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  Gedichte  -  Hermann Hesse 1877-1962 Dichter Schriftsteller
rita
BeitragVerfasst am: 08.04.2008, 18:53  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Hermann Hesse 1877-1962 Dichter Schriftsteller
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Gartenmeister(in)
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Den Kindern
Ihr wißt nichts von der Zeit ,
wißt nur , daß irgendwo im Weiten
ein Krieg geschlagen wird ,
und zimmert Holz zu Schwert und Schild und Speer
und kämpft im Garten euer selig Spiel ,
schlagt Zelte auf ,
tragt Binden mit dem roten Kreuz
Und hat mein liebster Wunsch für euch Gewalt ,
so bleibt der Krieg
für euch nur dunkle Sage allezeit ,
so steht ihr nie im Feld
und tötet nie
und fliehet nie aus brandzerstörtem Haus .
Dennoch sollt ihr einst Krieger sein (*Symbolisch)
und sollst eins wissen ,
daß dieses Lebens süßer Atem ,
daß dieses Herzschlags liebes Eigentum
nur Lehen ist , und daß durch euer Blut
Vergangenheit und Ahnenerbe
und fernste Zukunft rollt,
und daß für jedes Haar auf eurem Haupt
ein Kampf , ein Weh , ein Tod gelitten ward .
Und wissen sollt ihr , daß der Edle
in seiner Seele immer Krieger ist ,
auch der nie Waffen trug ,
daß jeden Tag ein Feind,
daß jeden Tag ein Schicksal wartet
Vergeßt es nicht !
--------------------------------------
Gedenkt des Blutes , der Schlachten , der Zerstörung ,
auf denen eure Zukunft ruht ,
und wie auf Tod und Opfer vieler
das kleinste Glück sich baut !
Dann werdet ihr das Leben lodernder
und werdet inniger einst den Tod umarmen .
*Symbolisch *öchte ich das interpretieren .


Zuletzt bearbeitet von rita am 17.05.2009, 19:50, insgesamt 2-mal bearbeitet
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rita
BeitragVerfasst am: 02.09.2008, 12:32  Neue Antwort erstellen
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Hermann Hesse 1877-1962 Dichter Schriftsteller
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Wir Kinder im Juli geboren
lieben den Duft des weißen Jasmin,
wir wandern an blühenden Gärten hin
still und in schwere Träume verloren .

Unser Bruder ist der scharlachrote Mohn ,
der brennt in flackernden roten Schauern
im Ährenfeld und auf den heißen Mauern ,
dann treibt seine Blätter der Wind davon .

Wie eine Julinacht will unser Leben
traumbeladen seinen Reigen vollenden ,
Träumen und heißen Erntefesten ergeben ,
Kränze von Ähren und rotem Mohn in den Händen .


Zuletzt bearbeitet von rita am 24.02.2009, 18:06, insgesamt einmal bearbeitet
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rita
BeitragVerfasst am: 24.02.2009, 17:58  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Sage

Der König mit den Mannen sass beim Mahl ,
da flog ein scheuer Vogel durch den Saal .

Der König sprach :,, Ihr Freunde , saget mir ,
ist nicht ein Gleichnis unser Vöglein hier !

Aus Dunkelheit in Dunkelheit geeilt ,
hat es nur augenblicks am Licht geweilt .

so gehn auch wir und kommen ohne Spur
und sind am Lichte wenig Tage nur ."

Antwort gab Einer :,, Seine Ruhestatt
kennt jener Vogel , wo er Heimat hat .

Wohl ist das Leben eitel Traum und Nacht
und arme Schläfer wir .Gott aber wacht .''
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rita
BeitragVerfasst am: 24.02.2009, 18:16  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Der Berggeist .

Ein starker Geist hält seine weisse Hand
weit über seine Berge ausgespannt .

Gross ist das Leuchten seines Angesichts ,
ich aber fürcht ihn nicht : er tut mir nichts .

In schwarzen Schlüften hab ich ihn gespührt ,
auf hohen Gipfeln sein Gewand berührt .

Ich hab ihn oft aus leisem Schlaf geweckt
und zwischen Tod und Leben frech geneckt .

