, da ging mal etwas entzwei.
Nun fehl'n da oben ein paar Steine, 's *üssen neue dorthin,
Ich sagt' zu 'nem Maurer: "Na, die sind doch bald drin?"
"Aber gewiss, lieber Mann, da fang'n wir gleich morgen an!"
Also um acht soll er ankomm'n - 'ne Stunde vergeht -
Da seh' ich ihn rankomm'n - ich sage: "'s ist spät!"
"Nee", sagt er, "'s is neune - 's ist die richtige Zeit.
Der Weg zählt doch mit - und ick wohne sehr weit.
Ick wollt die Straßenbahn nehm'n - keine zu seh'n.
Ick ruf 'n Auto - 'Besetzt!' - na, da musst ich doch gehn.
Aber nun gehn wir ran - nu fang'n wir gleich an."
Na, nun sieht er sich um, - recht gründlich, exakt -
Was er mitgebracht hat - wird ausgepackt. -
Er guckt rauf nach dem Haus. - "Da fehlt'n Stein an dem Fleck."
Also nimmt er 'nen Stein - und legt ihn gleich wieder weg.
Er sucht erst 'ne Leiter, um nach oben zu gehn, -
Trägt sie acht Schritte weiter, - da schlägt es zehn.
Na, nun frühstückt er 'n bißken, holt sein Pülleken raus, -
Steckt die Pfeife in Brand - die geht fünfzehn mal aus. -
Und wie sie brennt, sagt er dann: "Nu fang'n wir gleich an."
Er nimmt noch 'ne Prise - es ist über elbe -
Dann nimmt er den Stein - 's ist noch immer derselbe -
Da muss er niesen - der Kopf wird ihm schwer.
Er legt den Stein wieder weg - denn sonst gibts 'n Malheur.
Er sucht nach 'nem Tuch - er hat leider kein's -
Ich sage: "'s gut - hier haben Sie mein's."
Nun fühlt er sich wieder wohl - wie'n Fisch in der Elbe
Und dann nimmt er den Stein, 's ist noch immer derselbe -
Und will auf die Leiter - da schlägt es zwölbe.
Na, nu legt er'n Stein wieder weg - seine Frau bringt das Essen -
Nach so 'ner Arbeit, da schmeckt's - 's wird feste gegessen.
Sie setzt sich zu ihm, - er setzt sich zu ihr,
Es gibt Karbonade und Gurken und Bier. -
Dann liest er die Zeitung und sagt entrüstet zu ihr:
"Du, da streiken sie wieder - die soll'n schaffen, wie wir. "Dann gibt er ihr 'n Küßken,
Dann schläft er 'n bißken
Und dann schlägt die Uhr zwei -
Da ist schon die kurze Pause wieder vorbei. -
"Nu", sagt er, "geht's ran -
Jetzt fang'n wir gleich an!"
Nun wird der Lehm umgerührt, - der weiche, der gelbe -
Und dann nimmt er den Stein - 's ist noch immer derselbe -
Da wird ihm schlecht - die Gurken, das Bier -
Er legt den Stein wieder weg und nimmt sein Zeitungspapier,
denn der Stein wäre weniger geeignet dafür -
Und geht an 'ne Tür
Und da steht: "Hier!"
Kommt nach drei wieder raus aus dem kleinen Gewölbe
Und dann nimmt er den Stein - 's ist noch immer derselbe -
Und geht nun wirklich, ohne Rast, ohne Ruh',
Mit dem Stein auf die Leiter - wat sagen Sie nu? -
Die hat zwanzig Sprossen - jede 'n Fußbreit entfernt,
Aber er geht unverdrossen, - gelernt ist gelernt.
Da, bei der achtzehnten hält er. Die Uhr schlägt vier.
's ist Feierabend - und er steht hier -
Nicht oben, nicht unten - die Sache geht schief.
Er darf nicht mehr weiter - nach'* Tarif.
Er hat noch zwei Sprossen, - aber er darf sie nicht gehn -
Oder achtzehn nach unten - ja, aber nicht mit'n Steen.
Was soll er nun machen - so nah am Ziel?
Er schwankt zwischen Arbeits- und Pflichtgefühl.
Aber's Pflichtgefühl siegt - "'s ist egal", sagt er grob
Und er lässt den Stein fallen - und mir uff'n Kopp. --

