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  Gedichte  -  Christian Morgenstern 1871-1914 Schriftsteller
Ann
BeitragVerfasst am: 28.03.2008, 16:53  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Christian Morgenstern 1871-1914 Schriftsteller
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45055
Wohnort: Gronau

Das Mondschaf

Das Mondschaf steht auf weiter Flur.
Es harrt und harrt der großen Schur.
Das Mondschaf.

Das Mondschaf rupft sich einen Halm
und geht dann heim auf seine Alm.
Das Mondschaf.

Das Mondschaf spricht zu sich im Traum:
"Ich bin des Weltalls dunkler Raum."
Das Mondschaf.

Das Mondschaf liegt am Morgen tot.
Sein Leib ist weiß, die Sonn ist rot.
Das Mondschaf.
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rita
BeitragVerfasst am: 04.09.2008, 19:38  Neue Antwort erstellen
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Christian Morgenstern 1871-1914 Schriftsteller
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Glück

Nun hebt in banger Fülle meine Welt ,
der Jahre Gärten wollen Früchte tragen .
Und wie auf weichen Wiesenteppich oft
ein goldner Apfel , zart empfangen, rollt ,
so rührt den Plan der täglichen Gefühle
ein heimlich reif und süß geworden Lied .
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rita
BeitragVerfasst am: 04.09.2008, 19:45  Neue Antwort erstellen
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Christian Morgenstern 1871-1914 Schriftsteller
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Wohl kreist verdunkelt oft der Ball.....

Wohl kreist verdunkelt oft der Ball ;
doch über den paar Wolken droben ,
da blaut das sterndurchtanzte All
und läßt sich von den Göttern loben .

Die liegen auf den Wolkenbergen
wie Hirten einer Fabelwelt ,
und wissen kaum von all den Zwergen ,
die das Gebirg im Schoße hält .

Sie lachen mit den weißen Zähnen
den Göttern andrer Sterne zu - .
Komm , Bruder , laß die leeren Tränen ,
wir sind auch Götter , ich und du !
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rita
BeitragVerfasst am: 13.01.2009, 12:20  Neue Antwort erstellen
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Christian Morgenstern 1871-1914 Schriftsteller
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Was wärst du , Wind ,
wenn du nicht Bäume hättest
zu durchbrausen ;
was wärst du , Geist ,
wenn du nicht Leiber hättest ,
drin zu hausen !
All Leben will Widerstand .
All Licht will Trübe .
All Wehen will Stamm und Wand ,
dass es sich dran übe .

Es gibt Unterschiede
und soll sie geben .
Nur kein fauler Friede .
Lieber kein Leben .

Chr. Morgenstern
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rita
BeitragVerfasst am: 13.01.2009, 12:34  Neue Antwort erstellen
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Christian Morgenstern 1871-1914 Schriftsteller
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Die unmögliche Tatsache

Palmströ* . etwas schon an Jahren ,
wird an einer Strassenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren .

<Wie war < ( spricht er sich erhebend
und entschlossen weiterlebend )
>*öglich , wie dies Unglück , ja -:
dass es überhaupt geschah ?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen ?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift ?

Oder war vielmehr verboten ,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln , - kurz und schlicht :
Durfte hier der Kutscher nicht -?

Eingehüllt in feuchte Tücher ,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren :
Wagen durften dort nicht fahren !

Und er kommt zu dem Ergebnis :
Nur ein Traum war das Erlebnis .
Weil , so schliesst er messerscharf ,
> nicht sein kann , was nicht sein darf .<
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rita
BeitragVerfasst am: 13.01.2009, 12:40  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Das Einhorn

Das Einhorn lebt von Ort zu Ort
nur noch als Wirtshaus fort .

Man geht hinein zur Abendstund
und sitzt den Stammtisch rund .

Wer weiss ! Nach Jahr und Tag sind wir
auch ganz wie jenes Tier .

Hotels nur noch , darin man speist -
(so völlig wurden wir zu Geist ) .

Im >Glodnen Menschen <sitzt man dann
und sagt sein Solo an .....

Chr. Morgenstern
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rita
BeitragVerfasst am: 13.01.2009, 12:50  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Die Brille

Korf liest gerne schnell und viel ;
darum widert ihn das Spiel
all des zwölfmal unerbetnen
Ausgewalzten ,Breitgetretnen .

