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  Gedichte  -  Emanuel Geibel 1815-1884 deutscher Lyriker
rita
BeitragVerfasst am: 30.01.2008, 13:15  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Emanuel Geibel 1815-1884 deutscher Lyriker
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Gebet
Herr, den ich tief im Herzen trage , sei du mit mir !
Du Gnadenhort in Glück und Plage , sei du mit mir !
Im Brand des Sommers , der dem Manne die Wange bräunt ,
wie in der Jugend Rosenhage sei du mit mir !
Behüte mich am Born der Freude vor Übermut ,
und wenn ich an mir selbst verzage , sei du mit mir !
Gib deinen Geist zu meinem Liede , daß rein es sei ,
und daß kein Wort mich einst verklage , sei du mit mir !
Dein Segen ist wie Tau den Reben ;nichts kann ich selbst ,
Doch daß ich kühn das Höchste wage , sei du mit mir !
O du mein Trost ,du meine Stärke , mein Sonnenlicht ,
bis an das Ende meiner Tage sei du mit mir !
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rita
BeitragVerfasst am: 30.01.2008, 13:42  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Emanuel Geibel 1815-1884 deutscher Lyriker
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Volkers Nachtgesang
Die lichten Sterne funkeln
hernieder kalt und stumm ;
Von Waffen klirrt's imDunkeln ,
der Tod schleicht draußen um .
Schweb hoch hinauf mein Geigenklang ,
Durchbrich die Nacht mit klarem Sang !
Du weißt den Spuk von dannen
zu bannen.

Wohl finster ist die Stunde ,
doch hell sind Mut und Schwert ;
in meines Herzens Grunde
steht aller Freuden Herd .
O Lebenslust , wie reich du blühst ,
O Heldenblut , wie kühn du glühst !
Wie gleicht der Sonn im Scheiden
Ihr beiden !

Ich denke hoher Ehren ,
sturmlust'ger Jugendzeit ,
da wir mit scharfen Speeren
hinjauchzten in den Streit .
Hei Schildgekrach im Sachsenkrieg !
Auf unsern Banner saß der Sieg ,
als wir die ersten Narben
erwarben .

Mein grünes Heimatleben ,
wie tauchst du mir empor !
Des Schwarzwalds Wipfel weben
herüber an mein Ohr ;
So säuselt's in der Rebenflur ,
so braust der Rhein , darauf ich fuhr
mit meinem Lieb zu zweien
im Maien .

O Minne , wundersüße ,
du Rosenhag in der Blust !
Ich grüße dich , ich grüße
dich heut aus tiefster Brust !
Du roter Mund , gedenk ich dein ,
es macht mich stark , wie firner Wein ,
das sollen Heunenwunden
bekunden

Ihr Kön'ge , sonder Zagen
schlaft sanft , ich halte Wacht ;
ein Glanz aus alten Tagen
erleuchtet mir die Nacht .
und kommt die Früh im blut'gen Kleid :
Gott grüß dich , grimmer Schwerterstreit !
Dann magst du , Tod , zum Reigen
uns geigen !
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rita
BeitragVerfasst am: 30.01.2008, 13:53  Neue Antwort erstellen
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Emanuel Geibel 1815-1884 deutscher Lyriker
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Von Emanuel Geibel -
Auswahl Deutscher Gedichte 1921

Ludwig Uhland

Es ist ein hoher Baum gefallen,
ein Baum im deutschen Dichterwald ;
ein Sänger schied , getreu vor allen ,
von denen deutsches Lied erschallt .
Wie stand mit seinem keuschen Psalter
im jüngern Schwarm er stolz und schlicht !
Ein Meister und ein Held wie Walter ,
und rein sein Schild wie sein Gedicht .

Wohl Grössre preist man unser eigen ,
um deren Stirnen ewig grün
im Kranz , gewebt aus Eichenzweigen ,
die Lorbeern der Hellenen blühn;
Doch keiner sang in unsrer Mitte ,
der , so wie er , unwandelbar
ein Spiegel vaterländ'scher Sitte ,
ein Herold deutscher Ehren war .

Drum , wenn wir seinen Weisen lauschen ,
umweht es uns wie Heimatluft ,
wir hören deutsches Waldesrauschen ,
wir atmen deutschen Maienduft .
Die Herrlichkeit verschollner Tage
steigt mondbeglänzt vor uns herauf ,
uns geht beim Waldhornruf der Sage
das Herz in süssem Schauder auf .

Und wenn mit *ännlich ernstem Fodern,
sein Lied nach Freiheit ruft und Recht ,
auch das ist deutschen Geistes Lodern ,
Beharrlich, prunklos , stark und echt .
Es lehrt uns - was das Schicksal sende -
Dem Weltlauf fest ins Auge schaun ;
es lehr uns treu sein bis ans Ende
und auf der Zukunft Sterne traun .

Und forschen wir ,wie vom Beginne
der Sprache zweigend Erz gediehn ,
und was der Väter gläub'gem Sinne
als uralt heilig Bild erschien :
er hat den rechten Schatz gefunden ,
er trägt auf vielgewundner Bahn
durchs Labyrinth der Götterkunden
die Fackel deutend uns voran .