Und wie ich schimpfe, da sagt er:
"Warum stehn Sie denn hier? -
Wir brauch'n Ihr'n Kopp nich -
Sie könn' ja schaffen, wie wir. -"


Otto Reutter
1870-1931
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rita
BeitragVerfasst am: 26.03.2008, 12:17  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Otto Reutter 1870-1931 deutscher Komiker
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Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

De Besorgung

,, Hir sünd twei Breiw (1)verstah mi recht,"
seggt Herr von Busche tau den Knecht ,
,, Dei kannst du mi gelegentlich besorgen,
un is't nich hüt, so ist dat morgen .
Wenn einer mal nah Treptow geiht ,
denn giww s'em mit un segg mi denn Bescheid ."
Nah ein'ge Tid , dor süht (2) hei sinen Knecht ,
un röppt em tau :,, Jehann ! " un fröggt :
,, Hest du de Breiw herinner bröcht(3) ?" -
,,Ne , Herr ! Dat wull sick noch nich schicken (4 )." -
,, Du büst doch gistern 'riner west ."-
,, Ja ! Dat , dat war was jo mit de Wicken ,
dat was jo ganz exprest (5) ,
un Sei , Sei säden mi jo klor ,
dat mit de Breiw , dat hadd noch ganz un gor
kein Il (6) ,dat ded' nich dringen ,
ick süll s' gelegentlich herinner bringen ."-
,, Du büst en Klas (7) un bliwwst ok ein !"
Röppt Herr von Busche . ,, Na du mein (Cool !
So'n Dummheit is doch schir tau dull (9) !
Du büst noch dümmer as en Rind !
Wenn ick en Esel schicken wull ,
denn hadd 'ck dat sülwst besorgen künnt."
1Briefe ,2 Zeit ,da sieht ,3 hinein - dh zur Stadt gebracht ,
4 passen , 5 express , 6 Eile ,7 Schafskopf , 8 sc. Gott ,9 toll - arg .


Zuletzt bearbeitet von rita am 14.10.2009, 19:29, insgesamt 3-mal bearbeitet
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rita
BeitragVerfasst am: 14.10.2009, 18:26  Neue Antwort erstellen
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Otto Reutter 1870-1931 deutscher Komiker
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Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Die Besorgung
,, Hier sind zwei Briefe , versteh mich recht ",
sagt Herr von Busche zu dem Knecht ,
,, Die kannst du mir gelegentlich besorgen,
und ist's nicht heute ,so ist es eben morgen.
Wenn einer mal nach Treptow geht ,
denn gib sie ihm mit und sag mir Bescheid ."
Nach einiger Zeit sieht er seinen Knecht ,
und ruft ihm zu : ,, Johann!" Und fragt :
,, Hast du die Briefe ' hereingebracht ' ?"-
,, Nein ,Herr ! Das wollte noch nicht passen ."
,, Du bist doch gestern hin gewesen .."
,,Ja ! Das war mit den Wicken ,
das war ganz eilig gewesen .''
Sie sagten mir ja klar ,
das mit den Briefen , dass hätte ganz und gar
keine Eile , es wäre nicht dringend ,
ich soll's gelegentlich herein bringen ."
,, Du bist ein Schafskopf , und bleibst auch einer !"
Ruft Herr von Busche. ,, Na , mein Gott ...!
So eine Dummheit ist doch schier zu doll !
Du bist noch dümmer als ein Rind !
Wenn ich einen Esel schicken wollte ,
dann hätte ich es selber besorgen können ".

Alles frei ins Hochdeutsche übersetzt , Rita


Zuletzt bearbeitet von rita am 14.10.2009, 19:28, insgesamt 3-mal bearbeitet
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