Und stundenlang , wenn ich im Herzen litt ,
ging er auf Gletscherwegen leise mit .

Und legte gütig seine kühle Hand
auf meine Stirn , bis ich Frieden fand .
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rita
BeitragVerfasst am: 17.05.2009, 19:47  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

In Sand geschrieben

Das das Schöne und Berückende
nur ein Hauch und Schauer sei ,
dass das Köstliche , Entzückende ,
Holde ohne Dauer sei :
Wolke , Blume , Seifenblase ,
Feuerwerk und Kinderlachen ,
Frauenblick im Spiegelglase
und viel andre wunderbare Sachen ,
dass sie, kaum entdeckt , vergehn ,

nur von Augenblickes Dauer ,
nur ein Duft und Windeswehen ,
ach , wir wissen es mit Trauer ,
und das Dauerhafte , Starre
ist uns nicht so innig teuer :
Edelstein mit kühlem Feuer ,
glänzendschwere Goldesbarre ;
selbst die Sterne , nicht zu zählen ,
bleiben fern und fremd , sie gleichen
uns Vergänglichen nicht , erreichen
nicht das Innerste der Seelen .

Nein , es scheint das innigst Schöne ,
Liebenswerte dem Verderben
zugeneigt , stets nah am Sterben .
Und das Köstlichste : die Töne
der Musik , die im Entstehen
schon enteilen , schon vergehen ,
sind nur Wehen ,Strömen , Jagen
und umweht von leiser Trauer ,
denn auch nicht auf Herzschlags Dauer
lassen sie sich halten , bannen ;
Ton um Ton , kaum angeschlagen ,
schwindet schon und rinnt von dannen .
So ist unser Herz dem Flüchtigen ,
ist dem Fliessenden , dem Leben
treu und brüderlich ergeben ,
nicht dem Festen , Dauertüchtigen .

Bald ermüdet uns das Bleibende ,
Fels und Sternwelt und Juwelen ,
uns in ewigem Wandel treibende
Wind - und Seifenblasenseelen,
Zeitvermählte , Dauerlose ,
denen Tau am Blatt der Rose ,
denen eines Vogels Werben ,
eines Wolkenspieles Sterben ,
Schneegeflimmer , Regenbogen ,
Falter , schon hinweg geflogen ,
denen eines Lachens Läuten ,
das uns im Vorübergehen
kaum gestreift , ein Fest bedeuten
oder wehtun kann .Wir lieben ,
was uns gleich ist , und verstehen ,
was der Wind in den Sand geschrieben .

(frei : Die Masse erdrückt immer die Minderheit ,
auch ohne bösen Willen -,
es ist berechenbar ,nachvollziehbar ,
seit Jahrhunderten - , tausenden von Jahren ,
werden sie überrannt , so geschehen - überliefert .)
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rita
BeitragVerfasst am: 26.05.2009, 10:20  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Der Heiland

Immer wieder wird ein Mensch geboren ,
spricht zu frommen , spricht zu tauben Ohren ,
kommt uns nah und geht uns neu verloren .

Immer wieder muss er einsam ragen ,
aller Brüder Not und Sehnsucht tragen ,
immer wird er neu ans Kreuz geschlagen .

Immer wieder will sich Gott verkünden ,
will das Himmlische ins Tal der Sünden ,
will ins Fleisch der Geist , der ewige , *ünden .

Immer wieder ; auch in diesen Tagen ,
ist der Heiland unterwegs zu segnen ,
unseren Ängsten , Tränen ,Fragen , Klagen
mit dem stillen Blicke zu begegnen ,
den wir doch nicht zu erwidern wagen ,
weil nur Kinderaugen ihn ertragen .
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rita
BeitragVerfasst am: 26.05.2009, 12:53  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Erfüllte Stille

Ruhig sein , heiter !
Hier ist es die Ruh des Sees ,
wenn sich kein Lüftlein regt ;
dort die Ruhe des
stehenden Wassers im Graben .

