Das Orthogravieh

> PLAUDERGARTEN

 

 


Neue Antwort erstellen
Neues Thema eröffnen
Autor Nachricht
  Kurzgeschichten  -  schön und traurig zugleich
achatscheibe
BeitragVerfasst am: 21.01.2020, 18:33  Neue Antwort erstellen
Kurzgeschichten
schön und traurig zugleich
Antworten mit Zitat
Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 07.10.2011
Beiträge: 1283

Eine wirklich traurige Geschichte

Vor zwei Jahren hatte Franz Zimmermann herausgefunden, dass ein morgendlicher Spaziergang wohltut. Vor allem die Luft im Stadtpark. Die Bäume und Sträucher und die mit Liebe angelegten Blumenbeete sind Balsam für die Seele. Sie sind für ihn der Sauerstoff für den ganzen Tag. Seelisch und körperlich. Hinzu kommt noch, er trifft sich dort mit einem lieb gewonnenen Freund. Ein Freund, der ihm seine Trauer erleichtert, darüber hinweghilft ... jeden Tag. Franz Zimmermann hatte vor zweieinhalb Jahren seine Frau verloren ... der Krebs war stärker. Das war ein niederschmetternder Schicksalsschlag. Aber das Leben geht weiter, muss weitergehen. Trauer muss sein, aber man darf sich nicht aufgeben. Es dauert jedoch alles seine Zeit. Und man greift nach jedem Strohhalm, den man ergreifen kann. Und solch einer hüpfte eines Tages vor Franz Zimmermanns Beinen herum, als er auf einer Bank im Stadtpark saß und seinen Gedanken nachhing. Ein Eichhörnchen mit rotem Fell. Es setzte sich vor ihn hin, schaute ihn drollig an. Franz musste lächeln. Aber es blieb nicht lange sitzen. Geschwind zeigte es dem Franz seine Rückenansicht und kletterte auf den nächsten Baum. Es war nur eine kurze Begegnung, aber der Franz hatte seine Freude daran gehabt. Am nächsten Tag ging er voller Erwartung am frühen Morgen wieder in den Park. Im Sommer und bei schönem Wetter ist es hier früh 7 Uhr angenehm ruhig. Man hört die Stille der Natur. Nur vereinzelt kommt mal ein Jogger vorbei.
Franz hat nur 10 Gehminuten zu seiner Lieblingsbank. Wenn es mal regnet, der Franz geht trotzdem seine Runde durch den Park. Was soll er zu Hause allein herumsitzen. Frische Luft tut immer gut. Auch bei Regen.
Am nächsten Tag, zum Glück schien die Sonne, setzte er sich wieder auf seine Bank und war gespannt, ob der kleine Nager heute wiederkommen würde. Es dauerte keine zwei Minuten und er kam flink hinter einem Baum hervor, überquerte den Weg und setzte sich vor die Füße vom Franz. Ich bin vielleicht ein Dummkopf, dachte er bei sich. Ich muss Nüsse kaufen. Morgen bringe ich dir Nüsse mit, sagte er deutlich zu dem Eichhörnchen. Und als ob es verstanden hätte ... Franz glaubte, es hätte mit dem Kopf genickt ... machte es sich wieder flink davon. Noch am Vormittag ging Franz in die Stadt und legte sich einen großen Vorrat an Nüssen zu. Und wie er es geahnt und sich auch gewünscht hatte, am nächsten Tag kam das Eichhörnchen wieder. Es saß erwartungsvoll vor seinen Füßen, schaute ihn an ... als ob es wüsste, der Mann hatte Nüsse mitgebracht. Und Franz warf ihn eine vor seine Füße ... geschwind ergriff es die Nuss und machte sich davon. Zwei Minuten später war es wieder da. Franz gab ihm eine weitere Nuss. Flink war das Eichhörnchen wieder verschwunden. Wahrscheinlich hatte es die Nuss in Sicherheit gebracht. Zirka zehn Mal wiederholte sich dieses kleine Schauspiel. Es dauerte nur noch wenige Tage, dann saß das Eichhörnchen auf der Bank neben dem Franz und fraß eine Nuss nach der anderen. Irgendwann unternahm Franz den Versuch, das Eichhörnchen zu streicheln. Und es ließ den Franz gewähren. Der Franz war selber überrascht, er hätte einen Jubelschrei von sich geben können. Das war wieder mal so ein wundervoller Tag, einfach herrlich. Er war seit langem wieder mal richtig glücklich. Franz hatte sich in das kleine Tier verliebt. Das Fell war wirklich rot, total rot und nicht rotbraun, wie man es meisten bei den Hörnchen sehen konnte.
Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf, deshalb legen sie sich Vorräte an. Allerdings können sie sich nicht alle Verstecke merken. Franz hatte sich da kundig gemacht. Und um es seinem Eichhörnchen zu erleichtern, kam er auch im Winter in den Park. Er warf ihm ein paar Nüsse hin, dann verabschiedete er sich wieder. Franz konnte es kaum erwarten, im Frühjahr wieder im Park auf der Bank zu sitzen, neben sich sein Eichhörnchen.
Ob es *ännlich oder weiblich war, das ist für Laien nicht so einfach zu bestimmen. Aber nach seinen Recherchen im Internet ... sein Eichhörnchen ist eine Sie. Und so bekam es den Namen Susi. Und mit der Zeit wurde Franz und sein Eichhörnchen sogar stadtbekannt. Es sind nicht viele Jogger, die früh durch den Stadtpark laufen, aber drei bis vier sind es schon. Und unter diesen befindet sich eine Frau, die Ulrike Schäfer. Diese Dame ist Redakteurin des hiesigen Tageblattes und hatte eines Tages ihren Lauf unterbrochen, als sie sah, wie der Franz das Eichhörnchen fütterte. Ach, wie süß, fand sie, und kam mit dem Franz in ein Gespräch. Und einen Tag später brachte sie einen Fotografen mit und Franz und Susi schafften es auf die Titelseite der Zeitung.
Und dann kam der Tag ...
Ulrike Schäfer ging wieder mal joggen. Sie kannte mehrere Laufstrecken ... an diesem Tag entschied sie sich aber wieder mal für den Stadtpark. Auch freute sie sich, den Herrn Zimmermann und das Eichhörnchen Susi wieder begrüßen zu dürfen. Sie kam um die Wegbiegung gerannt und wusste sofort, irgendetwas war heute anders. Als sie näher kam ... ein ungutes Gefühl stieg in ihr hoch. Der Mann saß auf der Bank, keine Reaktion. In seinen Händen lag das Eichhörnchen, tot. Und Herr Zimmermann ... ebenfalls tot. Am nächsten Tag wäre Franz 73 Jahre geworden.
Franz Zimmermann hatte einen Herzinfarkt erlitten. Was das Eichhörnchen betraf, welches auf den geöffneten Händen des Toten lag, da konnte man nur Vermutungen anstellen. Wahrscheinlich war Herr Zimmermann wie gewöhnlich zu seiner Bank gelaufen. Die Susi muss wohl vor, unter, oder auf der Bank gelegen haben, allerdings tot. Sie war eines natürlichen Todes gestorben. Wahrscheinlich war sie schon alt gewesen. Eichhörnchen werden in der Regel 6 bis 7 Jahre alt. Der Franz Zimmermann hatte dann die Susi in seine Hände gelegt, wahrscheinlich ein paar Tränen geweint ... und ist dann auch verstorben.
Eine wirklich traurige Geschichte ... so stand es am anderen Tag in der Zeitung.
©B.Töpfer
Nach oben
Sponsor
Ann
BeitragVerfasst am: 03.03.2020, 18:28  Neue Antwort erstellen
Kurzgeschichten
schön und traurig zugleich
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45102
Wohnort: Gronau