So wob er schon in unsre Jugend
des Liedes Schmuck , der Sage Lust ,
so reift ' er zu entschlossner Tugend
den Freiheitsdrang in unsrer Brust .
So stand er deutschen Reichtums Wächter
in sinnverwelschter Zeiten Lauf ,
und huld'gend schauten drei Geschlechter
zu seiner stillen Hoheit auf .

Er schied ; es bleibt der Mund geschlossen ,
so karg im Wort , im Lied so klar ,
der Mund , draus nie ein Spruch geflossen ,
der seines Volks nicht würdig war .
Doch segnend waltet sein Gedächtnis ,
unsterblich fruchtend um uns her ;
das ist an uns sein gross Vermächtnis ,
so treu und deutsch zu sein wie er .


Zuletzt bearbeitet von rita am 09.03.2009, 23:15, insgesamt einmal bearbeitet
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rita
BeitragVerfasst am: 11.02.2008, 12:40  Neue Antwort erstellen
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Emanuel Geibel 1815-1884 deutscher Lyriker
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Wie reinigst du die Seele mir vom Staube,
du blauer , goldbeschwingter Frühlingstag !
Es prangt die Welt im frischverjüngten Laube ,
die Pfade blüh'n , wohin ich blicken mag ,
und sehnlich schallt der Ruf der wilden Taube ,
und lockt mich tief und tiefer in den Hag ,
bis um mich her , wo keine Spur mehr leitet
Waldeinsamkeit die grünen Schleier breitet .
O, welch ein Duft hier , welch ein stilles Sprossen ,
das Veilchen grüßt , die Blüte springt am Strauch !
Von fernen Türmen kommt Geläut geschossen ,
und mischt sich in der Schöpfung Opferrauch ;
und im gelinden Säuseln ausgegossen
empfind' und atm' ich reinsten Lebenshauch .

Ich fühl's, ich hab ein Heiligtum betreten ,
und all mein Wesen wird ein lautlos Beten .
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Ann
BeitragVerfasst am: 28.02.2008, 20:51  Neue Antwort erstellen
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Emanuel Geibel 1815-1884 deutscher Lyriker
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Wohnort: Gronau

Die stille Wasserrose

Die stille Wasserrose
Steigt aus dem blauen See,
Die feuchten Blätter zittern,
Der Kelch ist weiß wie Schnee.

Da gießt der Mond vom Himmel
All seinen goldnen Schein,
Gießt alle seine Strahlen
In ihren Schooß hinein.

Im Wasser um die Blume
Kreiset ein weißer Schwan;
Er singt so süß, so leise,
Und schaut die Blume an.

Er singt so süß, so leise,
Und will im Singen vergehn -
O Blume, weiße Blume,
Kannst du das Lied verstehn?
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rita
BeitragVerfasst am: 09.03.2009, 22:33  Neue Antwort erstellen
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Emanuel Geibel 1815-1884 deutscher Lyriker
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Am 3. September 1870

Nun lasst die Glocken
von Turm zu Turm
durchs Land frohlocken
im Jubelsturm !
Des Flammenstosses
geleucht facht an !
Der Herr hat Grosses
an uns getan .
Ehre sei Gott in der Höhe !

Es zog von Westen
der Unhold aus ,
sein Reich zu festen
in Blut und Graus ;
Mit allen *ächten
der Höll im Bund
die Welt zu knechten ,
das schwur sein Mund .
Furchtbar dräute der Erbfeind .

Vom Rhein gefahren
kam fromm und stark
Mit Deutschlands Scharen
der Held der Mark .
Die Banner flogen ,
und über ihm
in Wolken zogen
die Cherubim .
Ehre sei Gott in der Höhe !

Drei Tage brüllte
die Völkerschlacht ,
ihr Blutrauch hüllte
die Sonne in Nacht .
Drei Tage rauschte
der Würfel Fall ,
und bangend lauschte
der Erdenball .
Furchtbar dräute der Erbfeind .

Da hub die Wage
des Weltgerichts
am drittenTage
der Herr des Lichts
und warf den Drachen
vom güldnen Stuhl
mit Donnerkrachen
hinab zum Pfuhl .
Ehre sei Gott in der Höhe !

Nun bebt vor Gottes
und Deutschlands Schwert
die Stadt des Spottes ,
der Blutschuld Herd .
Ihr Blendwerk lodert
wie bald ! Zu Staub ,
und heimgefordert
wird all ihr Raub .
Nimmermehr dräut uns
der Erbfeind .

Drum lass die Glocken
von Turm zu Turm
durchs Land frohlocken
im Jubelsturm !
Geleucht facht an !
Der Herr hat Grosses
an uns getan .
Ehre sei Gott in der Höhe !
-
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Ann
BeitragVerfasst am: 21.01.2010, 12:33  Neue Antwort erstellen
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Emanuel Geibel 1815-1884 deutscher Lyriker
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45055
Wohnort: Gronau

Um keinen Preis gestehe du
der Mittelmäßigkeit was zu .
Hast du dich erst mit ihr vertragen ,
so wird dir's bald bei ihr behagen ,
bis du zuletzt , du weißt nicht wie ,
geworden bist so flach wie sie.

am 21.01.2010 von Rita im Gästebuch eingestzt
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