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  Gedichte  -  Gabriele von Baumberg 1768-1839
Ann
BeitragVerfasst am: 19.09.2011, 17:46  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gabriele von Baumberg 1768-1839
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Eine Phantasie

Der Weg von Freundschaft bis zur Liebe
Ist eine blumenreiche Flur:
Nie scheint uns da die Sonne trübe,
Und ringsum lächelt die Natur.

Sie leitet uns durch Rosengänge,
Und zeigt uns fern ein Paradies:
Und Harmonie macht durch Gesänge
Uns diese Frühlingsreise süss.

Wohin wir blicken, sehn wir Segen;
In jeder Pflanze, jedem Kraut
Lacht immer Freud' uns hold entgegen,
Und Hoffnung grünt, wohin man schaut;

Sie flicht aus ihrem eignen Kranze
Die schönsten Blätter uns ins Haar:
Und leicht umschwebt im leichten Tanze,
Gleich Elfen, uns der Wünsche Schaar.

Aus Wünschen werden endlich Triebe,
Ein Trupp, der stark uns mit sich zieht:
Und plötzlich sind wir in der Liebe
Nur allzureizendem Gebieth. -

Doch, ach, wie traurig und wie trübe,
Wie freudenlos, wie kalt und lang
Ist dann der öde Weg von Liebe
Zur Freundschaft! – Welch ein Uebergang!

Wenn Hindernis von allen Seiten
Den *üden Wanderer bestürmt,
Und Berge von Unmöglichkeiten
Ihm das Geschick entgegen thürmt!

Da giebt es lauter öde Haiden,
Nicht Eine blumenreiche Flur:
Und statt der Hoffnung süsser Freuden
Geht Schwermuth uns zur Seite nur.

Kurz war der Weg hinan zum Glücke;
Der Liebesfreuden bunte Reihn
Verkürzten ihn: - doch, ach, zurücke
Geht man den langen Weg allein.

Noch glücklich, wem das Chor der Musen
Ein süsses Saitenspiel beschert,
Das manchmal dem gepressten Busen
Erleichterung und Trost gewährt!
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.09.2011, 17:48  Neue Antwort erstellen
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Gabriele von Baumberg 1768-1839
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Bey Zurückstellung eines weissen Tuchs

Auch dich darf ich nicht länger mehr besitzen!
So kehre dann mit Dank und mit Gesang
Zurück, zu dem, der, mich vor Frost zu schützen,
Sorgfältig dich um meinen Busen schlang.

Wie leise schlug mein Herz, von dir bedecket,
Zwar unbemerkt, doch warm für deinen Herrn!
Von keiner bangen Ahndung aufgeschrecket,
Wähnt' ich das Ende seiner Liebe fern.

Doch nur zu bald begann er mich zu fliehen,
Und meidet nun mit Kälte jeden Blick.
Er hat dich, wie sein Herz, mir nur geliehen;
Und fodert beydes nun von mir zurück.

So geh dann hin, und in den nächsten Tagen
Hüll einer Andern stolzen Busen ein!
Dann mag er dich als Siegesfahne tragen,
Und noch einmal sich meiner Thränen freun!
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.09.2011, 17:50  Neue Antwort erstellen
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Gabriele von Baumberg 1768-1839
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Der Frühlingsmorgen

Der erste Frühlingsmorgen
Erwachet über mir,
Und findet mich in Sorgen,
Und sieht mich fern von dir.

Sonst fand er mich in Freuden
An deiner trauten Hand,
Mir waren Trennungsleiden
Und Gram noch unbekannt.

Nun treibt mich banges Sehnen
Auf Wiese, Feld und Au:
Dort mischen meine Thränen
Sich mit dem Morgenthau.

Obschon zu künft'gen Früchten
Die Erde Blüthen trägt,
Die Nachtigall Geschichten
Von treuer Liebe schlägt;

Die holde Frühlingssonne
Auf uns hernieder lacht,
Und jedes Herz zur Wonne
Und zum Gebeth erwacht:

Theil' ich doch nicht die Freuden,
Theil' ich die Andacht nicht,
Ich fühle nur die Leiden
Schwer drückendes Gewicht,

Nur, dass ich fern, o Trauter,
Von deinem süssen Kuss,
Der Erde Fest mit lauter
Wehklage feyern muss.
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.09.2011, 17:51  Neue Antwort erstellen
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Gabriele von Baumberg 1768-1839
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Die Zeit

Die Zeit zerstört und baut Paläste,
Streut bunte Blumen auf die Flur:
Verschlingt des Nachruhms Ueberreste,
Und lässt dem Enkel keine Spur:

Mit unersättlichem Behagen
Nagt sie am Denkmal mancher Gruft;
Zwar mildert sie des Unmuths Klagen
Durch sie zerfliesst der Gram in Luft.

