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  Gedichte  -  Maria Therese von Artner 1772-1829 österr. Schriftstellerin
Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2011, 16:46  Neue Antwort erstellen
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Maria Therese von Artner 1772-1829 österr. Schriftstellerin
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Amors Schrift

Amor schreibt in *ännerherzen
Mit der Kreide leichtem Zug;
Was daran vorüber schwebet,
Tilgt die Innschrift leicht genug.
Aber in der Weiber Herzen
Gräbt er, wie in festen Stein,
Mit dem Griffel und mit Schwärze
Der Geliebten Namen ein.
So, verwittert auch die Farbe,
Muß die tiefgeprägte Narbe
Dennoch ewig sichtbar seyn.
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2011, 16:47  Neue Antwort erstellen
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AN EIN MAYLÜFTCHEN

als mein Vater schlief.

Spiele sanft mit dem Silbergelock
An des Vaters schlummerndem Haupt,
Holder Knabe des Frühlings!

Mit den Schmetterlings Fittigen weh'
Alle Balsamdüfte des May's
In des Ruhenden Antlitz.

Du verjüngtest mit laulichem Kuß
Auch der alten Erde Gestalt,
Hobst zu kräftigem Leben

Der Matrone kaum bebenden Puls,
Und vom Sterbelager erstand,
Sie im Kranze der Jugend.

O, zum Aeson verjüng' auch den Greis!
Mit dem süssen Blüthenhauch schmelz'
Ihm den Schnee seiner Scheitel.

Färbe rosig ihm wieder die Wang',
Fächle Wärm' und *ännliche Kraft
In die Adern des Greises!
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2011, 16:48  Neue Antwort erstellen
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An eine schöne Flötenspielerin

Als aus gelötetem Rohr sich Pallas die Flöte verfertigt,
Und den Ton nun versucht‘, letzet‘ er himmlisch das Ohr,
Aber verzerrt erscheinen dabei die reizenden Züge,
Siehe, da warf sie – doch Weib! – zornig das Kunstwerk zur Erd‘!
Doch als die Göttliche jüngst den Zaubertönen gelauschet,
Da du flötetest, und dir in das Antlitz geblickt,
Sah, wie zum süßesten Kuss die lächelnden, rosigen Lippen,
Hauchend schweben am Holz, wahrnahm das niedliche Spiel
Der geründeten, zarten Finger, die zierliche Haltung
Deiner Arm‘ und Gestalt, o wie erstaunte sie da!
Hurtig nahm sie die Flöt‘ wieder auf, und bat nun die Charis,
Welche so hold dichs gelehrt, Lehrerin ihr auch zu sein.
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2011, 16:49  Neue Antwort erstellen
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BEYM JAHRESWECHSEL.

Tage sendet um Tage herab der goldene Wagen
Phöbus; jeder versinkt wieder allnächtlich im Meer.
Horen tanzen mit ihnen vorüber. Dem Sohne des Staubes
Führen die Kindheit sie zu, lieblich mit Knospen geschmückt:
Glücklich spielt er mit ihr; doch bald entflieht sie dem Schauplatz,
Und die Jugend erscheint, schöner mit Rosen gekrönt.
Es umschweben sie hold phantastische Zaubergestalten,
Bilder der Freude; du nahst, himmlische Liebe, mit ihr.
Aber kurz wie ein Traum — und es scheucht der ernste Saturnus
Jugend und Liebe hinweg, Lächeln und Rosen hinweg.
Ach! — so raubet die Zeit denn alles, was sie gegeben ?
Läßt, wie beym Ausgang, arm, trostlos den Pilger am Ziel?
Nein! ich bin nicht allein. Die Freundschaft und die Erfahrung
Stehen zur Seite mir treu, bleiben im Wechsel zurück.
Sey auch alles entflohn! Wenn diese mir Weisheit gebieret,
Jene mich edel beglückt — Chronos verschlinge den Rest!
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2011, 16:50  Neue Antwort erstellen
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Das Auge der Geliebten

Gleichenloses Flammenauge
Das bis in die Seele dringt!
Du weißt alles aufzuregen,
Jeder Puls springt dir entgegen,
Der in meinen Adern springt,
Heldenkühnheit und Entzücken,
Heiterkeit und Thränenlust
Senkest du mit Zauberblicken
In die unterworfne Brust.

Magisch ziehst du, wie Magnete:
O wer widerstünde da,
Wenn du lieblich lächelnd flimmerst?
Wer, wenn du begeistert schimmerst,
Fühlt sich nicht der Gottheit nah?
Kühn durchdringt dein Strahl den Schleyer
Der die Wahrheit uns verdeckt;
Er entflammt das heil'ge Feuer
Das zu großen Thaten weckt.

Doch wenn Wehmuth dich umschleyert,
Und durch Thränen blinkt die Glut,
Dann erst wirken deine Wunder,
Fachen an den kleinsten Zunder,
Der in meinem Busen ruht.
Ach, ich laß ihn nur entglühen!
Eher löschte meine Hand
Hekla's tobend Lavasprühen
Und der Griechen Feuerbrand.

Heilig wie die Opferlohe
Brennt er nur mit süßem Schmerz.
Nicht mein Innres zu zerstören,
Nur die Schlacken aufzuzehren,
Fiel er heilsam in mein Herz.
Ach, und könnt' er je ermatten,
Früher als mein Lebenslicht,
Wär' ich schon ein nicht'ger Schatten,
Ehe noch mein Auge bricht.
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2011, 16:51  Neue Antwort erstellen
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GESTÄNDNISS.

Amor, stimme meine Saiten!
Was ich sonst nur Dir vertraut,
Meines Lieblings Lob soll laut
Itzt von meinen Lippen gleiten;
Was sonst jedes *ädchen scheut
Zu gestehn, bekenn ich heut

Ich bekenn' es, daß ich liebe!
Wie verheelt' ich auch den Schmerz,
Welcher durch mein zitternd Herz
Schauert, und mit *ächt'gem Triebe
Ewig Tritte, Mund und Hand
Lenkt nach Einem Gegenstand?

Trenn' ich mich von ihm, so beben
Aengstlich meine Glieder gleich;
Von den Wangen, welk und bleich,
Aus den Augen flieht das Leben,
Und ich schwanke, matt und kalt,
Aehnlich einer Spuckgestalt.

Doch mit sehnlicherm Verlangen,
Kann des Bräutigams kühner Arm
Nicht die Jungfrau, liebewarm,
Beym Verlobungskuß umfangen,
Als mein Arm sich an dich schmiegt,
Ist die Trennung nun besiegt.

Auf dich heftend Mund und Blicke
Fest an dich gedrückt die Brust,
O wie schnell kehrt Leben, Lust
Färb' und Feuer mir zurücke!
O wie schmilzt mein stockend Blut
Dann an deiner treuen Glut!

Mag der Sturm aus Nordost heulen,
Schick' des Poles kalter Bär
Flocken, Eis und Frost uns her;
Kann ich nur bey dir verweilen,
Gern entbehr' ich Mayenluft,
Vogelsang und Blüthenduft.

Lohne stets mit gleichem Feuer
Meine reine Zärtlichkeit,
Und kein *ädchen weit und breit
Liebet inniger und treuer,
Als ich dich, bis zum April,
Trauter Ofen, lieben will.
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