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  Kurzgeschichten  -  Erinnerung
Juska
BeitragVerfasst am: 14.05.2012, 10:17  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 07.10.2006
Beiträge: 5979

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Es muss im Jahr 1993 gewesen sein, als unserem Pflegesohn beim Sportunterricht in der Schule ein Unfall zustieß. Wie auch immer dieser sich zutrug, *öglicherweise hinter dem Rücken seiner Sportlehrerin kann ich in Einzelheiten jetzt nach so vielen Jahren kaum noch wiedergeben. Jedenfalls wurden wir benachrichtigt und er anschließend im städtischen Krankenhaus geröntgt und dort eingeliefert. Das Ellbogengelenk war gebrochen und sollte dort operiert werden. Wir mussten noch auf die Zustimmung seiner Mutter warten, weil diese nach wie vor sein Vormund war. Das gab natürlich einige Aufregung, zum Teil sogar mit Verweigerung zur Unterschrift und Vorwürfen. Doch konnte sie nicht anders und nach langem hin und her mit Arzt und Warterei hatten wir endlich ihre Zustimmung.
Als später nach der Operation die ambulante Nachuntersuchung anstand, erklärte uns der Arzt zu dem Röntgenbild: Auf dem Bild ist zu erkennen, dass im unteren Bereich der Knochen nicht durchblutet wird. Das war eine schreckliche Mitteilung für uns und was das bedeuten könnte, mochten wir vorerst gar nicht näher wissen.

Zur gleichen Zeit besuchten meine Schwiegereltern regelmäßig einen Wunderheiler „Cornelje“, der sich an der niederländischen Grenze niedergelassen hatte, weil ihm in Deutschland die Niederlassung nicht erlaubt war.
Mein Schwiegervater hatte mir davon schon die tollsten Heilungen mitgeteilt. Eine davon ist mir heute immer noch im Gedächtnis: Ein Mann seines Alters aus seinem Heimatort litt an Nasenkrebs, ließ sich regelmäßig von Corneje die Hand über seine wunde Nase legen und die Stellen trockneten aus und fielen am Ende ab. Es sähe aus, als hätte ihm einer ein Stück aus der Nase gebissen. Cornelje war jetzt unsere ganze Hoffnung.
Zuversichtlich fuhr ich mit dem Jungen dort hin. Es war ein neues Gebäude, praktisch für den Heiler eingerichtet. Es gab eine Anmeldung mit Aufnahme in einer Kartei und einen großen Raum mit Warteplätzen. In Reihen wurden die Menschen durch den Behandlungsraum geführt. Bei Vielen kannte er schon die Stellen, die zu berühren waren, bei manchen hörte man: “Du musst noch mal wiederkommen!“ Oft sagte er: „Kommt näher, rückt doch mal auf!“
Als der Junge ihm seinen Arm hinhielt, sagte er nicht „Ich kann dir nicht helfen!“, einige wenige Male bekamen wir noch zu hören: „Komm noch mal wieder!“. Tatsächlich war bei der nächsten Nachuntersuchung das Staunen der Ärzte angesagt. Ein ganz normales Röntgenbild kam ihnen entgegen. Obwohl, irgendwie wirkt der Arm leicht verdreht. Doch auch damit kann er sich gut bewegen. Der operierende Arzt muss selber kurz nach der OP gestorben sein. Und ob es Cornelje Behandlungsräume noch gibt oder einer seiner Kinder als Wunderheiler sein Erbe antreten konnte, ist mir nicht bekannt.
Ich frage mich, was ist aus all denen geworden, die ihn damals in Holland besuchten?
Ich hörte auch schon mal von ihm „Dir kann ich nicht helfen!“. Das war erschreckend für mich, kam aber bei Cornelje zum Glück sehr selten vor.
Juska


Zuletzt bearbeitet von Juska am 15.05.2012, 09:47, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.05.2012, 11:38  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44744
Wohnort: Gronau

Liebe Juska,

eine Freundin von mir, sie wohnte in Neviges, fuhr vor vielen Jahren auch zu dem Wunderheiler. Zu der Zeit hatte meine Mutter offene Beine, die verkrustet waren. Meine Freundin brachte ihr Watte mit, die von dem Wunderheiler berührt worden war. Als wir meiner Mutter die Watte auf das Bein legten, platzten die Verkrustungen auf und das Blut spritzte durch den Raum. Meine Mutter bekam so einen Schrecken und wollte die Watte nicht mehr benutzen.
Meiner Freundin, krebskrank, konnte er nicht heilen.

Liebe Grüße
Ann
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achatscheibe
BeitragVerfasst am: 14.05.2012, 15:47  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 07.10.2011
Beiträge: 1278

Liebe Juska
Es klingt alles irgendwie "unheimlich", aber was wissen wir Menschen schon?
Und was wir nicht erklären können, das darf halt nicht sein; so die Wissenschaft.
Aber es gibt noch so viele ungeklärte Dinge auf dieser Welt und anderswo.

Liebe Grüße
Bernd
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Juska
BeitragVerfasst am: 15.05.2012, 09:28  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 07.10.2006
Beiträge: 5979

Liebe Ann,
ich weiß, diese Wattepakete wurden einzeln von ihm berührt. Er nahm sie zwischendurch immer wieder in seine Hände. Es brachten auch Menschen Fotos mit von ihren kranken Angehörigen. Vielleicht hätte ihr Glaube etwas länger anhalten sollen und ihre Wunden wären verschwunden. Natürlich erschreckt es, wenn Blut spritzt.
In unserem Fall jedenfalls war es ein Segen.

Danke auch dir, Bernd.
Ich bin noch gar nicht dazu gekommen mir deine neuen Kurzgeschichten durchzulesen. Nur flüchtig, die letzte und die gefiel mir sehr gut.
Liebe Grüße Juska

(fast ist sie verschwunden, die Bronchitis. Es haben wohl noch ein paar Tage Seeluft gefehlt)
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Juska
BeitragVerfasst am: 18.08.2015, 19:31  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 07.10.2006
Beiträge: 5979

Lange habe ich jetzt nach dieser Geschichte wieder gesucht.
Nach meinem E-bike-Sturz bin ich jetzt in der gleichen misslichen Lage.
Auch bei mir will der Kugelgelenkknochen nicht so richtig durchblutet werden.

Es gibt ihn noch, den Sohn dieses Herrn und wir haben ihn wieder aufgesucht .Sein Vater lebt nicht mehr, doch die Karteikarte hat sein Sohn übernommen. und ich
bin heilfroh darüber. Nachts wickle ich meinen Arm mit Kyta-Salbe (Inhalt Beinwell) ein und Watte habe ich mir auch schon besorgt. Die werde ich in 2 Wochen mitnehmen, wenn ich wiederkommen soll.
Jetzt muss es doch einfach klappen!
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Ann
BeitragVerfasst am: 18.08.2015, 20:28  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44744
Wohnort: Gronau

Liebe Juska,

recht gute Besserung wünsche ich Dir von Herzen.

Alles Gute und liebe Grüße

Ann
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Juska
BeitragVerfasst am: 24.08.2015, 18:49  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 07.10.2006
Beiträge: 5979

Danke, Ann, ich bin sehr zuversichtlich.
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