Lieber Bernd,

gerade habe ich Deine wunderschöne Geschichte von dem Eichhörnchen gelesen, ich muss sie wohl total überlesen haben. Eine wirklich total gute Geschichte.
Vielen Dank und liebe Grüße

Annegret
Nach oben
achatscheibe
BeitragVerfasst am: 03.03.2020, 19:13  Neue Antwort erstellen
Kurzgeschichten
schön und traurig zugleich
Antworten mit Zitat
Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 07.10.2011
Beiträge: 1283

Danke, liebe Ann.
Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde

Seite 1 von 1
gedichte-garten.de Foren-Übersicht  -  Kurzgeschichten

Neue Antwort erstellen

 

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Oh wie schön Leddes Eigene Gedichte von Gästen 4 08.02.2018, 01:06 Letzten Beitrag anzeigen
Traurig ist mein Leddes Eigene Gedichte von Gästen 3 31.08.2017, 20:13 Letzten Beitrag anzeigen
Es ist traurig Leddes Eigene Gedichte von Gästen 2 28.08.2017, 16:11 Letzten Beitrag anzeigen
Du weisst die Antwort schon . . . Ametyst Eigene Gedichte von Gästen 2 11.10.2015, 12:36 Letzten Beitrag anzeigen
Antwort ist schon da Ametyst Eigene Gedichte von Gästen 2 09.09.2015, 09:36 Letzten Beitrag anzeigen

Annegret Kronenberg © 2004-2006 | Alle Rechte vorbehalten | Inhalt | Lyrik | Liebesgedichte | Gedichte & Poesie | Adventskalender basteln | Internet Forensicherheit