Oft nährt, oft löschet sie die Flamme,
Die Leidenschaft im Busen birg't;
Oft untergräbt sie schlau am Damme
Womit Vernunft entgegen wirkt.

Sie kann, was Menschen selten können,
Sie setzet Schranken jedem Schmerz,
Vereint oft, was die Menschen trennen,
Giesst Balsam in das wunde Herz.

Zwar wieget sie die stärksten Triebe
In Schlummer ein, nach Sturm und Braus;
Doch die Erinnrung Erster Liebe
Tilgt selbst die Ewigkeit nicht aus! –
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.09.2011, 17:52  Neue Antwort erstellen
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Gabriele von Baumberg 1768-1839
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Der Morgenkuss nach einem Ball

Durch eine ganze Nacht sich nahe seyn,
So Hand in Hand, so Arm im Arme weilen,
So viel empfinden ohne mitzutheilen -
Ist eine wonnevolle Pein!

So immer Seelenblick im Seelenblick
Auch den geheimsten Wunsch des Herzens sehen,
So wenig sprechen, und sich doch verstehen -
Ist hohes martervolles Glück!

Zum Lohn für die im Zwang verschwundne Zeit
Dann bey dem Morgenstrahl, warm, mit Entzücken
Sich Mund an Mund, und Herz an Herz sich drücken -
O dies ist – Engelseligkeit!
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.09.2011, 17:53  Neue Antwort erstellen
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er Schmetterling auf einem Vergißmeinnichtchen

Ein Blümchen, das sich zwar nicht mehr
Für unsre Lage schickt,
Hab' ich doch, Freund, von Ungefähr
Für dich jüngst abgepflückt.

Denn wiss', als ich es pflückte, hing
Ein Schmetterling daran.
Ich sah, dass auch ein Schmetterling
Dies Blümchen lieben kann.

Dies Wunder der Natur entging
Dann meinem Blicke nicht:
Drum schick' ich dir den Schmetterling
Und das Vergißmeinnicht.
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BeitragVerfasst am: 19.09.2011, 17:53  Neue Antwort erstellen
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Die Braut am Grabe des Geliebten

Geschmückt mit blauem Sternenschleyer
Zieht bräutlich nun die Nacht heran:
Und schmachtend folgt schon ihr Getreuer,
Der Mond, auf wolkenloser Bahn.

Die Stille herrscht; nur Philomele
Singt noch ihr zärtlich schmelzend Ach!
Und flöttet auch in meiner Seele
Entschlummerte Gefühle wach.

Das Echo hörts, und hallt die Lieder
Der zärtlich treuen Sängerinn
Am Grabeshügel traurig wieder,
Wo ich verwais't – verlassen bin.

Ich seh' mit grambenetzten Blicken
Zum heitern, lieben Mond hinauf:
Wann wird auch mich die Nacht beglücken?
Wann endet meiner Prüfung Lauf?

Wann werd' ich dort bey hellen Sternen,
Wo längst schon mein Erwählter wohnt,
Die Regungen vergessen lernen,
Die hier kein Sterblicher belohnt?

Wann wird die Segensmacht erscheinen,
Die uns auf Ewig dort vereint,
Wo Engel Freudenthränen weinen,
Wenn ein getreues Weib erscheint?
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.09.2011, 17:54  Neue Antwort erstellen
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Nantchens Unbussertigkeit

Ihn lieben wäre Sünde! Nein!
Das glaub' ich nimmermehr!
Doch wenn es wirklich Sünde wär',
Die Sünde könnt' ich selbst im Tode nicht bereun.
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BeitragVerfasst am: 19.09.2011, 17:55  Neue Antwort erstellen
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Das liebende *ädchen

Jüngling, wenn ich dich von fern erblicke,
Wird vor Sehnsucht mir das Auge nass:
Nahst du dich, so hält es mich zurücke
Wie mit Fesseln – und ich weiss nicht, Was?

Fern von dir hab' ich so viel zu klagen,
Und dir gegenüber sitz' ich stumm,
Kann dir nicht ein Sterbens-Wörtchen sagen,
Stammle nur, - und weiss doch nicht, Warum?