Meistens ist in sechs bis acht
Wörtern völlig abgemacht ,
und in ebensoviel Sätzen
lässt sich Bandwurmweisheit schwätzen .

Es erfindet drum sein Geist .
etwas , was ihn dem entreisst :
Brillen , deren Energien
ihm den Text - zusammenziehen !

Beispielsweise dies Gedicht
läse , so bebrillt , man - nicht !
Dreiunddreissig seinesgleichen
gäben erst - Ein -- Fragezeichen !!

Chr .Morgenstern
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rita
BeitragVerfasst am: 13.01.2009, 12:59  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Tu still dein Werk

Tu still dein Werk und gib der Welt
allein von deinem Frieden ,
und hab dein Sach auf nichts gestellt
und niemanden hienieden .
Chr .Morgenstern

Mag dir dies und das geschehn ,
lerne still darüber zu stehn ,
sieh dir selber schweigend zu ,
bis das wilde Herz in Ruh ,
bis , so fest , es angeblickt ,
sein gewahr wird - und erschrickt .
Chr .Morgenstern

Ich sage dir als tröstlich Wort ,
wie eins aufs andere ist gestellt .
denk einen Punkt des Ganzen fort ,
du denkst dich selber aus der Welt .
Chr. Morgenstern
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rita
BeitragVerfasst am: 13.01.2009, 13:20  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Smilie
Es gibt noch Wunder, liebes Herz,
getröste dich !
Erlöste dich
Noch nie ein Stern aus deinem Schmerz ,
das Strahlenspiel
vom hohen Zelt
in deiner Qualen
Tiefe fiel
und sprach : > Sieh , wie ich zu dir kam
vor allen andern ganz allein !

Du liebes Herz, wirf ab den Gram ,
bin ich nicht dein ?
Getröste dich !<

Erlöste dich
noch nie ein Stern .....
Chr .Morgenstern Smilie
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rita
BeitragVerfasst am: 13.01.2009, 13:28  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Ich liebe mir die überlegnen Geister ,
die über ihren Ernst noch lachen können ,
die nicht der Worte Kinderspiel - und Tanz
um ihrer Freiheit Wolkenflug gebracht .

Sie , die des Lebens wunderreichsten Glanz
wie seine tiefste höllengleiche Nacht
zu einem Anblick für sich machen können -
sie sind gewiss des Lebens beste Meister .
Chr .Morgenstern
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rita
BeitragVerfasst am: 29.04.2009, 23:52  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Leis auf zarten Füssen naht es ,
vor dem Schlafen wie ein Fächeln :
Horch ,o Seele , meines Rates ,
lass dir Glück und Tröstung lächeln- :

Die in Liebe dir verbunden ,
werden immer um dich bleiben,
werden klein und grosse Runden
treugestellt mit dir beschreiben.

Und sie werden an dir bauen ,
unverwandt , wie du an ihnen ,
und , erwacht zu Einem Schauen ,
werdet ihr wetteifernd dienen !
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rita
BeitragVerfasst am: 26.12.2009, 02:38  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
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Abenddämmerung

Eine runzlige Alte ,
schleicht die Abenddämmerung ,
gebückten Ganges durchs Gefild
und sammelt und sammelt
das letzte Licht in ihrer Schürze .

Vom Wiesenrain ,
von den Hüttendächern ,
von den Stämmen des Walds,
nimmt sie es fort .
Und dann humpelt sie *ühsam
den Berg hinauf
und sammelt und sammelt
die letzte Sonne in ihre Schürze .

Droben umschlingt ihr
mit Halsen und Küssen
ihr Töchterchen Nacht
den Nacken und greift begierig
ins ängstlich verschlossene Schurztuch .

Als es sein Händchen wieder herauszieht ,
ist es schneeweiss ,als wär es mit Mehl
rings überpudert .

Und die Kleine ,längst gewitzt ,
tupft mit dem niedlichen Zeigefinger
den ganzen Himmel voll
und jauchzt laut auf in kindlicher Freude .
Ganz unten aber macht sie einen grossen ,
runden Tupfen -
das ist der Mond .

*ütterchen Dämmerung
sieht ihr mit mildem Lächeln zu .
Und dann geht es langsam zu Bette .

Christian Morgenstern
1871 -1914
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