So ist es auch mit uns .
Manchmal sind wir auf gesunde Art
geläutert und beruhigt
wie nie zuvor im Leben ,
nicht durch ein Schlafmittel ,
sondern durch unbewussten Gehorsam
gegnüber den allgerechten Gesetzen ,
sodass wir wie ein stiller See
von reinstem Kristall werden,
und *ühelos offenbaren sich uns unsere Tiefen .

Die ganze Welt geht vorüber
und spiegelt sich in unserem Grund .
Solche Klarheit !
Errungen mit solch reinen Mitteln !
Durch einfaches Leben ,
durch ehrliche Absicht .
Wir leben und jubeln .
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sonic.
BeitragVerfasst am: 27.01.2010, 21:53  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 10.11.2009
Beiträge: 2466

Besinnung

Göttlich ist und ewig Geist.
Ihm entzogen, dessen wir Bild und Werkzeug sind,
Führt unser Weg, unsere innerste Sehnsucht ist:
Werden wie Er, leuchten in Seinem Licht.

Aber irden und sterblich sind wir geschaffen,
Träge lastet auf uns Kreaturen die Schwere.
Hold zwar unsd *ütterlich warm umhegt uns Natur,
Säugt uns Erde, bettet uns Wiege und Grab;
Doch befriedet Natur uns nicht,
Ihren Mutterzauber durchstößt
Des unsterblichen Geistes Funke
Väterlich, macht zum Mann das Kind,
Löscht die Unschuld und weckt uns zu Kampf und Gewissen.

So zwischen Mutter und Vater,
So zwischen Leib und Geist
Zögert der Schöpfung gebrechliches Kind,
Zitternde Seele Mensch, des Leidens fähig
Wie kein anderes Wesen, und fähig des Höchsten
Gläubiger, hoffender Liebe.

Schwer ist sein Weg, Sünde und Tod seine Speise
oft verirrt er ins Finstere, oft wär ihm
Besser, niemals erschaffen zu sein
Ewig aber strahlt über ihm seine Sehnsucht,
Seine Bestimmung; das Licht der Geist.
Und wir fühlen; ihn, den Gefährdeten,
Liebt der Ewige mit besonderer Liebe.

Darum ist uns irrenden Brüdern
Liebe *öglich noch in der Entzweiung,
Und nicht Richten und Haß,
Sondern geduldige Liebe,
Liebendes Dulden führt
Uns dem heiligen Ziele näher.
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sonic.
BeitragVerfasst am: 10.03.2010, 19:41  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 10.11.2009
Beiträge: 2466

Aus dem Buch "Vom Baum des Lebens "
Herrmann Hesse
Friede
(Okt. 1914)
Jeder hat’s gehabt,
Keiner hat’s geschätzt,
Jeden hat der süße Quell gelabt,
O, wie klingt der Name Friede jetzt!

Klingt so fern und zag,
Klingt so tränenschwer,
Keiner weiß und kennt den Tag,
Jeder sehnt ihn voll Verlangen her.

Sei willkommen einst,
Erste Friedensnacht,
Milder Stern, wenn endlich du erscheinst
Überm Feuerdampf der letzten Schlacht.

Dir entgegen blickt
Jede Nacht im Traum,
Ungeduldig rege Hoffnung pflückt
Ahnend schon die goldne Frucht vom Baum.
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Ann
BeitragVerfasst am: 13.11.2013, 18:23  Neue Antwort erstellen
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Administrator
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44710
Wohnort: Gronau

Herbstbeginn

Der Herbst streut weiße Nebel aus,
Es kann nicht immer Sommer sein!
Der Abend lockt mit Lampenschein
Mich aus der Kühle früh ins Haus.

Bald stehen Baum und Garten leer,
Dann glüht nur noch der wilde Wein
Ums Haus, und bald verglüht auch der,
Es kann nicht immer Sommer sein.

Was mich zur Jugendzeit erfreut,
Es hat den alten frohen Schein
Nicht mehr und freut mich nimmer heut -
Es kann nicht immer Sommer sein.

O Liebe, wundersame Glut,
Die durch die Jahre Lust und *ühn
Mir immer hat gebrannt im Blut -
O Liebe, kannst auch du verglühn?
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