Stundenlang häng' ich an deinem Blicke:
Aber wenn der deinige mich so
Ueberrascht, fährt meiner scheu zurücke,
Will sich bergen, - ach! und weiss nicht, Wo?

Seh' ich dich mit andern *ädchen spassen;
O, dann *öcht' ich arme Schwärmerinn
Meine Vaterstadt, mein Land verlassen,
*öchte fliehn, - und weiss doch nicht, Wohin?

Einsam lass' ich, statt mich zu zerstreuen,
Meinen Thränen ungestörten Lauf,
Wiege mich in süssen Träumereyen,
Freue mich, - und weiss doch nicht, Worauf?

Denke mir das höchste Glück auf Erden,
Das ein *ädchen sich nur wünschen kann,
Hoffe, dass sie einmal kommen werden
Diese Freuden, - ach, und weiss nicht, Wann?

Denke von zwey gleich gestimmten Seelen
Mir die schönste, reinste Harmonie,
*öchte dich aus einer Welt erwählen,
Theurer Jüngling! – ach, und weiss nicht, Wie?
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.09.2011, 17:58  Neue Antwort erstellen
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Schwur und Glaube

"Kann je dies Herz dir untreu werden,
"Das dich so zärtlich liebt, so heiss!
"Dann Lindenblätter, fällt zur Erden,
"Und du, geliebter Quell, wird Eis!

So raubten Siegmunds süsse Töne
Einst einem *ädchen Glück und Ruh;
Und künstlich heuchelt' er die Thräne
Scheinbarer Redlichkeit hinzu:

Dass sie, getäuscht durch seine Blicke,
Und überwältigt vom Gefühl,
Nicht ahnend des Verräthers Tücke,
Ihm sorglos in die Arme fiel.

Kaum aber war sein Flehn erhöret,
Und für die Treu, die er verhiess,
Vom guten Kind' ihm Treu gewähret:
Als er die Arme schon verliess.

Er floh: sie weint': er kam nicht wieder.
Leichtsinnig brach er Pflicht und Schwur,
Liess sich auf fremden Fluren nieder,
Und spottet' ihrer Thränen nur.

Bestürzt schlich sie hianus zur Quelle,
Wo sie sonst freudig sich beschaut.
Erinnrung schwebt um diese Stelle,
Drum seufzt das gute *ädchen laut:

"Ach, Gott! er hat nicht falsch geschworen,
"Ich hab ihm nur zu leicht geglaubt!
"Denn alle Quellen sind gefroren,
"Und alle Bäume sind entlaubt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.09.2011, 17:59  Neue Antwort erstellen
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Kennzeichen wahrer Liebe

Nicht alles, was man Liebe heißt, ist Liebe,
Wenn's gleich Uraniens Gewänder trägt.
Unschuldig sind des Herzens erste Triebe,
Und selig der, der sie in uns erregt!

Ihr Feuer wärmet sanft, so wärmt die Sonne
Im Frühlinge den jungen Blüthenbaum;
Sie ist allein der Urborn ächter Wonne,
Und was ihr vorging, was ihr folgt, ist Traum.

Nur sie berührt des Herzens feinste Saite,
Die Einmal, Einmal nur harmonisch klingt,
Und dann verstummet, wenn nicht eine zweyte
Gleich lautende zur Antwort widerklingt.

Sie ist genügsam, duldend und bescheiden,
Sie zehret stets von ihrem eignen Schatz;
Ein Wort, ein Blick gewährt für alle Freuden
Der Eitelkeit den reichlichsten Ersatz.

Durch stille Selbszufriedenheit geblücket,
Ist sie verschwiegen, kaum dem Busenfreund
Vertraut sie, was sie kränket und entzücket;
Sie ist, indess die Afterliebe scheint.

Vor ihr entfliehn die niedrigen Begierden,
Erhabene Gedanken zeugt sie nur,
Und machet leicht der Menschheit schwerste Bürden.
Ach! was wär' ohne sie die Creatur!

Sie kennt nicht kleinen Eigennutz, sie währet
Auch dann noch oft, wann jede Hoffnung flieht,
Still wie ein Lämpchen, das sich selbst verzehret,
Und ungesehn in öden Gräbern glüht.

Ihr, die ihr zürnt, wenn diese sanften Triebe
In uns erwachen, eh' ihr ihnen wehrt,
Bedenket, dass der Frühling ächter Liebe
Oft schnell verblüht, und selten wiederkehrt.
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