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  Gedichte  -  Hermann von Gilm 1812-1864 österr. Dramatiker
Ann
BeitragVerfasst am: 15.04.2009, 17:11  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Hermann von Gilm 1812-1864 österr. Dramatiker
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Die Verschwiegenen

Ich habe wohl, es sei hier laut
vor aller Welt verkündigt,
gar vielen heimlich anvertraut,
was du an mir gesündigt.

Ich sagt’s dem ganzen Blumenheer,
dem Veilchen sagt’ ich’s stille,
der Rose laut, und lauter der
großäugigen Kamille.

Doch hat’s dabei noch keine Not,
bleib’ munter nur und heiter,
die es gewusst, sind alle tot,
und sagen’s nicht mehr weiter.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.04.2009, 17:11  Neue Antwort erstellen
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Hermann von Gilm 1812-1864 österr. Dramatiker
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Zueignung

Ja, du weißt es, teure Seele,
Daß ich fern von dir mich quäle,
Liebe macht die Herzen krank,
Habe Dank.

Einst hielt ich, der Freiheit Zecher,
Hoch den Amethysten-Becher,
Und du segnetest den Trank,
Habe Dank.

Und beschworst darin die Bösen,
Bis ich, was ich nie gewesen,
heilig, heilig an's Herz dir sank,
Habe Dank.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.04.2009, 17:12  Neue Antwort erstellen
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Hermann von Gilm 1812-1864 österr. Dramatiker
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Himmel oder Frühling?

Habt ihr mich hinausgetragen,
in den Wald, den morgenfrischen,
wo die Nachtigallen schlagen
in den jungen Rosenbüschen?

Mutter, hilf mir aus dem Bette!
Auf den Rasen *öcht ich springen
wie das Reh, und um die Wette
*öcht ich mit der Lerche singen.

Und von Blumen welch Gewimmel!
Ach, so schön war's nie auf Erden!
Mutter, sag, ist das der Himmel,
oder will es Frühling werden.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.04.2009, 17:13  Neue Antwort erstellen
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Ein Grab

Es liegen die Veilchen dunkelblau
auf einem Grab im Abendtau,
ein kleines *ädchen kniet davor
und hebt die Hände fromm empor:
"O sagt, ihr Veilchen, in der Nacht
der Mutter, was der Vater macht,
dass ich schon stricken kann, und daß
ich tausendmal sie grüßen laß."
Himmel oder Frühling?
Habt ihr mich hinausgetragen,
in den Wald, den morgenfrischen,
wo die Nachtigallen schlagen
in den jungen Rosenbüschen?
Mutter, hilf mir aus dem Bette!
Auf den Rasen *öcht ich springen
wie das Reh, und um die Wette
*öcht ich mit der Lerche singen.
Und von Blumen welch Gewimmel!
Ach, so schön war's nie auf Erden!
Mutter, sag, ist das der Himmel,
oder will es Frühling werden?
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BeitragVerfasst am: 15.04.2009, 17:13  Neue Antwort erstellen
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Die Nacht

Aus dem Walde tritt die Nacht,
Aus den Bäumen schleicht sie leise,
Schaut sich um in weitem Kreise,
Nun gib acht.
Alle Lichter dieser Welt,
Alle Blumen, alle Farben
Löscht sie aus und stiehlt die Garben
Weg vom Feld.
Alles nimmt sie, was nur hold,
Nimmt das Silber weg des Stroms,
Nimmt vom Kupferdach des Doms
Weg das Gold.
Ausgeplündert steht der Strauch,
Rücke näher, Seel an Seele;
O die Nacht, mir bangt, sie stehle
Dich mir auch.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.04.2009, 17:14  Neue Antwort erstellen
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Das kranke Kind

Der Vater ist seit Jahren blind –
blind sein ist mehr als sterben!
Die Mutter hat ein krankes Kind
und kann nicht viel erwerben.

Die Stube war noch nie so warm,
obgleich das Fenster offen,
seitdem des Winters harter Arm
die Erde hat getroffen.

Die Sonne küßt das bleiche Kind
zum erstenmal im Jahre;
es spielt ein weicher, warmer Wind
mit seinem feuchten Haare.

Und wie sein Blick am Himmel hängt,
als *öcht's dahin entfliehen,
im Wangengrübchen langsam fängt
ein Röslein an zu blühen.

Und – süßes Wunder! – plötzlich, als
sei alles Leid zu Ende,
schlingt lächelnd um der Mutter Hals
es seine beiden Hände.

Die Mutter weiß vor Freud' nicht Rat,
bricht aus in lautes Weinen. –
Das war des Frühlings erste Tat
und keine von den kleinen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.04.2009, 17:16  Neue Antwort erstellen
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Allerseelen

Stell' auf den Tisch die duftenden Reseden,
Die letzten roten Astern trag herbei
Und laß uns wieder von der Liebe reden,
Wie einst im Mai.

Es blüht und funkelt heut auf jedem Grabe,
Ein Tag im Jahre ist den Toten frei;
Komm an mein Herz, daß ich dich wieder habe,
Wie einst im Mai.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.04.2009, 17:18  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Schlingt dein Arm sich um den meinen,
Drück' ich deine Hand so lind,
Dann, Geliebte, will mir's scheinen
Ich sei wiederum ein Kind.

Und ich könne wieder beten,
Meiner stolzen Freiheit satt,
Könne keine Blume treten
Weil sie eine Seele hat.

Und die Kette sei zerrissen,
Die an Raum und Zeit mich band,
Und dein Auge sei mein Wissen
Und dein Herz mein Vaterland.

©





Ein Veilchen blühte still verborgen,
Da fliegt ein Schmetterling vorbei
Und setzt sich fern, sitzt bang voll Sorgen,
Das Veilchen grüßt: "Recht guten Morgen!"
Und frägt, warum er traurig sei.

"Ich komm' herauf von jener Heide,
Da sind sie alle schön geschmückt
Mit Gold auf ihrem Flügelkleide –
Den stolzen Blumen ihre Freunde -,
Nur mich hat keine angeblickt.

"Ich hab' kein Gold auf meinem Flügel,
Es hat's der Mond, der Sterne Licht,
Es hat's der Baum auf jedem Hügel,
Es hat's der Bach auf seinem Spiegel; -
Nur ich bin arm, ich hab' es nicht!"

Doch bei der ersten Sterne Schimmer
Lag er beim Veilchen duftberauscht,
Und diese Eine Nacht hätt' nimmer
Um all' des Goldes Glanz und Flimmer
Der arme Falter eingetauscht.

©




Du sollst mir bei den Sternen nichts versprechen,
Die haben jede Lüge noch verschwiegen,
Nicht bei den Göttern, die den Meineid rächen –
So lang sie selber nicht im Staube liegen;

Nicht bei des Busen's ungestümen Fliegen;
Nicht bei des Auges reichen Thränenbächen,
Die stolze Woge kann zusammenbrechen
Und jene süße Quelle kann versiegen.

Auf diese Veilchen schwör' mir deine Liebe,
Die du mir in ein Epheublatt gewunden,
Und die noch diese Nacht verwelken werden;

Doch jedes Jahr bringt einen Lenz auf Erden,
Dein Wort ist so in Veilchenduft gebunden,
Dass dich der Meineid aus dem Frühling triebe.

©
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rita
BeitragVerfasst am: 26.10.2009, 22:39  Neue Antwort erstellen
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Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
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Ist das bald ?

Über hundert lange Stunden ,
über hundert frische Wunden -
unterdessen kann der Wald ,
kann die Wiese sich entfärben ,
können alle Blumen sterben -
ist das bald ?
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